Glyphosat ist für Stadt Haltern kein Thema - Landwirte üben sich in Zurückhaltung

hzUnkrautvernichtungsmittel

Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat kommt auf Halterns Grünflächen nicht zum Einsatz. Auf verpachteten Flächen der Stadt dagegen schon. Auch die Bauern werden sensibler.

Haltern

, 29.05.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein sogenanntes Totalherbizid, tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Herbizideinsatz überlebt. Glyphosat ist das meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel der Welt. Das Pflanzengift wird offenbar inzwischen in der Landwirtschaft zurückhaltender eingesetzt. Auf dem öffentlichen Grün der Stadt Haltern ist Glyphosat dagegen schon seit mehr als 25 Jahren kein Thema mehr. „Über die Zeit davor haben wir leider keine Informationen“, sagt Stadtsprecher Georg Bockey.

Hacke, Grubber und Unkrautstecher im Einsatz

Wie in vielen Kommunen in NRW auch, wird in der Seestadt auf komplett pestizidfreie Unkrautbekämpfung gesetzt. In Haltern arbeitet man dabei ausschließlich mechanisch – also mit Hacke, Grubber, Unkrautstecher. Auch Wildkräuterbürsten, die an Kehrmaschinen angebracht sind, leisten nach Angaben des Stadtsprechers effektive Arbeit. Thermische Methoden dagegen kommen in Haltern nicht zum Einsatz.

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Anders sieht es allerdings auf städtischen Flächen aus, die an Landwirte verpachtet werden. Hier hat die Stadt keinen Einfluss. Rund 18 Hektar städtische Flächen werden von Landwirten bewirtschaftet - mitunter auch mit Glyphosat. Besondere ökologische Auflagen der Stadt Haltern gibt es nicht. Das hat allerdings einen nachvollziehbaren Grund: „Bei den Verträgen mit den Landwirten handelt es sich um Altverträge“, erklärt Georg Bockey. Glyphosat sei aber schlichtweg noch kein Thema gewesen, als die städtischen Flächen verpachtet worden seien. In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre brachte der Agrarkonzern Monsanto Glyphosat unter dem Namen „Roundup“ auf den Markt.

Über das Gesundheitsrisiko des Mittels streiten sich die Experten. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Dagegen sehen beispielsweise die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) und das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) kein Krebsrisiko bei Glyphosat.

Gefährlich oder nicht?

Auch Friedrich Steinmann, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbands Recklinghausen, sowie der Geschäftsführer der Raiffeisen Warengenossenschaft (RWG) Haltern, Günter Hessing, berufen sich auf die Ergebnisse von Efsa und BfR. „Es gibt keine Studie, die die Gefahr von Glyphosat hinreichend belegt“, sagt Hessing. Zudem sei die Umweltbilanz alternativer Pestizide mitunter sogar schlechter, merkt Friedrich Steinmann an.

„Mechanische Bearbeitung statt Glyphosat kann dem Boden schaden“

„Bei manchen Problemen im Ackerbau gibt es kaum Alternativen zu Glyphosat“, betont Günter Hessing. Der Halterner RWG-Chef fügt als Beispiel die schwierige Bekämpfung der Quecke, eines Wurzelunkrauts, an.

Hier sei Glyphosat besonders effektiv. Natürlich sei auch eine mechanische Bearbeitung des Bodens mittels Schlepper denkbar. „Durch die immer wiederkehrende Bodenbearbeitung kommt es aber zu starken Bodenerosionen und der Boden trocknet stark aus“, sagt Hessing. Somit füge man dem Acker Schäden zu.

„Einsatz nur bei ganz bestimmten Anlässen“

Glyphosat komme allerdings nur „bei ganz bestimmten Anlässen zum Einsatz“, erklärt der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbands. Steinmann selbst verwendete es nach eigener Aussage auf seinem Hof zuletzt vor fünf Jahren. Und auch Günter Hessing sagt: „Landwirte benutzen Glyphosat immer zurückhaltender.“ Gerade weil es zunehmend in der Öffentlichkeit kritisiert werde, beschränkten Landwirte sich „aufs Allernötigste“. In den letzten drei Jahren sei der Glyphosat-Absatz im Halterner Raiffeisenmarkt daher auch deutlich zurückgegangen. Günter Hessing wie auch Friedrich Steinmann sind sich aber sicher: „Glyphosat ist bei sachgemäßer Anwendung absolut unbedenklich.“

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