Gift-Raupe: Halternerin wirft Unternehmen und Stadt bei Bekämfpung Fahrlässigkeit vor

hzEichenprozessionsspinner

Kein Mundschutz, keine Brille, keine Rücksicht auf Passanten - eine Halternerin wirft der Stadt und einem Unternehmen bei der Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner Fahrlässigkeit vor.

Haltern

, 05.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Barbara Shakir wirkt etwas ungläubig, während sie erzählt, was sie am vergangenen Freitag bei ihrem täglichen Spaziergang mit ihrem Hund am Anleger des Stausees an der Hullerner Straße beobachtet hat. Denn während ein von der Stadt beauftragtes Unternehmen Äste mit Nestern des Eichenprozessionsspinners direkt über Sitzplätzen und in 20 Meter Entfernung der Bauarbeiter am Seestern Äste abgesägt haben soll, seien direkt neben dem Unternehmen Fußgänger spaziert und Fahrradfahrer entlanggefahren.

Und an keiner Stelle habe es Warnschilder oder Absperrungen gegeben, so die Halternerin. „Ich konnte das nicht für möglich halten. So geht man damit nicht um. So eine Aktion vor den Seetagen, das ist ein No-Go.“

Ihre Empörung habe sie kurz darauf der Stadt mitgeteilt und später auch die Polizei verständigt. Bei der Stadt sei ihr mitgeteilt worden, dass die Verwaltung das Unternehmen mit dem Absaugen beauftragt habe. „Da macht die Stadt große Fehler, dass da die Härchen jetzt wieder rumfliegen“, so die Halternerin.

Entwicklungsstadien

So steht es um den Eichenprozessionsspinner (EPS)

  • Laut Naturschutzbund (Nabu) schlüpfen die Raupen des EPS je nach Temperatur zwischen Anfang April und Anfang Mai.
  • Ab dem dritten Larvenstadium (Ende April/Anfang Mai) bilden sie die gesundheitsgefährdenden Brennhaare mit dem Eiweißgift aus.
  • Nach der Verpuppung ab Ende Juni und einer drei bis sechs Wochen langen Verpuppungsphase schlüpfen im August die Falter, die nur wenige Tage leben
  • In dieser Zeit kann ein Weibchen bis zu 150 Eier legen.

Das beauftragte Unternehmen wollte sich zu den Vorwürfen nicht groß äußern. „Wenn da ein Baustellenfahrzeug steht und die Fahrradfahrer nicht umdrehen, dann ist den Leuten nicht zu helfen“, sagte der Inhaber auf Nachfrage. Schließlich hätten die Fahrzeuge des Unternehmens den schmalen Weg, auf dem gearbeitet worden sei, blockiert.

„In diesem Fall war deutlich, dass der Weg gesperrt war, weil dort die Fahrzeuge den Weg blockiert haben“, sagte dazu auch Stadtsprecher Georg Bockey. Dennoch seien Radfahrer an der Stelle vorbeigefahren. Anders hat das allerdings Barbara Shakir beobachtet. „Man konnte da einfach vorbeifahren.“ Ihrer Beobachtung nach habe es viel Platz gegeben, so die Halternerin.

Unternehmen will sich zu Vorwürfen nicht äußern

Und noch ein Punkt stört Barbara Shakir: Denn so wie sie es beobachtet habe, hätten die Arbeiter ohne Mundschutz und ohne Schutzbrille gearbeitet. Zu dem Vorwurf wollte sich der Unternehmer nicht äußern: „Dazu sage ich gar nichts.“ „Da passen die Unternehmen schon selber auf“, so Stadtsprecher Georg Bockey zu der Frage, ob das beauftragte Unternehmen es versäumt habe, nötige Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und Sperrungen aufzustellen.

Laut Stadt habe es in dieser Woche weniger Meldungen zu Eichenprozessionsspinnern gegeben. Ist die größte Gefahr nun also vorbei? „Grundsätzlich habe ich schon den Eindruck, dass die ersten Nester schon abgestorben sind“, sagt Nikolai Eversmann von der Biologischen Station Recklinghausen mit Sitz in Dorsten. Allerdings sei das sein persönlicher Eindruck.

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Davon abgesehen seien die Brennhaare auch später noch aktiv. „Eine Massenvermehrung, wie wir sie dieses Jahr hatten, hatten wir bisher auch noch nicht“, so Eversmann. „Damit muss man noch Erfahrungen sammeln, wenn das noch einmal so auftritt.“

Gut für den Eichenprozessionsspinner seien die vergangenen trockenen Frühjahre gewesen. „Da schlüpfen die Raupen aus“, so Eversmann. „Trockene Spätsommer kommen dem Eichenprozessionsspinner zugute, weil dann die Schmetterlinge schlüpfen und aktiv sind. Das hatten wir jetzt im Grunde zwei Jahre in Folge. Wenn es jetzt im Frühjahr länger kalt bleibt und regnet, dann wäre meine Vermutung, dass so ein stärkeres Auftreten in so einem Umfang nicht mehr vorkommt.“

fehlende Absperrung

Halternerin ärgert sich über nicht abgesperrten Spielplatz

In einem weiteren Fall hatte eine Halternerin sich wegen eines nicht abgesperrten Spielplatzes in Bergbossendorf beschwert: „Ich habe direkt die Stadt informiert, die bereits Bescheid wusste, aber wohl keine Notwendigkeit sah, den Spielplatz daraufhin, bis zur Bekämpfung der Raupen, abzusperren“, heißt es in einer Nachricht an unsere Redaktion. Vier Tage später seien die Nester zwar entfernt worden, eine Absperrung sei aber nicht vorgenommen worden. Die Stadt reagierte darauf folgendermaßen: „In diesem Fall ist eine Absperrung dem Kollegen durchgegangen, weil er wortwörtlich von einem Nest zum anderen gerannt ist“, sagt Georg Bockey, Sprecher der Stadt Haltern, auf Nachfrage. „Dafür müssen wir uns entschuldigen.“ Spielplätze und Schulhöfe würden selbstverständlich bis zum Zeitpunkt des Entfernens abgesperrt, wenn dort ein Eichenprozessionsspinnerbefall festgestellt würde. „Das hat Vorrang“, so Bockey. „Fakt ist, dass die Unternehmen da nicht immer so schnell hinterherkommen, wie wir uns das gern wünschen würden.“
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