Förderschullehrer reden über das Aus ihrer Schulform

Erich-Kästner-Schule

Erstmalig hatte die Erich-Kästner-Schule im vergangenen Herbst keine neuen Schüler für die Klassen 1 bis 5 aufgenommen. Die Förderschule in Haltern ist nur noch ein Auslaufmodell, obwohl sie mit ihrer Kompetenz ein Aushängeschild in der Schullandschaft ist.

HALTERN

, 08.04.2015, 05:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Erich-Kästner-Schule wird es bald nicht mehr geben und damit auch keine Förderschule mehr in Haltern.

Die Erich-Kästner-Schule wird es bald nicht mehr geben und damit auch keine Förderschule mehr in Haltern.

„Wir sind geschrumpft“, beschreiben Vivi Klapheck und Falk Wildemann aus Sicht der Schulleitung den schmerzhaften Auflösungsprozess. Das Ende ist schon in Sichtweite gerückt. Im Sommer 2016 schließt eine Schule ihre Türen, die vielen Halterner Kindern ein sicherer Hort gewesen ist und ihre individuellen Fähigkeiten gefördert hat.

Das nahende Ende nimmt schon jetzt Einfluss auf das Schulleben. „Die Dynamik hat sich verändert“, beschreibt Vivi Klapheck. Was das heißen kann, zeigt auch der Blick in den Lehreralltag. Bis auf drei Kollegen sind mittlerweile alle sonderpädagogischen Fachkräfte der Erich-Kästner-Schule stundenweise an Regelschulen abgeordnet.

"Auf dem Sprung"

Vivi Klapheck ist beispielsweise montags, dienstags und mittwochs zunächst an der Martin-Luther-Schule tätig, um zur großen Pause an die Erich-Kästner-Schule zu wechseln. Donnerstags und freitags steht ihr jeweils ein ganzer Tag in einer Schule zur Verfügung. Die Lehrerin ist sozusagen immer auf dem Sprung und muss bei jedem spontanen Ereignis auf die Uhr schauen.

„So geht es auch meinen Kollegen“, sagt sie und fügt hinzu: „Dieser Übergang ist für alle ein kräftezehrender Prozess.“ Aufgrund der verschiedenen Klassensituationen sorgt sie sich besonders um Kinder mit emotional-sozialem Förderschwerpunkt, denn diese benötigen Konstanz statt schnelle Wechsel.

Gewachsene Struktur zerstört

Klapheck betont in diesem Zusammenhang, dass sie hinter dem Gedanken der Inklusion steht. Das gemeinsame Lernen könne auf Dauer aber nur erfolgreich sein, wenn alle Bezugspersonen konstant in einem System arbeiten könnten. Es sei richtig, „davon wegzukommen, alle Menschen gleich zu machen“.

Vielmehr sollte jeder Mensch nach seinen persönlichen Fähigkeiten angenommen und gefördert werden. Diese Idee sei aber erst ein zartes Pflänzchen, das Zeit zum Wachsen benötige. Stattdessen werde mitten im Prozess des Wandels mit der Förderschule eine gewachsene Struktur zerstört. Gleichzeitig fehlten in den neuen Orten des gemeinsamen Lernens die sonderpädagogischen Fachkräfte. Wie es aussieht, kann dieser Bedarf nicht so schnell gedeckt werden, der Markt ist so gut wie leer gefegt.

Sorgen um Schüler

Auf dem Papier sollen zwar beide Systeme nebeneinander bestehen bleiben. Faktisch aber sei das Aus der Halterner Förderschule kein Einzelfall. Weitere Einrichtungen in der Region wurden bereits geschlossen. Wenn Halterner künftig einen Förderstandort erreichen wollen, müssen sie weite Wege in Kauf nehmen.

Um manchen Schüler machen sich Vivi Klapheck und ihre Kollegen Sorgen. Die Fachkräfte sind überzeugt, dass nicht alle Kinder mit Förderschwerpunkt vom inklusiven Unterricht in der Regelschule profitieren können. „Gerade für Kinder, die ein engmaschiges Setting brauchen, ist die Förderschule der richtige Ort“, so Klapheck. 

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