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Griechisches Restaurant auf dem Annaberg ist schon wieder geschlossen

hzPilgereinkehrstätte

Die Pfarrei St. Sixtus hat wenig Glück mit der Pilgereinkehrstätte auf dem Annaberg. Nach nur acht Monaten hat Pächter Vaios Paldarakis sein griechisches Restaurant wieder dichtgemacht.

Haltern

, 25.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Speisekarte war mit zehn Seiten üppig, der Service meistens freundlich und ein Abend im Restaurant Estia vergleichbar günstig. Doch Pächter Vaios Paldarakis hat es nicht lange am Wallfahrtsort ausgehalten. Schon vor Wochen klebte er einen Zettel an die Tür „wegen Krankheit geschlossen“, in der vergangenen Woche verkündete er gegenüber dem Verpächter, der Pfarrei St. Sixtus, das Ende des griechischen Restaurants Estia auf dem Annaberg. „Ja, das Restaurant neben der Wallfahrtskirche ist vorübergehend wieder geschlossen“, bestätigte Karl-Heinz Gerritsen, Leiter der Zentralrendantur. Der Pachtvertrag war eigentlich über einen Zeitraum von fünf Jahren abgeschlossen worden.

Unzufriedenheit

Nach guten Geschäften während des Super-Sommers 2018 brachen die Geschäfte im Winter ein. Es kamen zu wenige Gäste auf den Annaberg. „Wir haben versucht, Hilfestellungen zu geben, aber natürlich können wir als Pfarrei nicht das unternehmerische Risiko tragen“, erklärte Karl-Heinz Gerritsen. „Wenn beide Seiten zufrieden gewesen wären, wäre es sicherlich nicht zur Auflösung des Vertrages gekommen.“ In seinem Bedauern klingt jedoch Hoffnung mit. Denn die Pfarrei steht in Gesprächen mit einem möglichen Nachfolger, ebenfalls einem Gastronomen mit griechischer Küche. Der komme nicht aus dem Umkreis von Haltern, so Gerritsen, mehr wolle er aber zu den Verhandlungen noch nicht sagen.

Das Vorhaben der Pfarrei, die Gastronomieräume zu renovieren und neu zu möblieren, ist erst einmal auf Eis gelegt. Kirchenvorstand und Generalvikariat haben zwar die Zustimmung gegeben, aber investiert werden soll eine fünfstellige Summe nur, wenn die Geschäfte auch tatsächlich laufen.

Unerfüllte Wünsche

Zurzeit steht die gesamte Pilgereinkehrstätte mit Restaurant und zwei Wohnungen leer. Vaios Paldarakis hatte das komplette Haus gepachtet. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, hatte der gebürtige Deutsche mit griechischen Wurzeln zur Eröffnung im Juli 2018 gesagt. Er eröffnete mit dem Estia seine zweite Gaststätte, das andere Restaurant betreibt er in Datteln. Ein Ort der Zusammenkünfte für private Gäste, für Pilger- und Tagungsgruppen und Festgesellschaften sollte aus der Pilgereinkehrstätte werden. Große Wünsche, die sich dann nicht erfüllten. „Nur von Sommergästen können wir nicht überleben“, sagte Vaios Paldarakis gegenüber der Halterner Zeitung, dafür sei die Miete zu hoch. „Für uns hat es sich in Haltern definitiv nicht gelohnt“, gibt er unumwunden zu. Er habe alles versucht, um auch Gesellschaften auf den Annaberg zu locken. Das sei aber nicht geglückt. Nach Auskunft von Vaios Paldarakis interessiert sich ein Grieche aus Lünen, Gastronom seit 30 Jahren, für die Gaststätte auf dem Annaberg. Er selber will sich wieder ganz auf sein Lokal in Datteln konzentrieren.

Bevor er die Pilgereinkehrstätte übernahm, stand sie ein Jahr lang leer. Denn die Pächter vor ihm sahen schon nach sechs Monaten für sich keine wirtschaftliche Perspektive. Der Kirchenvorstand diskutierte danach verschiedene Nutzungsvarianten. Unter anderem mit einer verkleinerten oder auch nur saisonaler Gastronomie sowie kircheneigener Nutzung. Schließlich fiel dann doch die Wahl auf die griechische Küche.

Abgespeckte Ausstattung

Der damalige Weihbischof Josef Voß (1937-2009) tat gemeinsam mit Dechant Bruno Pottebaum (heute Seelsorger in Telgte) am 14. März 1994 bei Wind und Kälte den ersten Spatenstich für die Pilgereinkehrstätte. Gut fünf Millionen DM erlaubte das Bistum Münster damals als Kostenrahmen. Diese Summe konnte nur durch Abspecken in der Ausstattung eingehalten werden. Zur Pilgereinkehrstätte, deren Architektur in Haltern höchst umstritten war, gehören die Gastronomie und zwei Wohnungen – ursprünglich vorgesehen für Pächter und Küster.

An der Stelle der heutigen Einkehrstätte stand früher der Annaberger Hof. Seit 1900 sammelten dort die Pilger, oft nach langen Fußmärschen, neue Kräfte. Jahrzehnte führte Familie Bienhüls das Haus, das 1991 einem Brand zum Opfer fiel. Für das Bistum und die Pfarrei St. Sixtus stand ein (moderner) Wiederaufbau außer Frage.

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