Gebürtige Halternerin Anja Döbber erlebt das Feuerinferno in Australien hautnah

hzFeuer in Australien

In Australien hat die naturverbundene, gebürtige Halternerin Anja Döbber eine neue Heimat gefunden. Jetzt kämpft sie dort gegen die Folgen des Klimawandels und erlebt diese hautnah.

Haltern

, 17.01.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit über drei Monaten brennt es in Australien. Die riesigen Feuer rund um Sidney, Melbourne und auf Kangaroo Island, wo die Koala-Population bedroht ist, haben auch in Europa für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Hautnah erlebt die gebürtige Halternerin Anja Döbber dieses Inferno mit, das als eine Folge des weltweiten Klimawandels gilt.

Die 56-jährige Sythenerin, die früher bei der Halterner Zeitung beschäftigt war und als Leichtathletin für den TuS Sythen Rekorde sammelte, wanderte 1997 nach Australien aus. Sie lebt heute auf einem 20.000 Quadratmeter großen Grundstück nahe der kleinen Stadt Bundaberg, 400 Kilometer nördlich von Brisbane.

Anja Döbber hat sich auf den Ernstfall vorbereitet

Hier musste sie sich mit ihrem australischen Lebensgefährten schon vor drei Monaten Sorgen machen, dass ihr Wohnhaus durch sich ausbreitende Feuer bedroht werden könnte. „Ich habe eine Kiste mit allen wichtigen Dokumenten gepackt“, beschreibt Anja Döbber die Situation. Falls die Behörden über das Radio die Evakuierung angeordnet hätten, wäre sie bereit gewesen, ihr Hab und Gut zurückzulassen.

Gebürtige Halternerin Anja Döbber erlebt das Feuerinferno in Australien hautnah

Kängurus löschen ihren Durst an einer Vogeltränke bei Anja Döbber im Garten. © privat

Schwierig war die Lage für sie unter anderem deshalb, weil ihr Partner beruflich unterwegs und sie zuhause auf sich allein gestellt war. „Das war nicht schön“, sagt Anja Döbber. In manchen Fällen sei den Leuten nur eine halbe Stunde geblieben, um ihr Haus zu verlassen, weiß sie. Zum Glück blieb ihr dieser Ausweg erspart.

Seit zwei Jahren kämpft ihre Region im Bundesstaat Queensland mit Dürre und Trockenheit. Früher war die Landschaft grün, heute ist sie ausgetrocknet und braun. Die Landwirte haben kein Wasser mehr, um ihr Vieh zu tränken.

Anja Döbber überlegt jeden Tag, wofür sie ihr Wasser verwendet. Duschen ist zum Luxus geworden.

Es ist viel zu trocken

Sie ist unabhängig von der städtischen Wasserversorgung und nutzt zwei Regenwassertanks. Die waren aber fast leer gelaufen. Jetzt hat es wieder einige Schauer Regen gegeben, die für kurzfristige Entlastung gesorgt haben.

Die anhaltende Trockenheit ist in Bundaberg eine neue Erfahrung. „Bisher ist das hier eine subtropische Gegend gewesen mit täglichen Regenfällen im Sommer“, berichtet Anja Döbber. Das sei jetzt wohl vorbei - mit verheerenden Folgen für die Natur.

Gebürtige Halternerin Anja Döbber erlebt das Feuerinferno in Australien hautnah

Bis vor drei Jahren war die Landschaft rund am Anja Döbbers Haus grün. Jetzt ist der Boden ausgetrocknet und braun. © privat

Millionen Tiere sind durch das Flammenmeer auf dem Kontinent bereits verendet. Manche Art, die sich so nur in Australien entwickelt hat, ist nun in ihrem Bestand bedroht. Anja Döbber stimmt das traurig. „Die Tiere sind unschuldig, aber sie leiden am meisten“, seufzt sie.

Sie engagiert sich in ihrer neuen Heimat für den Umweltschutz und hilft unter anderem Meeresschildkröten dabei, ihren Weg aus dem Meer auf den Strand zu finden, wo die Tiere ihre Eier ablegen. Aber auch hier gibt es Probleme aufgrund des Klimawandels. Weil der Sand zu heiß wird, entwickeln sich zwar Embryos in den Eiern. Die Schildkrötenbabys verbrennen jedoch aufgrund zu großer Hitze in der Schale.

Sorgen um die Zukunft

Den Australiern eile der Ruf voraus, dass sie hart im Nehmen sind und immer wieder auf die Füße kommen, erzählt Anja Döbber. Sie sei aber nicht sicher, ob sich das Ruder für die Natur noch so herumreißen lässt, dass ein Überleben des Menschen auf Dauer möglich sein wird.

Was sie im Moment total verägert, seien Politiker wie der australische Regierungschef Scott Morrison, die Geld und Macht in den Vordergrund ihres Handelns stellen. Aber auch Siemens-Chef Joe Kaeser, dessen deutscher Konzern eine australische Kohlemiene unterstützt, ruft ihren Unmut hervor.

Anja Döbber hat Joe Kaeser geschrieben und an ihn persönlich appeliert, eine Entscheidung für die Umwelt zu treffen: „Während sich die Welt mit dem sich schnell entwickelnden Unglück des Klimawandels auseinandersetzt, brauchen wir mehr denn je clevere, innovative Unterehmen, die Lösungen zu diesem Drama finden und nicht dazu beitragen oder ein Teil davon sein wollen.“ Sie konnte ihn nicht überzeugen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt