Halleluja! – Applaus für das Leben

Mit einem Ostergruß richtet sich Michael Ostholthoff, Leitender Pfarrer der Katholischen Pfarrei St. Sixtus, an die Menschen in Haltern am See. „Jesus trägt unser Leid“, so sagt er.
Am Ostersonntag feiern Christen die Auferstehung Jesu und den Sieg des Lebens über den Tod. © picture alliance/dpa

Von Pfarrer Michael Ostholthoff

In meinen Studienjahren in Rom habe ich die Pfarrei Santa Maria in Trastevere kennengelernt. Der dortige Pfarrer hatte eine Ostertradition begründet. Jede Predigt begann er mit den Worten: „Der Herr ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!“ Und die Gemeinde antwortete mit einem donnernden Applaus. Italienische Osterfreude – alles ein wenig emotionaler als wir das in unseren Breitengraden gewohnt sind, aber getragen von einer großen Authentizität und Lebensbejahung.

Der Applaus spielte auch in den ersten Wochen der Pandemie im vergangenen Jahr eine bedeutende Rolle. Menschen traten am Abend auf ihre Balkone oder vor ihre Wohnungen und drückten mit ihrem Applaus ihre Dankbarkeit für die Pflegekräfte und Ärzte aus, die in diesen schweren Zeiten ihren Dienst an den Kranken und Sterbenden tun. Doch habe ich zunehmend den Eindruck: während die erste Phase der Pandemie unsere positivsten Kräfte hervorholte, die Gesellschaft sich solidarisierte und gerade gegenüber den vulnerablen Gruppen verantwortlich zeigte, scheint mir vielen in diesen Tagen die Kraft auszugehen, den Mitmenschen im Allgemeinen und den Schwächsten im Besonderen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Gerade dann, wenn ich selbst an meine Grenzen komme, dann wird es für mich umso schwerer, von meinen eigenen Bedürfnissen Abstriche zu machen. Da streiten wir um Impfdosen und Impftermine, da macht der Egoismus von Politikern fassungslos, die sich an der Pandemie auch noch zu bereichern versuchen, da ist der politische Diskus von einer immer größer werdenden Aggressivität geprägt, obwohl es ein Zusammenstehen gebraucht.

Ostern stellt uns einen Gott vor Augen, der sich bedingungslos mit uns solidarisiert. Der sogar Leid, Kreuz und Tod auf sich genommen hat, damit wir Menschen selbst in den dunkelsten Stunden des Lebens uns von seiner Liebe umfangen fühlen dürfen. Jesus trägt unser Leid. Der berühmte Isenheimer Altar setzt dies in Szene, indem der Gekreuzigte ein Fleckenfieber an seinem Körper trägt, an dem die Menschen damals litten und verstarben. Der Maler Mathias Grünewald hat so das Leiden Jesu in seine Zeit, in seine Gegenwart geholt. Kreuz und Auferstehung sind nicht bloße Vergangenheit, sondern sie werden konkret, wenn wir sie in unser gegenwärtiges Leben sprechen lassen.

Ostern feiert die Kraft des Lebens, die jede Angst um sich selbst überwindet. Ich wünsche Ihnen und Euch die österliche Freude, die das Leben bejaht und als das große Geschenk an uns versteht, dass wir annehmen und gestalten dürfen für uns und unsere Mitmenschen. Eine Freude, die mit Worten allein gar nicht auszudrücken ist. Es gebraucht das Osterlachen und den Osterapplaus, denn der Herr ist wahrhaft auferstanden. Halleluja!