Fraktionen diskutierten über Sythener Bauprojekt: „Verwaltung hat einen Bock geschossen“

hzBetreutes Wohnen Elterbreischlag

Über das Sythener Bauprojekt Betreutes Wohnen hat Bürgermeister Klimpel mit den Halterner Fraktionsvorsitzenden debattiert. Die Politiker sind sauer, die Anwohner enttäuscht.

Sythen, Haltern

, 19.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach der interfraktionellen Runde zum Thema Betreutes Wohnen sind sich die Vorsitzenden der Halterner Ratsfraktionen weitgehend einig. Und sauer dazu. Auch Anwohner des Bauprojekts im Sythener Elterbreischlag haben auf die Entschuldigung des Bürgermeisters, der für die eigenmächtige Vorgehensweise der Verwaltung die volle Verantwortung übernimmt, reagiert.

„Ich bin erschrocken, wie das alles gelaufen ist“, sagt Michael Zimmermann. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen zeigt sich auch nach der Sitzung, zu der die Verwaltung für Montagabend zwecks Aufklärung über die Entwicklung des Bauvorhabens eingeladen hatte, noch betroffen vom Vorgehen der Stadt. Diese hatte im Alleingang Baugenehmigungen für das Betreute Wohnen in Sythen erteilt.

Fraktionen diskutierten über Sythener Bauprojekt: „Verwaltung hat einen Bock geschossen“

Das Bauprojekt Betreutes Wohnen im Sythener Elterbreischlag beschäftigt Anwohner und Politik. © Foto:Ingrid Wielens

Besonders in den Fokus rückt dabei ein Beschluss der Verwaltung vom 12. April 2017. Dieser sah die Abkehr von den ursprünglich geplanten „Laubengängen“ zwischen den fünf Einzelhäusern mit je sieben Wohnungen vor und ermöglichte der TSC Osmium Berlin den Bau von verglasten Treppenhäusern.

Durch diesen Verwaltungsakt entstand ein gewaltiger Häuserzug. An der Straße Eltritt ragt eine rund 70 Meter lange Gebäudefront zweigeschossig in die Höhe. Ein weiterer Nachteil: Die Treppenhäuser wurden zwischenzeitlich und mit Genehmigung der Stadt aus Beton gebaut. Dadurch wirkt der gesamte Komplex noch dichter.

Grüne kritisieren eigenmächtige Entscheidung

„Die Verwaltung hat eigenmächtig entschieden“, meint Zimmermann. Es müsse geklärt werden, inwieweit sie ohne Beteiligung der politischen Parteien hätte handeln dürfen. Die Grünen wie auch die Fraktionen von SPD und WGH haben Akteneinsicht beantragt.

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„Für die Menschen, die da wohnen, ist das jetzt ganz schwierig“, erklärt Beate Pliete. Im Ausschuss für Generationen und Soziales sowie im Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss hätten die Nachteile des Bauvorhabens deutlicher herausgestellt werden müssen, kritisiert die SPD-Fraktionsvorsitzende. Stattdessen sei es vornehmlich um die Frage gegangen, ob der Investor die Wohnungen vermieten oder verkaufen wolle.

Mit Bau-Gestaltungssatzungen oder städtebaulichen Verträgen will die CDU künftig Bauvorhaben mit gewisser städtebaulicher Relevanz - gemeint sind eher große Projekte - begegnen. Auch der Fraktionsvorsitzende Andreas Stegemann hätte sich mehr Beteiligung der Politik beim Sythener Großprojekt gewünscht. „Das ist nicht gut gelaufen“, erklärt er. Mit einer derart geschlossenen Bauweise habe niemand gerechnet.

„Eklatanter Verstoß gegen Antrag“

Die WGH sieht in dem Okay zu den Treppenhäusern einen eklatanten Verstoß „gegen einen Antrag der WGH-Fraktion von September 2015, in dem gefordert wurde, dass wesentliche Änderungen uns vorgestellt werden müssen“, heißt es in einer Mitteilung. „Da hat die Verwaltung einen Bock geschossen“, betont der WGH-Fraktionsvorsitzende Ludwig Deitermann. Die Vorgehensweise sei „unvorstellbar für ein Wohngebiet solcher Qualität“.

Kai Surholt findet es zwar „gut und anständig, dass der Bürgermeister Verantwortung für die Entwicklung im Elterbreischlag übernimmt“. Die Politik aber habe sich dieses Projekt ganz anders vorgestellt, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende. Nun sei es wichtig, „das Beste für die Anwohner herauszuholen“.

Einschaltung durch Bauaufsicht wird von allen Fraktionen begrüßt

Ausdrücklich begrüßt wird von allen Fraktionen die Prüfung des Bauprojekts durch die Bauaufsicht des Kreises Recklinghausen. Bürgermeister Klimpel hatte die Behörde eingeschaltet, um herauszufinden, inwieweit baurechtlich alles ordnungsgemäß gelaufen ist.

Allgemein befürwortet wird auch die von Klimpel in Aussicht gestellte Arbeitsgruppe aller Beteiligten. Diese soll nach Möglichkeiten suchen, wie der gesamte Komplex durch farbliche Gestaltungen der Fassaden, Grünanpflanzungen oder andere Maßnahmen zumindest aufgelockert werden kann.

Die Anwohner allerdings versprechen sich von einer solchen Arbeitsgruppe eher wenig. „Das alles wird für uns nicht mehr viel ändern“, sagt Marlit Büren-Kolk. Bei allen Problemen spiele die Fassadenfarbe eine untergeordnete Rolle. Ihr Haus am Eltritt steht unmittelbar gegenüber der „Großstadtfassade“, wie sie die Häuserfront nennt. „Bei der Planung haben wir alles nach Süden ausgerichtet“, sagt sie. Die Sonne allerdings komme nicht am Wohnprojekt-Gebäude vorbei. Beispielsweise könne der Wintergarten daher nicht wie geplant genutzt werden.

Marlit Büren-Kolk sagt ganz deutlich: „Wir hätten das Grundstück nicht gekauft oder zumindest das Haus nicht so gebaut, wenn wir von den Plänen der Stadt etwas gewusst hätten.“ Die hatte damals nur die Entwurfspläne vorgelegt, die noch fünf freistehende Einzelhäuser vorsahen. „Es ist alles total schiefgegangen.“ Die Sythenerin fordert die Verantwortlichen auf, „sich umfassender zu erklären“.

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