In St. Marien stieß eine Predigt unlängst vielen Gläubigen bitter auf. © Blanka Thieme-Dietel
Pfarrei St. Sixtus

Gläubige erbost über Predigt in Haltern: Priester „vergreift sich im Ton“

Ist die Frau dem Manne untertan und sind gleichgeschlechtliche Beziehungen widergöttlich? Eine Predigt in zwei Halterner Kirchen regte Zuhörer so auf, dass sie aufstanden und gingen.

Im Mai, als Pfarrer Patrick aus Nigeria seine erste Predigt in St. Sixtus hielt, bekam er Applaus von den Gottesdienstbesuchern und war überwältigt von der Herzlichkeit. Gerade aber hat der 65-jährige Weltpriester und Liturgieprofessor ziemlich viel Ärger in der Sixtus-Pfarrei. Eine Predigt in St. Antonius und St. Marien ist Gottesdienstbesuchern so bitter aufgestoßen, dass einige erbost die Kirchen verließen. Michael Ostholthoff, leitender Pfarrer, erhielt nach dem Wochenende zahlreiche empörte Mails.

„Gleichgeschlechtliche Ehe ist widergöttlich“

Pfarrer Patrick hatte unter anderem zu seinem Verständnis von gleichgeschlechtlicher Ehe gesprochen. Diese sei unmenschlich und widergöttlich. Von Gott gewollt sei nur die Beziehung von Mann und Frau, nicht aber von Mann und Tier, Mann und Mann oder Mann und mehreren Frauen. Auch stellte der Priester die Gleichberechtigung der Frau in einer Ehe infrage. Der Mann sei der Kopf, die Frau der stabilisierende Hals. Solche und weitere Äußerungen lösten Entsetzen und allseitige Betroffenheit aus, so ein Halterner Katholik.

Eine Halternerin, die den Gottesdienst in St. Marien besuchte, schrieb im Anschluss direkt eine Mail an Pfarrer Ostholthoff. „Solche Gedanken in einer Predigt passen nicht in unsere Zeit und nicht in unsere Kultur.“ Jemand, der studiert habe wie Pfarrer Patrick, müsse den Weitblick haben, dass man eine derart abstruse Predigt hier nicht halten könne. Dass der 65-Jährige aus einem anderen Kulturkreis komme, entschuldige die Worte nicht. Angesichts der Bemühungen von St. Sixtus, alle Christen im Blick zu haben und das durch die Regenbogenfahnen an den Kirchen zu demonstrieren, findet die Gottesdienstbesucherin die Äußerungen „ganz und gar nicht in Ordnung.“

Klärendes Gespräch in St. Antonius Lavesum

Pfarrer Michael Ostholthoff will dem nigerianischen Seelsorger gerne zugestehen, dass er nicht in böser Absicht gepredigt habe, „aber er hat sich im Ton vergriffen.“ Ihm sei es deshalb wichtig, dass die Kritik aus den Gemeinden gehört und auch darauf reagiert werde.

So findet mit den Mail-Schreiberinnen und -Schreibern, mit Pfarrer Ostholthoff und mit Pfarrer Patrick ein klärendes Gespräch in St. Antonius Lavesum statt. Dabei wird Pfarrer Patrick die Gelegenheit haben, seine Predigt zu erläutern und auf Kritik zu reagieren.

„Große Ungleichzeitigkeit in vielen Entwicklungen“

Ja, Pfarrer Patrick komme aus einer patriachalischen Gesellschaft und Kirche, aber als Weltpriester müsse er sich auf sein Gastland einlassen können, so Michael Ostholthoff. Man dürfe nicht unterschätzen, dass es zwischen den Kontinenten eine große Ungleichzeitigkeit in vielen Entwicklungen gebe. Hier sei sicherlich eine bessere Vorbereitung auf den Dienst in Europa vonnöten.

Wenn dann noch Zitate von einer Sprache in die andere übersetzt würden, könne das zu erheblichen Irritationen führen und Potenzial für viel Unverständnis bergen, sagt Pfarrer Ostholthoff. Seelsorge aber lebe von Vertrauen, das sei zurzeit schwer wieder herzustellen. Das Gespräch in Lavesum sei ein Versuch, Priester und Gemeinden erneut zueinander zu führen.

Bistum startet mit Projekt „Kultur – Pastoral – Sprache“

Im Bistum Münster sind die Priester der Weltkirche inzwischen eine willkommene Unterstützung, im September sind neun Priester in Münster angekommen, weitere neun folgen im Januar. Weil es immer mal wieder Probleme gibt, reagiert die Bistumsleitung nun mit einem 18-monatigen Willkommenskurs „Deutsche Kultur – Pastoral – Sprache“. Um den Kulturschock abzumildern und einer Überforderung vorzubeugen, gebe man den Neuankömmlingen bewusst Zeit, sich zurechtzufinden, sagt Renate Brunnett, Referentin für die Priester der Weltkirche im Bischöflichen Generalvikariat. „Der Priester muss die Chance haben, unsere Kultur, Pastoral und Sprache zu lernen. Es ist unsere Aufgabe als Bistum, ihn zu fördern und zu fordern und dafür gute Rahmenbedingungen zu schaffen.“

Eine in der Sixtus-Pfarrei engagierte Ehrenamtliche stellt sich generell die Frage, ob es sinnvoll und zeitgemäß ist, Priester der Weltkirche zu holen statt endlich Frauen mit Leitung und Verkündigung zu beauftragen.

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Elisabeth Schrief

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