Geplanter Sand-Tagebau: „Die Qualität der Gebiete um den Silbersee I wird verschlechtert“

hzQuarzwerke Haltern

Die Quarzwerke haben große Pläne. Um mehr Sand abbauen zu können, soll der Silbersee I um 87 Hektar wachsen. Ein Wald muss dafür weichen. Natur- und Umweltexperten sind alarmiert.

Sythen

, 30.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist ein massiver Eingriff in die Natur. Das bestätigen Experten. Wenn in Haltern alles nach dem Plan der Quarzwerke läuft, werden 87 Hektar Wald - das entspricht etwa 121 Fußballfeldern - wegen der Erweiterung des Sand-Tagebaus am Silbersee I gerodet. Auf die angrenzenden Naturflächen im Norden und Westen, die beiden FFH-Gebiete Heubach-Teiche und Weißes Venn/Geisheide (ehemaliger Truppenübungsplatz Lavesumer Bruch), die wegen des Vorkommens seltener Pflanzen, Vögel und vieler anderer Tiere besonders schützenswert sind, hat dieser Eingriff gewaltige Auswirkungen.

„Die Qualität der Gebiete neben dem Silbersee I wird verschlechtert“, sagt Harald Klingebiel, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft. Der Grundwasserspiegel werde sinken. Die Moorgebiete drohen damit zu entwässern.

„Dass die Erweiterung des Silbersees I Auswirkungen haben wird, ist unstrittig“, sagt auch Niels Ribbrock von der Biologischen Station des Kreises Recklinghausen. Der Wald in der Nähe werde sich auf eine neue Situation einstellen müssen. Der Grundwasserstand ändere sich aller Voraussicht nach vor Ort und auch in der Umgebung. Inwieweit sich dies auch auf Wiesen und Brunnen auswirke, darüber wollte er nicht spekulieren. Der Landschaftsökologe setzt auf Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen.

„Der Naturraum ist empfindlich“

Auch der BUND-Landesverband NRW ist mit dem Thema befasst. Im April wird er im Rahmen des Regionalplan-Änderungsverfahrens eine Stellungnahme zu den Quarzwerke-Plänen vorlegen. „Kritisch ist neben dem direkten großflächigen Waldverlust die Annäherung an das Vogelschutzgebiet Heubachwiesen und Hausdülmener Fischteiche sowie die möglichen Auswirkungen auf das FFH-Gebiet Lavesum“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende Dr. Thomas Krämerkämper. Die Vielzahl an betroffenen Arten verdeutliche bereits die Empfindlichkeit des Raumes.

„Eingriffe in die Moore sind nicht ausgleichbar“

Soweit Moorbereiche betroffen sind, ist die Position des BUND klar: „Gerade vor dem Hintergrund der Klimakrise sind alle verbleibenden aktiven und inaktiven Moore unbedingt zu schützen und wieder zu aktivieren“, betont Krämerkämper. Eingriffe in Moore seien nicht ausgleichbar. Moore und Nasswiesen sind im Westen im Lavesumer Bruch, im Norden rund um die Heubach-Teiche und auch auf dem ehemaligen Wasag-Gelände (Wasag-Moore) zu finden.

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Harald Klingebiel von der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft sagt zwar grundsätzlich: „Natürlich soll der Wald naturgemäß langfristig gepflegt werden.“ Allerdings müsse man in jedem einzelnen Fall auch sehr genau abwägen, ob andere Faktoren möglicherweise höher zu bewerten seien. Die Halterner Sande seien anerkanntermaßen ein seltener Rohstoff. Das industriepolitische Interesse daran sei außerordentlich hoch. „Wir brauchen diese Rohstoffe“, sagt Klingebiel. Weil auf der jetzt zur Diskussion stehenden 87 Hektar großen Fläche überwiegend weniger wertvoller Kiefernwald stehe, sei der Sandabbau an dieser Stelle noch zu tolerieren, meint er.

87 Hektar Wald sollen gerodet werden: „Das tut richtig weh“

Harald Klingebiel, der als Förster des Regionalverbands Ruhr (RVR) in der Haard tätig ist, betont aber auch, dass es nicht einfach so in Ordnung sei, 87 Hektar Wald zu roden. „Das tut richtig weh.“ Wer Naturraum zerstöre, müsse einen qualitativ hochwertigen Ausgleich schaffen. Wenn das nicht an Ort und Stelle möglich sei, müsse der Wald an anderer Stelle ersetzt werden.

Der Antrag der Quarzwerke zur Erweiterung des Sandabbaus in Haltern befindet sich zurzeit in der Genehmigungsphase. Teil 1 - die Änderung des Regionalplans, Teilabschnitt Emscher-Lippe, durch den Regionalverband Ruhr (RVR), wurde bereits von der Verbandsversammlung beschlossen. Vom 3. Februar bis zum 6. April wird noch die Öffentlichkeit beteiligt - Fachbehörden, Verbände wie der BUND und auch Bürger können Einwände vorbringen.

Bergrechtliches Genehmigungsverfahren steht noch aus

Teil 2, das bergrechtliche Genehmigungsverfahren, hat noch nicht begonnen. Die Quarzwerke erstellen derzeit die Unterlagen für den Rahmenbetriebsplan einschließlich zahlreicher Umweltverträglichkeitsprüfungen. Die Bezirksregierung Arnsberg als für Bergbau in NRW zuständige Behörde prüft den Fall schließlich. Thomas Pütter, Leiter des Bereichs Rohstoffsicherung bei den Quarzwerken, rechnet nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2021 mit einem endgültigen Planfeststellungsbeschluss.

Im Gespräch mit der Halterner Zeitung betonte Pütter ausdrücklich, großen Wert auf die Gespräche mit Naturschützern zu legen. „Wir sind gesprächsoffen für Naturschutzbelange“, sagte er. Kommt es zur Genehmigung der Sandabbau-Ausdehnung, wäre die Quarzsandgewinnung in Haltern für die nächsten 25 bis 30 Jahre gesichert. Danach soll aus dem Silbersee I ein Naturschutzsee werden.

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