Großer Frust nach Bahn-Fahrplanwechsel in Haltern: „Einfach nur menschenverachtend“

hzMit neuen Fahrplänen

Die neuen Zugfahrpläne, die seit dem 15. Dezember gelten, sorgen für reichlich Ärger und Frust bei den Pendlern aus Haltern.

Haltern, Sythen

, 30.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit dem 15. Dezember ist der neue Fahrplan der Deutschen Bahn in Kraft. Und der bringt in Haltern vor allem eins mit sich: Verwirrung und Verärgerung.

Zahlreiche Leser haben ihrem Frust über die neuen Abfahrtzeiten der Züge aus Haltern und Sythen Luft gemacht. Bei Facebook und auch per E-Mail.

Denn seit dem Fahrplanwechsel hat sich für die Pendler ab den Halterner Bahnhöfen einiges geändert. Zwischen Essen und Münster soll der RE 2 schneller fahren, deshalb fällt der Halt Sythen seit dem 15. Dezember weg.

Auffangen soll das der RE 42, der bis 21.22 Uhr im Halbstunden-Takt in Sythen hält. Zumindest in Fahrtrichtung Münster. Von Münster in Richtung Düsseldorf gibt es keine Direktverbindung mehr aus Sythen nach Düsseldorf. Und der RE 42 hält in diese Richtung in Sythen zwischen 14.03 und 16.03 Uhr und 19.03 und 20.04 Uhr nur jeweils einmal in der Stunde. Den Fahrplan in Richtung Münster finden Sie hier.

Diese Ausfälle am Nachmittag ärgert eine Sythener Familie: „Unsere Kinder befahren die Strecke zwischen Sythen und Buldern für den täglichen Schulweg.“ Weil das am Nachmittag aber nicht der Fall sei, habe die Familie bereits Beschwerde bei der Bahn eingereicht. Bisher ohne Reaktion. Andere Züge, etwa um 11.35, 14.35, 15.35, 17.35 und 19.35 Uhr hielten zudem gar nicht in Sythen, obwohl dies so angegeben sei. „Insgesamt bedeutet jede Alternative einen deutlichen zeitlichen Mehraufwand oder lange Wartezeiten bzw. längere und umständlichere Wege“, heißt es von der Familie.

Klimadiskussion wird „ad absurdum“ geführt

Auch die Buslinien seien nicht an die Ankünfte der Bahn angepasst, sodass die Züge den Bahnhof Haltern jeweils um 20 Minuten vor der halben Stunde erreichten - zehn Minuten, bevor die Busse den Hauptbahnhof verließen. „In Zeiten der Klimadiskussion und dem Aufruf auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen bzw. diese zu nutzen, wird das mit diesem Angebot ad absurdum geführt.“

Ein ganz anderes Problem schildert uns ein Halterner, der sich als gehbehindert bezeichnet. Denn vom Gleis 1 aus, das einzige Gleis, das er erreichen könne, führe jetzt nur noch die S 9. Dabei habe diese immer mal wieder Verspätungen von 20 bis 50 Minuten. Weil der RE 2 und RE 42 nur noch von Gleis 2 und 3 abführen, müsse man die provisorische Fußgängerbrücke nutzen. Wichtige Verbindungen vom Gleis 1 gebe es nicht mehr. „Ich bin leider seit 30 Jahren auf die Bahn angewiesen und haben gedacht, so ziemlich alles mitgemacht zu haben, bis hin zu diversen Evakuierungen ... Aber diese Fahrplanänderung ist einfach nur menschenverachtend“, so der Halterner.

Eine weitere Leserin berichtet uns, dass sie am liebsten wieder auf das Auto umsteigen würden, das aber wegen ihrer eingeschränkten Sehfähigkeit nicht möglich ist. Denn morgens schaffe sie es kaum, ihr Kind in die Kita zu bringen und dann neun Minuten später den Zug zur Arbeit zu nehmen. Sie wünscht sich vor allem den Zug um 7.55 Uhr Richtung Recklinghausen zurück. Auch ihr Kind um 14.30 Uhr rechtzeitig abzuholen, schaffe sie kaum. Durch den neuen Fahrplan entstünden ihr monatlich Mehrkosten von 70 Euro.

Deutsche Bahn: Fahrplan sei abgestimmt

Ihr antwortete die Deutsche Bahn: „Den Fahrplan selbst muss man komplexer sehen. Die Züge der RE 2 werden künftig bis Osnabrück fahren und zwischen Münster und Osnabrück die Fahrten der bisherigen RB 66 ersetzen. Hierdurch mussten die Fahrtzeiten zwischen Münster und Essen/Düsseldorf angepasst werden. Einige bisherige Halte entfallen gar. Die Züge der RB 42 verkehren künftig alle 30 Minuten. Die Fahrtzeiten wurden den anderen Zügen des Fern- und Güterverkehrs dieser Strecke angepasst.“

Und weiter: „Sie haben bislang eine Fahrt der HVZ- Züge genommen. HVZ steht für Haupt-Verkehrs-Zeiten. Diese wurden nun in den regulären Fahrplan übernommen und werden nicht mehr wie gewohnt angeboten. Es tut mir leid für Sie. Der Fahrplan steht und wurde mit unseren regionalen Auftraggebern, hier auch der VRR (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr) abgestimmt“, teilte die Bahn unserer Leserin mit.

Für eine Stellungnahme war der VRR zwischen den Feiertagen für unsere Redaktion nicht zu erreichen.

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