Jeder Mensch hat eine persönliche Klimabilanz. Wir haben erfolgreiche (gebürtige) Halterner gefragt, welche Rolle der Klimaschutz in ihrem Alltag spielt und was sie noch angehen wollen.

Haltern

, 20.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Cornelia Schmergal, Redakteurin im Spiegel-Hauptstadtbüro Berlin

Der Straßenverkehr gilt als einer der größten CO2-Verursacher. Meine persönliche Klimabilanz dürfte an dieser Stelle unauffällig sein: Ich habe kein Auto. Zugegeben, in Berlin ist das einfach. Der nächste Supermarkt liegt im Zweifel näher als der nächste freie Parkplatz.

U- und S-Bahnen fahren im Fünf-Minuten-Takt. Und wenn ich meine Eltern in Haltern besuche, nehme ich ohnehin die Bahn. Für das Klima ist das gut – und ganz nebenbei habe ich Zeit zum Entspannen.

Einzig das Radfahren war im Berliner Innenstadtverkehr bis vor kurzem nur etwas für Todesmutige. Jetzt gibt es ein paar neue, sehr breite und sehr auffällige Radwege, ganz in grün.

Verbraucher sollten ihre Macht als Nachfrager nutzen. Deshalb bemühe ich mich, bewusst und regional einzukaufen. Aber beim Thema Plastikvermeidung stoße ich an Grenzen. Ich wohne neben einem wunderbaren Bio-Samstagsmarkt, der kommt ganz ohne Verpackungen aus.

Anders ist das, wenn ich nach der Arbeit in der Redaktion schnell noch was einkaufen will. Mir ist es rätselhaft, warum im Supermarkt um die Ecke auch Tomaten, Trauben oder Gurken in Plastik eingeschweißt sein müssen.

Diesen sinnlosen Abfall würde ich gern reduzieren. Auch auf Grillwürstchen könnte ich verzichten. Auf eine gute Mettwurst allerdings niemals.

Für den Klimaschutz - So verhalten sich Prominente aus Haltern im Alltag

Dr. Stefan Leifert arbeitet seit 2014 im ZDF-Studio Brüssel und ist dort für die Berichterstattung über alle Themen der Europapolitik, NATO und Benelux-Staaten zuständig. 2005 startete er als Trainee beim ZDF. Von 2006 bis 2014 war er Parlamentskorrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio Berlin. © privat

Dr. Stefan Leifert, ZDF-Korrespondent in Brüssel

„Viel zu wenig. Ich habe zwar seit Jahren kein Auto, als beruflicher Vielflieger aber dennoch einen riesigen ökologischen Fußabdruck. Im Kleinen versuche ich: keine Plastiktüten, weniger Fleisch und: Bio- vor Massenprodukten.“

„Wieder häufiger die Bahn zu nehmen, statt für jede Strecke selbstverständlich einen Flug zu buchen. Hat den schönen Nebeneffekt, dass man wieder mehr zum Lesen kommt!“

Für den Klimaschutz - So verhalten sich Prominente aus Haltern im Alltag

Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup ist Direktor des Westfälischen Energieinstituts in der Westfälischen Hochschule. © Jürgen Wolter

Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup, Wirtschaftswissenschaftler an der Westfälischen Hochschule

Ich habe ein energiesparendes Passivhaus mit einer PV-Anlage auf dem Dach. Das Haus verbraucht zu Heizzwecken kein Öl oder Gas, sondern nur Ergänzung der PV-Anlage lediglich Öko-Strom. Außerdem fahre ich bei meinen vielen Vorträgen immer mit der Bahn und benutze das Flugzeug nur bei langen Auslandsreisen.

Zukünftig werde ich noch mehr in meinen Vorträgen auch auf den Klimaschutz verweisen und radikal deutlich machen, dass endlich die Natur in den Warenpreisen zu berücksichtigen ist und nicht für uns Menschen als eine Gratisgabe verstanden werden darf.

Für den Klimaschutz - So verhalten sich Prominente aus Haltern im Alltag

Bei Dr. Franz-Josef Overbeck haben wir geschummelt. Er ist kein gebürtiger Halterner, war aber von 1990 bis 1994 Kaplan in Haltern. Er ist seit 2009 Bischof von Essen und seit 2011 Militärbischof der Bundeswehr. © picture alliance / Oliver Berg/d

Dr. Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen

Als Bischof trage ich dazu bei, unsere Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung wachzuhalten und Möglichkeiten des umweltgerechten Verhaltens aufzuzeigen. In meinem Privathaushalt achte ich auf einen verantwortlichen Umgang mit Lebensmitteln, Energie und alltäglichen Gebrauchsgütern.

Ich möchte dafür Sorge tragen, dass in allen kirchlichen Einrichtungen und Pfarreien ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit gestärkt wird.

