Halterner Brandstifter will seine Freundin im Gefängnis heiraten

hzLandgericht Essen

Obwohl ihm viele Jahre Haft drohen, hat der Brandstifter von der Recklinghäuser Straße in Haltern schon mit der Zukunftsplanung begonnen. Er will seine Freundin im Gefängnis heiraten.

Haltern/Essen

, 24.05.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit einer Überraschung ist der Prozess um eine lebensgefährliche Brandstiftung in Haltern fortgesetzt worden. Am Donnerstag ist bekannt geworden, dass der Angeklagte seine Freundin heiraten möchte – und zwar im Gefängnis.

Es war ein Wiedersehen, über das beide offenbar nicht glücklich waren: Die Richter am Essener Landgericht hatten die Lebensgefährtin des Angeklagten als Zeugin geladen. Als die 20-Jährige den Gerichtssaal betrat, hatte sie sogar ihr neugeborenes Baby dabei, gerade vier Wochen alt.

Baby musste draußen bleiben

Doch dem Angeklagten blieb ein Blick auf sein Kind verwehrt. Die junge Mutter war schon auf dem Weg zum Zeugenstuhl, als die Richter sie baten, den Säugling bei der ebenfalls erschienenen Oma auf dem Gerichtsflur zu lassen.

Trotz der dramatischen Tat hat die 20-Jährige offenbar nicht mit ihrem Freund gebrochen. Im Gegenteil. „Wir sind verlobt“, sagte sie den Richtern. Einen richtigen Heiratsantrag habe es zwar nie gegeben, doch die Vorbereitungen laufen bereits.

Der 24-jährige Angeklagte hat seinen Verteidiger Siegmund Benecken gebeten, einen Antrag für eine Hochzeit hinter Gittern zu stellen.

Traum von einer gemeinsamen Zukunft

Das junge Paar war im Juni 2018 zusammengekommen. Kurz darauf war die 20-Jährige schwanger. „Meine Eltern haben akzeptiert, dass wir zusammenziehen“, sagte sie bei ihrer Vernehmung.

Doch dann war es ausgerechnet nach einer Familienfeier, als der 24-Jährige das junge Glück zerstörte. Er hat bereits gestanden, in der Nacht auf den 27. Oktober 2018 ein Haus in der Nachbarschaft angezündet zu haben. Dort vermutete er den Ex-Freund seiner Partnerin. Tatsächlich wohnten dort aber nur dessen Großeltern.

Täter von Überwachungskamera gefilmt

Auf dem Film einer Überwachungskamera, der am zweiten Verhandlungstag im Gerichtssaal gezeigt wurde, ist zu sehen, wie er die Haustür und eine Fußmatte mit einer brennbaren Flüssigkeit einsprüht und dann Feuer legt. Nach Analysen des Landeskriminalamtes soll es sich wohl um Feuerzeugbenzin gehandelt haben.

Nach Aussagen des erfahrenen Brandsachverständigen Ernst Sandmann war die Situation hochgefährlich. Vor allem für das über 80-jährige Ehepaar im ersten Obergeschoss. „Zum Glück hat ein Rauchmelder angeschlagen“, so der Gutachter. Die Kunststoff-Haustür sei ruckzuck geschmolzen, die Holzvertäfelung im Hausflur habe bereits gebrannt. Die Senioren hatten damals mit einer Drehleiter aus ihrer Wohnung gerettet werden müssen. Die Anklage lautet auf Mordversuch.

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