Bis in Hausarztpraxen geimpft werden kann, wird noch Zeit vergehen. Hier ein Foto von einer Impfung in einem Halterner Seniorenheim. © Arne Pöhnert
Coronavirus

Halterner Ärztesprecherin beantwortet Fragen zur Corona-Impfung

Zur Zeit erreichen die Halterner Hausarztpraxen viele Fragen zur Corona-Impfung. Besonders interessiert die Bürger, wann in den örtlichen Praxen geimpft werden kann. Dr. Astrid Keller klärt auf.

Im Kreis Recklinghausen wurden seit Ende Dezember knapp 30.000 Menschen geimpft (Stand 25. Februar). Die Impfungen wurden im Impfzentrum und Krankenhäusern oder durch mobile Teams in Pflegeheimen durchgeführt.

Wann in Hausarztpraxen geimpft werden kann, steht noch nicht fest. Fast alle Hausärzte in Haltern stünden aber bereit für die Impfung, sagt die Halterner Ärztesprecherin Dr. Astrid Keller. Die Praxen vor Ort erreichten viele Anfragen zu diesem Thema. Sie erklärt im Namen der Ärzteschaft das Vorgehen und gibt Anworten auf die häufigsten Fragen, die gestellt wurden.

Bald werden auch weitere Prioritätengruppen geimpft

Die KVWL habe bereits die grundsätzliche Bereitschaft der Praxen und ungefähre Impfkapazitäten abgefragt, so Astrid Keller. „Wann genau die Möglichkeit der Impfung besteht, ist weiterhin unklar. Momentan sollte jeder, der die Möglichkeit hat, zunächst die Impfung im Impfzentrum wahrnehmen.“ Häufig seien die Transporte dorthin das Problem. Patienten mit einem Schwerbehindertenausweis der Stufe aG oder Pflegegrad III haben einen Anspruch auf einen Taxischein, den der Hausarzt ausstellen kann.

Die Impfung beinhaltet momentan eine großen Bürokratie, Zeit- und Raumaufwand. „Daher können in den Praxen nur begrenzt Impfungen durchgeführt werden, somit wird auch hier nicht jeder sofort seine Dosis erhalten.“

Die Impfzentren fahren zurzeit mit Steigerung der vorhanden Dosen ihre Impfkapazitäten hoch. Bald werden auch weitere Prioritätengruppen geimpft. Hierfür werden sicherlich vor Ostern noch die ersten Termine vergeben werden, glaubt Keller.

Viele fragen sich, so die Medizinerin, ob bestehende Krankheiten zu einer schnelleren Impfung führen.

Allgemein ist zu sagen:

  • Momentan ist die Gruppe der 80-Jährigen oder älter an der Reihe.
  • Als nächstes kommt die Gruppe der 70-79-Jährigen und Personen, die unter 70 Jahre sind, aber eine sehr schwere Grunderkrankung und damit ein stark erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Dies sind Patienten mit aktiver Tumorerkankung, schwerer Lungenerkrankung/COPD, Transplantierte, Patienten mit schlecht eingestelltem Diabetes mellitus und Menschen mit schwerer Adipositas (BMI>40) und weitere starke Risikofaktoren.
  • In der Gruppe 3 (60-69-Jährige) sind weitere chronische Krankheitsbilder erfasst, zu dieser Gruppe gehören unter 60-Jährige mit überstandener Krebserkrankung, Asthma bronchiale, stabiler Diabetes mellitus, Adipositas (BMI>30), Herzerkrankungen, Rheuma, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

Achtung: „Nur, wenn man nicht schon durch das Alter in die Gruppe gehört, sondern aufgrund der Diagnosen in eine höher Gruppe gehören könnte, benötigt man ein Attest. Diese Atteste werden aber erst ausgestellt, wenn die entsprechende Gruppen dran sind, zur Zeit haben wir noch keine genauen Modalitäten dafür.“

Wie der Kreis Recklinghausen am Sonntag mitteilte, ermöglicht das Land NRW vorerkrankten Menschen, denen bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 ein schwerer oder gar tödlicher Verlauf droht, eine vorzeitige Impfberechtigung prüfen zu lassen. Dazu muss die betroffene Person ihren Erstwohnsitz im Kreis Recklinghausen haben und einen Antrag an den Kreis richten. Diesem Antrag ist ein fachärztliches Zeugnis des behandelnden Arztes beizufügen. Das Attest darf nicht vor dem 8. Februar 2021 ausgestellt worden sein.

Bei der Einzelfallentscheidung wird zwischen einem sehr hohen, hohen oder erhöhtem Gesundheitsrisiko unterschieden. „Die jetzt festgelegte Regelung bezieht sich eindeutig auf Einzelfallentscheidungen. Das können beispielsweise diejenigen sein, die aufgrund einer unmittelbar anstehenden Chemotherapie ihre Impfberechtigung prüfen lassen wollen“, betont Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Bezüglich der Auswahl des Impfstoffes gebe es momentan keinen Spielraum. Es werde streng nach Alter geimpft: AstraZeneca bis 64 Jahre, ab 65 Jahre Biontech/Moderna.

Über die Autorin
Redakteurin
Vor mehr als zwanzig Jahren über ein Praktikum zum Journalismus gekommen und geblieben. Seit über zehn Jahren bei Lensing Media, die meiste Zeit davon als Redakteurin in der Nachrichten- und Onlineredaktion in Dortmund. In Haltern seit September 2019.
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Ilka Bärwald
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