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Frank Goosen kommt am Dienstag (28. Mai) zur Lesung in die Halterner Aula

Interview

Der Bochumer Erfolgsautor Frank Goosen (52) kommt nach Haltern. Viele seiner Bücher sind verfilmt worden, im Interview spricht er über den VfL Bochum, die „gute alte Zeit“ und den Mauerfall.

Haltern

, 25.05.2019 / Lesedauer: 4 min
Frank Goosen kommt am Dienstag (28. Mai) zur Lesung in die Halterner Aula

Der Autor Frank Goosen kommt zur Lesung nach Haltern am See. © Ira Schwindt

Kabarettist und Romanauto“ ist die Berufsbezeichnung, die das Online-Lexikon Wikipedia dem Bochumer Frank Goosen gibt. Er selbst sagt aber: „Ich bin kein Kabarettist. Im Prinzip sitze ich nur am Tisch und lese vor. Das kann ich am besten.“ Vor seinem Vorlesetermin in Haltern am See haben wir mit ihm gesprochen.

Herr Goosen, als guter Eisbrecher funktioniert doch immer der Fußball. Hätten Sie vor der Saison gedacht, dass Ihr VfL Bochum den Bundesliga-Aufstieg entscheidet?

Ich hab gehofft, dass der VfL selbst Zweiter wird. Mit dem Durchmarsch Paderborns hab ich natürlich nicht gerechnet, aber man wird in den nächsten Jahren nicht mehr so leicht aufsteigen können. Zweiter mit nur 57 Punkten - hat‘s das schon mal gegeben? Für Bochum ist das sehr ärgerlich, für mich ziehe ich ein sehr negatives Fazit dieser Saison.

Durch das Unentschieden im letzten Spiel geht Bochum wegen der schlechteren Tabellenplatzierung einiges Geld durch die Lappen, der Gegner Union Berlin spielt in der Relegation gegen Stuttgart um die Bundesliga. Wem drücken Sie da die Daumen?

Leider ist es ja nicht das Geld der Spieler, das ihnen durch die Lappen geht. Einige Freunde hab ich in Berlin, da ist mir Union dann schon sympathischer. Und mein neues Buch spielt ja auch zum großen Teil in Berlin.

Gutes Stichwort. Die Charaktere um die Hauptfigur Förster kennen wir schon aus Ihrem letzten Buch. Förster ist Autor, um die 50 und hat nicht sonderlich Lust auf Buchvorstellungen oder Interviews. Wie viel Goosen steckt im Förster?

Der Förster im Roman ist aus der gleichen Generation wie ich, hat den gleichen Beruf und ich habe ihm den gleichen Hintergrund mitgegeben. Aber ich hatte nie eine richtige Schreibblockade und familiär sieht‘s bei mir auch ganz anders aus. Manche meiner Erfahrungen habe ich zugespitzt einfließen lassen. Förster hält nach Interviews einige seiner Aussagen für zu dumm, das sehe ich bei mir tatsächlich auch manchmal.

Aber Ihre Texte beinhalten kluge Beobachtungen. Geschichten über den Alltag im manchmal „schäbbigen“ Ruhrgebiet, die man mit einem zufriedenen Lächeln liest.

Humor ist enorm wichtig zur Lebensbewältigung. Das neue Buch „Kein Wunder“ spielt aber im zweiten Halbjahr ‘89, da geht es um den Mauerfall. Das war alles andere als Alltag. Eine Figur namens Fränge hat im Roman mit Anfang 20 eine Freundin im Westen und eine im Osten. Durch diese Konstellation ist er nicht ganz so scharf auf den Mauerfall. Die Geschichte pendelt ansonsten zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet. Auch hier war unheimlich viel in Bewegung, das ist nach der Wende in den Hintergrund getreten. Die meisten jungen Leute hatten schon damals mit Bergbau und Stahl nix mehr zu tun.

Frank Goosen kommt am Dienstag (28. Mai) zur Lesung in die Halterner Aula

Der Bochumer Frank Goosen liest aus seinem neuen Roman "Kein Wunder". © Ira Schwindt

Waren die Veränderungen denn gut so oder war früher alles besser?

Natürlich war früher nicht alles besser. Da zitiere ich den Förster: „Das einzige, was früher besser war, sind die eigenen Augen und Gelenke.“ Mit Anfang 20 waren wir halt alle körperlich besser drauf. Aber wenn man sagt, dass früher alles besser war, heißt das, dass das eigene Leben eine Bewegung nach unten ist. Das ist bei mir zum Glück nicht der Fall.

Ich bin zum Beispiel ein großer Fan von Streamingdiensten für Musik, Filme und Serien. Übrigens hab ich den Mauerfall tatsächlich verpasst, weil ich an dem Abend ein Video geguckt habe. Erst am nächsten Tag habe ich im Radio gehört, dass die Mauer gefallen ist.

Das wär heute doch gar nicht mehr möglich, oder? Jetzt kommt die Push-Nachricht ja direkt aufs Handy.

Für mein Buch habe ich mir die Tagesthemen vom 9. November ‘89 auf Youtube angesehen. Meine Lieblingsszene ist, als sie zu einem Grenzübergang schalten, wo der Reporter nur mit einem Mann im Trainingsanzug steht. Der sagt ihm: „Da vorne geht die Post ab.“ Fünf Kilometer weiter ist grad Weltgeschichte zugange, nur nicht da, wo die ARD ihre Kamera hat. Heute würden natürlich überall Handyvideos entstehen.

Am Dienstag (28. Mai) kommen Sie zur Lesung nach Haltern am See. Wie reagieren Sie, wenn dort jemand mitfilmt?

Videos mag ich nur, wenn ich vorher gefragt werde. Wenn sie professionell und ordentlich gemacht sind, ist das okay. Aber ich möchte auch wissen, was mit den Aufnahmen gemacht wird. Außerdem ist das ja wie bei der Musik: Das Live-Erlebnis wird im Video einfach nicht rübergebracht.

Viele Ihrer Bücher sind schon verfilmt worden. Wer soll denn den Förster mit seinen Parallelen zum Goosen spielen?

Ach, das weiß ich nicht. Mit meinen Vorstellungen bin ich da vorsichtig, das wissen die Filmprofis besser. Das Casting für die bisherigen Filme war immer großartig.

Und wie denken Sie über Haltern am See? Atze Schröder sagte mal: „Die Côte d‘Azur des Ruhrgebiets“.

Mit meinen Großeltern bin ich früher oft am Wochenende in der Gegend gewesen. Haltern ist ein bisschen wie Hagen, was zwischen Ruhrgebiet und Sauerland liegt. Beide haben eine Brückenfunktion und Brücken sind nun mal ganz wichtig.

Das kann man auch politisch interpretieren, in den Tagen vor der Europawahl.

Es ist auf jeden Fall ganz wichtig, zur Wahl zu gehen. Keine Partei soll nur wegen wenig Wahlbeteiligung gute Ergebnisse bekommen. Durch den Brexit kam die Notwendigkeit, sich wieder mehr mit Europa zu beschäftigen. In den letzten Jahren ist die Idee Europa etwas von den Leuten weggerückt, aber auch in Abgrenzung zu den USA und China ist Europa eine ganz wichtige Sache.

Frank Goosen tritt auf Einladung der Buchhandlung Kortenkamp am Dienstag (28. Mai) in der Aula an der Holtwicker Straße auf. Beginn ist um 19.30 Uhr, Karten gibt es in der Buchhandlung am Halterner Marktplatz oder an der Abendkasse und kosten 15 Euro.
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