Germanwingsabsturz: Anzeige gegen "falsche Angehörige"

Lufthansa zieht Konsequenz

Weil sie sich als Cousine einer Lehrerin des Halterner Joseph-König-Gymnasiums ausgab, die beim Absturz der Germanwings-Maschine ums Leben gekommen ist, reiste eine junge Frau aus Beverungen (Ost-Westfalen) in Begleitung von drei Personen zweimal auf Lufthansa-Kosten in die Unglücksregion nach Südfrankreich. Die Lufthansa hat nun Anzeige gegen die "falsche Angehörige" erstattet.

HALTERN

, 09.04.2015, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Germanwingsabsturz: Anzeige gegen "falsche Angehörige"

Die Absturzstelle der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen.

Der Vater des Opfers, ein Polizeibeamter, informierte am Mittwoch unsere Redaktion über diesen Vorfall. Bei der Frau aus Beverungen handele es sich um eine Betrügerin, denn sie habe in keinerlei Verbindung zu seiner verstorbenen Tochter gestanden. Sie sei weder eine Angehörige noch eine Freundin oder Bekannte.

Die Frau habe sowohl die Unglücksstelle bei Seyne-les-Alpes als auch die Gedenkstätte in Le Vernet in Frankreich besucht und dort psychologische Hilfe in Anspruch genommen. Aufgedeckt wurde der Betrug wohl erst, als das Unternehmen Lufthansa bei der letzten Reise über die Osterfeiertage Verdacht schöpfte.

Sprecher bestätigt das Geschehen

Ein Sprecher bestätigte das Geschehen und bezeichnete es als „bedauerlichen Einzelfall“. Das Unternehmen hat nun Anzeige gegen die "falsche Angehörige" aus Beverungen erstattet.  Klaus Gorny, Sprecher bei der Lufthansa, sagte dem Westfalen-Blatt: "Wir bedauern sehr, dass die Angehörigen durch diesen Vorfall in ihrer Trauer gestört wurden." Lufthansa erklärte, dass es alle weiteren Ermittlungen unterstützen werde.

Im Vordergrund habe für Lufthansa in den ersten Tagen nach dem Unglück die schnelle und unbürokratische Hilfe für Angehörige gestanden. Deshalb seien nur „gewisse Plausibilitäten“ geprüft worden, wenn es um Flüge in die Unglücksregion und Betreuung vor Ort gegangen sei, so der Sprecher. Man habe die Betroffenen nicht mit langwierigen Formalitäten belasten wollen. Das Unternehmen hat noch keinen Strafantrag gestellt, da noch nicht alle Details des Betrugs bekannt sind.

Die Lufthansa hat die Anzeige bei der Bundespolizei erstattet. "Uns wurde der Sachverhalt dann übermittelt", sagt ein Sprecher der Polizei Höxter. Er bestätigte, dass es ein Ermittlungsverfahren gebe und die Frau aus Beverungen nun verhört werden soll.

Mit Haltern verbunden

Der Vater der Lehrerin hatte ebenfalls angekündigt, den Fall einreichen zu wollen. Der Polizeibeamte sagte, er sei sich sicher, dass seine Kollegen von der Kripo ohnehin aufgrund des öffentlichen Interesses zur Strafverfolgung verpflichtet seien.

Mit seiner Familie fühlt er sich Haltern besonders verbunden, denn seine Tochter sei sehr gern Lehrerin am Joseph-König-Gymnasium gewesen. Zu den Opfern des Flugzeugabsturzes gehörte ein Spanisch-Kurs mit 16 Schülern und zwei Lehrerinnen.

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