Die Stadt hat den Brunnen auf dem Markt und danebenstehende Bänke als Reaktion auf Corona-Verstöße in der Innenstadt umzäunt. © Pascal Albert
Corona-Schutz

Halterner ärgern sich über Sperrung der Bänke – Stadt begründet das

Übertrieben, lächerlich, unfassbar, sinnlos - Halterner ärgern sich über die Halterner Stadtverwaltung, weil diese die Sitzbänke und den Brunnen am Markt als Aufenthaltsräume gesperrt hat.

Die Stadt hat rigoros auf Verstöße gegen die Corona-Schutzordnung reagiert. Sie sperrte nicht nur die Sitzbänke und den Brunnen auf dem Alten Markt, sondern baute auch die Basketballkörbe im Westuferpark ab und stellte die Fußballtore um. Reaktionen auf die Berichterstattung in der Halterner Zeitung am 2. März zeigen, wie aufgebracht die Halterner über diese Einschränkungen sind.

Die meisten der über 100 Kommentare auf Facebook verdeutlichen den Frust: „Eine lächerliche, nicht nachvollziehbare Maßnahme. Sie führt nur zu dem Ergebnis, dass viele Menschen diese nicht mehr nachvollziehen und anfangen, Maßnahmen zu ignorieren“, schreibt ein Halterner. Unter freiem Himmel die Luft zu atmen, scheine ein großer Risikofaktor zu sein, heißt es in einem weiteren Kommentar.

„Reißen wir uns einfach mal zusammen“

Verdrossenheit ist spürbar: „Es wird langsam tatsächlich einfach nur noch albern“, heißt es weiter. „Da sollte man lieber die Supermärkte wieder kontrollieren und dafür sorgen , dass nicht zu viele auf einmal einkaufen und alle die Wagen wieder desinfizieren.“ Doch es gibt auch Befürworter: „Wir können das ganze Theater noch ein Jahr durchmachen oder wir reißen uns einfach mal zusammen.“

Gerade ältere Menschen schätzen die Sitzgelegenheiten in der Stadt. Dass sie ihnen nun genommen werden, findet Ursula Braun, die ehemalige Vorsitzende des Seniorenbeirates und ehrenamtliche Gedächtnistrainerin im Altenheim, nicht gut. Es sei für Senioren wohltuend, wenn sie auf dem Markt sitzen und beobachten könnten, weil sie wegen der vielen Einschränkungen sonst nichts mehr sehen und hören und das sei zum Verzweifeln. „Es ist gerade nicht viel Leben in der Stadt, aber doch wenigstens ein bisschen.“

Ordnungsamt stimmte sich mit Bürgermeister ab

Das städtische Ordnungsamt hat eingegriffen, weil deutlich sichtbar gewesen sei, wie eng an diesen Stellen zu viele Leute zusammengesessen und -gestanden hätten, heißt es seitens der Stadtverwaltung. Es habe sich nicht um einen Alleingang des Ordnungsamtes gehandelt, vielmehr seien die Maßnahmen in Abstimmung mit Bürgermeister Andreas Stegemann entschieden und veranlasst worden.

Helmut Lampe, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales, betont: „Würden wir nicht eingreifen, bekämen wir von anderen Menschen harsche Kritik. Insofern arbeiten wir nach dem Prinzip, dass die vom Land erlassenen Vorgaben umgesetzt werden müssen.“ Niemand werde ernsthaft bestreiten, dass es richtig sei und war, den Marktbrunnen abzusperren und die Basketballkörbe abzubauen. Denn gerade an diesen Stellen sei es deutlich zu voll gewesen. Es handele sich hier um eine Minderheit, die die Coronaschutzregeln nicht eingehalten habe, so Helmut Lampe. Da auch eine wiederholte Ansprache nicht geholfen hätte, „blieb der Stadt nur die Sperrung – zum Schutz derjenigen, die sich an die Regeln halten.“

Auf dem Marktplatz ist das Eisessen verboten

Auch das Wohlergehen der älteren Menschen habe im Zentrum der Entscheidung gestanden. Dazu Helmut Lampe: „In der Vergangenheit war häufig zu beobachten, dass sich ältere Menschen, die auf der Bank und auf dem Brunnen gesessen haben, bedrängt fühlten von Personen, die Mindestabstände und Maskenpflicht nicht eingehalten haben.“ Denn wer Eis isst, trägt keine Maske. Aber die Stadt weist darauf hin, dass auf dem Marktplatz und in den angrenzenden Straßen Maskenpflicht herrscht, dort darf kein Eis gegessen werden. „Daran wird unser Abwägungsprozess deutlich“, sagt Helmut Lampe.

Auch die Situation im Westuferpark war nach Meinung der Stadt nicht mehr zu akzeptieren. Dort könnten sich Kinder noch an vielen Stellen austoben, der Park sei nicht gesperrt. Helmut Lampe und Andreas Stegemann sind überzeugt, richtig gehandelt zu haben. „Wir können nicht zu jeder Zeit an jeder Stelle kontrollieren.“

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Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief
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