Haard-Dialog informiert über selbstverletzendes Verhalten bei Kindern und Jugendlichen

Selbstverletzung als Ausweg

Jedes vierte Kind und jeder vierte Jugendliche probieren Selbstverletzungen aus. Grund genug für einen Haard-Dialog zum Thema „Selbstverletzendes Verhalten bei Kindern und Jugendlichen“.

Marl/Haltern

23.10.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Haard-Dialog informiert über selbstverletzendes Verhalten bei Kindern und Jugendlichen

Dr. Rüdiger Haas führt in das Thema "Selbstverletzungen bei Kindern und Jugendlichen" ein. © Archivfoto Ingrid Wielens

Sich in die Haut ritzen oder Verbrennungen zufügen, mit dem Kopf gegen die Wand schlagen oder scharfe Gegenstände verschlucken - die Möglichkeit, sich selbst absichtlich zu verletzen, sind vielfältig. „25 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland probieren Selbstverletzungen aus“, sagt Dr. Rüdiger Haas, Ärztlicher Direktor der Marler Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Landschaftsverbandes Westfalen–Lippe (LWL). Beim nächsten Haard-Dialog am 5. November wird über dieses Thema informiert.

Schockierende Erfahrung für Eltern

„Für Eltern ist es unheimlich schockierend, wenn sie entdecken, dass ihr Kind sich selbst verwundet“, weiß Christine Lawaczeck-Matkares aus langjähriger Erfahrung. „Da haben sie jahrelang mit Argusaugen darüber gewacht, dass dem eigenen Nachwuchs nichts passiert und jetzt legt der Sohn oder die Tochter selbst Hand an sich.“ Das sei nur schwer auszuhalten. Trotzdem rät die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie dazu, das eigene Kind nicht sofort zu verurteilen. „Dieses Verhalten ist Ausdruck dafür, dass der Betroffene gerade nicht anders mit seinen Gefühlen umgehen kann. Da hilft kein Schimpfen oder Klagen, sondern nur, der Ursache für dieses Verhalten auf den Grund zu gehen“, so Lawaczeck-Matkares.

Haard-Dialog

Information ohne „Arztsprache“

Mit der Veranstaltungsreihe „Haard-Dialog“ bietet die LWL-Klinik Marl-Sinsen interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, mehr über psychische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen zu erfahren, Therapiemöglichkeiten kennenzulernen und mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen, ohne sich vorher in „Arztsprache“ üben zu müssen.

Welche Gründe es für Selbstverletzendes Verhalten gibt, welchen Unterschied es macht, ob nur oberflächlich geritzt oder tief geschnitten wird, wann eine Therapie notwendig ist und wie diese aussehen kann, darüber referieren Christine Lawaczeck-Matkares und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Daniel Erxmeier, nach einer kurzen Einführung durch Dr. Rüdiger Haas. Weiter geht es mit Judith Eschbach und Ulrich Tomalla aus dem Pflege- und Erziehungsdienst. Sie geben darüber Auskunft, wie junge Patienten lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen, und wie Eltern mit ihrer Haltung zur Gesundung ihrer Kinder beitragen können. Nach den Vorträgen stehen alle Referenten für Fragen zur Verfügung.

Der Haard-Dialog „Selbstverletzung als Ausweg – Selbstverletzendes Verhalten bei Kindern und Jugendlichen: Ursachen, Auslöser und Therapie“ findet am 5. November (Dienstag) von 18.30 bis 20 Uhr im Festsaal der LWL-Klinik Marl-Sinsen statt. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen werden unter der Telefonnummer 02365/ 8020 entgegengenommen.

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