Für den Klimaschutz - So verhalten sich Prominente aus Haltern im Alltag

Dr. Gaby Bußmann ist als Sportpsychologin im Spitzensport tätig. Als Leichtathletin war sie in den 1970er- und 1980er-Jahren als 400-Meter- und 800-Meter-Läuferin erfolgreich. Bei den Olympischen Spielen in Los Angeles gewann sie 1984 mit der 4-mal-400-Meter-Staffel als Schlussläuferin hinter den Vereinigten Staaten und Kanada Bronze. © Lutz Kampert

Dr. Gaby Bußmann, Sportpsychologin und ehemalige Weltklasse-Leichtathletin

Ich versuche, ich wähle bewusst den Begriff versuche, weil es mir noch nicht immer aber immer häufiger gelingt, folgendes umzusetzen und zu beachten:

Ich verbrauche zunächst, bevor ich nachkaufe. Ich reflektiere vermehrt, brauche ich das wirklich? = bedachtes Einkaufen

Ich kaufe gerne saisonale heimische Produkte und achte jetzt vermehrt darauf.

Ich achte auf verpackungsfreies Einkaufen, was im Alltag nicht immer ganz einfach ist.

Ich habe immer eine Tüte oder einen Einkaufskorb dabei.

Mein Haarpflegemittel habe ich von einer Firma, wo ich die Produkte beim Friseur in der Flasche nachfüllen lassen kann.

Beim Obst achte ich darauf, dass es nicht verpackt ist.

Ich esse relativ wenig Fleisch und achte da jetzt noch mehr drauf.

Ich möchte die obigen Maßnahmen weiter ausbauen, immer häufiger umsetzen und und bin offen für weitere Empfehlungen. Meine Tochter ist da sehr aufmerksam und hat mir schon viele hilfreiche Tipps gegeben.

Für den Klimaschutz - So verhalten sich Prominente aus Haltern im Alltag

Dr. Rainer Babiel ist Geschäftsführer der Babiel GmbH. Das Unternehmen ist Berater und Realisierungspartner für Digital Marketing und E-Commerce. Zu den Kunden gehören die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag. © privat

Dr. Rainer Babiel, Unternehmer in Düsseldorf, Berlin und Wien

Wir betreiben mehrere Tausend (virtuelle) Serversysteme für Regierung und Industrie in unserem Rechenzentrum. Mit jeder Neuanschaffung reduzieren wir unseren durchschnittlichen Stromverbrauch und veröffentlichen dies auch in unserem CSR-Bericht.

Klimaschutz war bei der Anschaffung der Heiztechnik für mein Haus vor drei Jahren wichtig: Ein befreundeter Halterner Unternehmer hat mich hier beraten. So habe ich einem Wärmetauscher den Vorzug vor einer Heizung mit fossilen Brennstoffen gegeben. Und die Hauselektronik optimiert den Energieverbrauch.

Bald muss privat ein neues Auto angeschafft werden. Ohne geht es in meinem Beruf leider nicht. Hier rücken für mich die wenigen Wasserstoff-Fahrzeuge in den Fokus. Hier in Düsseldorf gibt es schon zwei Tankstellen und die Reichweite ist die eines regulären Fahrzeugs.

Für den Klimaschutz - So verhalten sich Prominente aus Haltern im Alltag

Dr. Carsten Radas (Mitte), ist Chefarzt des Zentrums für ambulante Operationen im St.-Josef-Stift Sendenhorst. Er betreut außerdem die Hoch-, Weit- und Dreispringer sowie die Sprintstaffeln der Deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft. © Silvia Wiethoff

Dr. Carsten Radas, Chefarzt am St. Josef Stift Sendenhorst

Ich besitze eine moderne Heizungsanlage bei gutem Dämmschutz des Hauses, meine Kinder habe ich so erzogen, dass sie in der Heizperiode die Fenster schließen, bei Verlassen eines Raumes die Lichter ausschalten sowie keine Pfandflaschen wegwerfen und habe ich sicher noch nie Abfall ins Meer geworfen.

Ich muss aber gestehen: Ein echter Klimaschützer und Umweltaktivist bin ich nicht.

Die aktuellen Aktionen, die Klimaveränderungen und deren Bedeutung v.a. für zukünftige Generationen ins Bewusstsein rufen, freuen mich aber sehr, wenn gleich auch über Ideen zur konkreten Umsetzung insbesondere unter Berücksichtigung einer „machbaren“ Finanzierung deutlich weniger zu hören und lesen ist.

Mein Engagement gilt weniger den zukünftigen Generationen, sondern Menschen der Gegenwart (vielleicht eine Eigenart meines Berufes). Ich engagiere mich im Jugendsport und in der Ausbildung von Berufsanfängern. Daneben unterstütze bzw. arbeite ich aktiv an der Unterstützung verschiedener v.a. lokaler und regionaler Hilfsprojekte über meine Zugehörigkeit zum Lions Club Haltern. Ein weiterer Baustein liegt in der Förderung benachteiligter Mädchen in Asien durch die Übernahme von Patenschaften.

Ein weltweiter Klimaschutz ist m.E. nur bei einem existenzgesicherten Leben mit einem Mindestmaß an Zufriedenheit des einzelnen Menschen möglich – insofern bin ich doch vielleicht ein Klimaschützer?!

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