Halterner Frauen protestieren mit Kirchen-Streik gegen Zölibat, Missbrauch und Ausgrenzung

hzKritik an Kirche

Die Frauen im Bistum streiken. Sie betreten keine Kirche, übernehmen keinen Dienst und keine Aufgaben. Oder feiern, wie am 12. Mai in St. Sixtus, draußen vor den Kirchentüren Gottesdienste.

Haltern

, 07.05.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die einwöchige Protest-Initiative „Maria 2.0“, ausgehend von Heilig Kreuz in der Domstadt Münster, schlägt hoghe Wellen. Von Samstag (11. Mai) bis zum 18. Mai (Samstag) verweigern die Frauen den Kirchenbesuch, Kirchendienste und Aufgaben für die Kirche.

Die Frauengemeinschaft Region Haltern am See bewegt sich mit. Anlass des Protestes sind die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche und die andauernde Ausgrenzung von Frauen in der Kirche. Themen, die auch die KFD vor Ort bewegen. „Aber es bringt nichts, sie im Pfarrheim zu diskutieren, dann dringt nichts nach außen. Wir müssen an die Öffentlichkeit“, sagt Angela Dreckmann von der St.-Sixtus-Pfarrei. Und sie merkt: Je mehr die Frauen über Missbrauch und Ausgrenzung nachdenken, desto engagierter werden sie. Gemeinsam mit Pastoralreferentin Mechthild Heimann, Anne Lackner, Elsa Römer, Agnes Natrop und Rosi Kerr bereitet Angela Dreckmann den Aktionstag in Haltern vor.

Wortgottesdienst vor der Kirche

Parallel zum Sonntagsgottesdienst um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche sind Frauen und auch mitstreitende Männer am Sonntag (12. Mai) eingeladen, sich vor der Kirche zu einem Wortgottesdienst zu versammeln. Die Streikenden werden nicht zu übersehen sein: Alle tragen weiße Kleidung, außerdem machen die Frauen mit Plakaten, Bannern und Fußabdrücken auf die Aktion aufmerksam. „Vor und nach dem Gottesdienst informieren wir über unser Anliegen und unsere Forderungen. Es wäre schön, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen“, betont Anne Lackner. Die KFD möchte vermitteln, was Frauen aus der Kirche treibt.

Maria 2.0

Frau stand mit beiden Beinen im Leben

Der Name Maria 2.0 steht für Frauen, die heute in der Gottesmutter Maria eine Vorreiterin im Glauben und ein Vorbild sehen. Über Jahrhunderte existierte das Bild einer schweigenden, leidenden und jungfräulichen Mutter. Die Gründerinnen der Aktion, Lisa Kötter und Andrea Voß-Frick aus Münster, wollen sie – unterstützt von der KFD - vom Sockel holen und einen Neuanfang gestalten. Maria wird heute als eine Frau wahrgenommen, die mit beiden Beinen im Leben stand und nicht immer nur milde gelächelt hat.

Dass sie keine Ketzer sind, sondern Kirchenmitglieder mit berechtigten Anliegen, verdeutlicht Rosi Kerr: „Kirche wird von Frauen getragen. Aber Frauen sind wenig an Entscheidungen beteiligt.“ Das Unbehagen darüber wächst. Die KFD fordert den Zugang von Frauen zu allen Ämtern der Kirche, die Aufhebung des Pflichtzölibats, die Ausrichtung der kirchlichen Sexualmoral an der Lebenswirklichkeit, Ämterentzug bei Missbrauch und Überstellung der Täter an weltliche Gerichte. Angela Dreckmann sagt: „Wir wollen, dass Kirche sich verändert. Mich stört vor allem die Doppelmoral.“ Die Aktion sei nicht gegen die Kirche vor Ort gerichtet, sondern generell gegen die Institution Kirche. So betont Pastoralreferentin Mechthild Heimann, dass die Seelsorger Halterns die Aktion mittragen.

Kein stillschweigender Austritt

Ob sie selber noch von Veränderungen profitieren, glauben die KFD-Frauen eher nicht. Aber sie streiken für die nachfolgenden Generationen, „damit unsere Kinder nicht – wie jetzt – einer Amtskirche mit ihren verkrusteten Strukturen weglaufen“, erklärt Anne Lackner. Das Team ist sich seiner Verantwortung bewusst. Die, die immer schon etwas verändern wollten und steckengeblieben sind, sind längst weg, wissen sie. „Aber es wäre falsch, deshalb zu resignieren“, sagt ein Team engagierter Frauen, für das ein stillschweigender Austritt keine Alternative ist.

Kommentar

Die Geduld der Kirchenfrauen ist zu Ende

Dass Frauen in der Kirche aufstehen und ihre Rechte einfordern, ist nicht neu. Aber sie tun es jetzt angesichts der Skandale selbstbewusster denn je. Nicht bittend, sondern fordernd. Immerhin sind sie es, die die Kirche an der Basis gestalten und prägen. Vorbei sind die Zeiten der Unterwürfigkeit. Kirche braucht endlich ein weiblicheres Gesicht. Schon im Neuen Testament steht geschrieben: Mit der Taufe gibt es keine Hierarchien mehr; männlich oder weiblich ist nicht mehr relevant. In diesem Sinne: Viel Erfolg für die Aktion Maria 2.0 - in Haltern und überall!
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