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Halterner fahren mit dem Heißluftballon 238 Kilometer über die Alpen

hzHeißluftballonfahrt

Mit einem Heißluftballon überquerten Reinhold Prüsener und Katja Willam die Alpen. Ein echtes Abenteuer bei zweistelligen Minusgraden für die beiden Halterner.

Haltern

, 07.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Eine weiße Schneedecke zieht sich über die Landschaft, die Berggipfel ragen in die Höhe. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne scheint. Die Temperatur liegt dennoch weit im zweistelligen Minusbereich. Zwei Heißluftballons schweben über den Bergen. In einem davon stehen zwei Halterner.

Im Dezember 2018 erhielten Katja Willam und ihr Vater Reinhold Prüsener die Nachricht: „Einer Überquerung der Alpen mit dem Heißluftballon steht nichts mehr im Weg." Ein Jahr lang hatten die Halterner darauf gewartet. Schließlich ist so eine Fahrt über die Alpen nicht einfach so machbar, erklärt Reinhold Prüsener: „Man muss dafür einen bestimmten Wind haben, weil man so lange in der Luft ist." Doch das Warten war es wert, sind sich die beiden einig: „Es war atemberaubend!"

Alles ging am Ende ganz schnell

Nach der langen Wartezeit ging aber doch alles ganz schnell. Der ersten vorsichtigen Nachricht am Mittwoch kurz vor Weihnachten folgte am Freitag die endgültige Bestätigung für den Trip in luftige Höhen, der noch am gleichen Wochenende stattfinden sollte, erinnert sich Katja Willam: „Ich saß gerade bei der Arbeit, als sich das Luftfahrtunternehmen meldete. Also Stift fallen gelassen, PC heruntergefahren, Kollegen informiert und ab durch die Mitte."

Vater Reinhold konnte es derweil zuhause gar nicht abwarten, dass es endlich losgeht. Mit dem Auto fuhren die beiden 640 Kilometer bis nach Kempten in das Abenteuer Heißluftballonfahrt. Nach kurzer Einweisung im Team-Hotel am Abend, sollten zwei Ballons mit jeweils einem Piloten und sieben Passagieren eigentlich am Morgen auch von dort aus starten. Eigentlich.

Wetter machte einen Strich durch die Rechnung

Das Wetter machte den erwartungsvollen Luftfahrern einen Strich durch die Rechnung, berichtet Katja Willam: „Wegen des stärkeren Windes mussten wir vom einige Kilometer entfernten Peiting aus starten, um nachher auch in die richtige Richtung zu fahren." Nach dem kurzen Schock änderte das aber nichts an der Vorfreude der beiden Halterner.

Nach dem gemeinsamen Aufbau der beiden Ballons und einigen Sicherheitshinweisen gab es kein Zurück: Die Ballons starteten in Richtung Italien. Viereinhalb Stunden bewegten sie sich durch die Luft und erreichten dabei eine Höchstgeschwindigkeit von 99 km/h. Die merkte man aber in der Höhe nicht, so Katja Willam: „Wir sind ja mit dem Wind gefahren, da hat man das kaum mitbekommen."

-35 Grad waren kaum spürbar

Die Halternerin hatte sich vor dem Ausflug auch weniger Sorgen um die Geschwindigkeit, als um die Kälte gemacht. -35 Grad erreichten die beiden Ballons im Höhepunkt. „Eigentlich bin ich so eine Frostbeule. Aber da der Ballon ja immer wieder befeuert werden musste, hat man von dort immer ganz gut Wärme gespürt", erzählt Katja Willam.

Wer aber durch solche luftigen Höhen fahren wollte wie die Halterner, die im Schnitt 7.000 Meter erreichten, der kann das nicht einfach so. Ab einer Höhe von 1.500 Metern wurden alle mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt. Dazu hatte jeder Passagier einen Schlauch in der Nase, der an einer Sauerstoffflasche befestigt war.„Der war auch nötig. Wenn man seinen Schlauch beim vielen Drehen und in alle Richtungen gucken mal versehentlich abgeknickt hatte, hat man schnell gemerkt, wie man duselig wurde", so Katja Willam.

Eine faszinierende Aussicht

Doch die Widrigkeiten wie Kälte und Höhe wurden bei der Aussicht schnell zur Nebensache. „Das war schon faszinierend. Wir hatten ja auch einen Begleitballon, da konnte man dann nicht nur die Landschaft angucken, sondern auch mal winken oder sehen, wie so ein Ballon aus den verschiedenen Perspektiven aussieht", so Reinhold Prüsener. Auf den zahlreichen Fotos, die die Halterner über den Alpen machten, um das Abenteuer festzuhalten, durfte eins natürlich nicht fehlen: eine Haltern-Fahne. „Da muss man mal zeigen, wo man herkommt", berichteten Vater und Tochter lachend.

Halterner fahren mit dem Heißluftballon 238 Kilometer über die Alpen

Eine atemberaubende Szenerie für die Halterner. © privat

Nach rund 4,5 Stunden setzten die Halterner ganz sanft auf italienischem Boden auf. Mit dem Auto ging es von dort nach einer leckeren italienischen Pizza wieder zurück ins Hotel nach Kempten, wo sie um zwei Uhr in der Nacht müde ins Bett fielen. Doch auch der Rückweg war ein Abenteuer, berichtet Katja Willam: „Unser Pilot war außerdem Rennfahrer am Nürburgring. Der ist da schon ordentlich durch die Berge gebrettert." Rückblickend stellt Reinhold Prüsener fest: „Wir haben an diesem Wochenende ganz schön viele Kilometer hinter uns gebracht."

Alles begann mit einem Kaubonbon

Für die beiden Halterner war es nicht die erste Fahrt mit dem Heißluftballon. Begonnen hat alles vor fünf Jahren mit einem Kaubonbon-Gewinnspiel, erzählt der Rentner: „Katja hat damals eine Ballonreise von Coesfeld nach Maria Veen gewonnen, die wir gemeinsam gemacht haben. Da habe ich Blut geleckt."

Seitdem informiert sich Reinhold Prüsener intensiv über alles, was mit der Heißluftballonfahrt zu tun hat. Die erste Fahrt über die Alpen war da nur ein logischer Schritt. Sein großes Ziel ist die Überquerung der südamerikanischen Anden. „Die ist aber sehr gefährlich und hat erst einmal überhaupt stattgefunden. Trotzdem will ich das machen", erklärt der Halterner.

Doch nicht nur die Überquerung der Anden ist fest eingeplant. Auch etwas anderes schwebt dem Rentner schon lange im Kopf rum und wird immer konkreter: ein Heißluftballonstart in Haltern. Mit einigen Interessenten hat er bereits gesprochen, auch zwei Flächen hat Reinhold Prüsener bereits im Auge. Einen solchen Start selbst zu organisieren, da habe er richtig Lust drauf, so der Rentner. Bis es jedoch wirklich losgehen kann, ist noch einiges zu klären. Sicher ist jedoch: Die Haltern-Fahne darf auch dann nicht fehlen.

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