Halterner Gastronomen öffnen mit Freude, aber auch mit Skepsis

hzNach Corona-Lockdown

Halterns Gastronomen reagieren mit Erleichterung auf die Lockerungen nach dem Corona-Lockdown. In den Cocktail der Freude mischt sich allerdings auch eine Prise Skepsis.

Haltern

, 09.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Restaurants in Haltern dürfen ab Montag, 11. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter Vorgaben, wozu beispielsweise die Abstandsregelung von 1,50 Meter gehört. Die Gastronomen haben ein ureigenes Interesse daran, funktionierende Konzepte für ihre Betriebe zu entwickeln. Sie fürchten sich vor einer möglichen zweiten Corona-Welle im Herbst und Winter. Einen weiteren wochenlangen Lockdown würden viele Gaststätten wirtschaftlich nicht überstehen.

Die Betriebe in der Stadtmühlenbucht

„Wir geben alles, um die konkreten Auflagen möglichst schnell umzusetzen“, sagte dazu Andy Kleimann, der gemeinsam mit Christian Zehren die Betriebe Kajüte und Kombüse in der Stadtmühlenbucht sowie den Kolpingtreff und das Rossini in der Stadtmitte betreibt.

Aus seiner Sicht wird es wohl am einfachsten sein, die beiden Lokale am See wieder zu öffnen, denn hier sei genügend Platz vorhanden. Für alle vier Betriebe müssten nun individuelle Lösungen gefunden werden. Und dabei zeichnen sich Herausforderungen ab. So werde es vermutlich schwierig werden, den beliebten Thekenbetrieb im Kolpingtreff unter Corona-Auflagen fortzuführen, erwartet Andy Kleimann.

Über den Lieferservice wurde Arbeitszeit gesichert

Über den Lieferservice vom Rossini und den Kioskverkauf an der Kombüse war es den Betreibern gelungen, etwa 80 Prozent der Arbeitszeit der festen Mitarbeiter zu sichern. Nun können wohl auch wieder zusätzliche Aushilfen beschäftigt werden. Von einer wirtschaftlichen Auslastung wie vor Corona-Zeiten aber können die Gastronomiebetriebe nicht ausgehen.

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„Es ist ein schönes Gefühl, dass es jetzt in kleinen Schritten zurück zur Normalität geht.“
Petra Georgiev, Ratsstuben Haltern

Das gilt in besonderem Maß für den Seeblick in der Stadtmühlenbucht. Das Konzept basiert eigentlich auf dem Eventservice. Größere Feiern wie Hochzeiten oder Geburtstage dürfen jedoch nach wie vor nicht stattfinden. Also muss Geschäftsführer Carsten Knepper umdenken.

Seeblick überbrückt die Zeit mit Öffnung am Wochenende

Er will den Seeblick an Wochenenden öffnen und eine kleine Snackkarte auflegen.

Für einen kompletten Restaurantbetrieb ist die Küche nicht ausgelegt, ein Adhoc-Umbau wäre zu teuer. Im Moment gehe es ausschließlich darum, im Gespräch zu bleiben, erklärt Carsten Knepper. Geld verdienen ließe sich mit dem neuen Modell nicht. Es hat aber Vorteile für die Besucher, sie müssen nicht zu einer Gesellschaft eingeladen sein, um sich ein eigenes Bild von dem Eventlokal an Halterns nördlichem Seeufer zu machen.

Daniel und Petra Georgiev führen die Ratsstuben. Sie freuen sich wieder auf ihre Gäste.

Daniel und Petra Georgiev führen die Ratsstuben. Sie freuen sich wieder auf ihre Gäste. © Carsten Strübbe

Auch Halterns Sterne-Restaurant, die Ratsstuben, bereitet sich auf den Neubeginn nach dem Lockdown vor. „Es ist ein schönes Gefühl, dass es jetzt in kleinen Schritten zurück zur Normalität geht“, sagt Petra Georgiev. Nach existenziellen Ängsten, was auf alle zukommen könnte, schöpfe das Ratsstuben-Team nun wieder Hoffnung. Erste Reservierungen nahmen Daniel und Petra Georgiev unmittelbar nach Bekanntgabe der Lockerungen entgegen. Reservierungen sind Pflicht für den Besuch im Sterne-Restaurant.

Ratsstuben: In der Zwangspause treue Gäste verwöhnt

Treue Gäste des Hauses unterstützten das Restaurant in den letzten Wochen mit Außer-Haus-Bestellungen. Der Lieferservice habe allerdings nur einen kleinen Teil des sonst üblichen Geschäftes ausgemacht, doch dem Ratsstuben-Team sei er wichtig gewesen, um die Verbundenheit mit treuen Gästen zu pflegen. „Nach der langen Zwangspause sind wir voll motiviert, auch wenn wir noch unsicher sind, wie das alles angesichts der hohen Auflagen funktionieren kann“, sagt Petra Georgiev.

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Auch im Hotel-Restaurant Himmelmann in Lippramsdorf freut man sich zwar über den Neustart nach einer schwierigen Zeit, ist aber auf der anderen Seite skeptisch wegen der vielen Auflagen. „Die Vorschriften sind sicherlich richtig und sinnvoll, aber nicht immer nachvollziehbar“, sagt Stefan Himmelmann.

Stefan Himmelmann: Verluste sind nicht mehr aufzuholen

Am 13. Mai (Mittwoch) öffnet das Restaurant wieder. Wer essen möchte, muss einen Tisch vorbestellen. Die Tische werden in gebotenen Abständen stehen, dafür ist genügend Platz im Haus und auf der Terrasse. Der Mehraufwand kostet Zeit und Geld: Weniger Tische, längere Wege, unrationelles Arbeiten geben der Freude über die Lockerungen einen Dämpfer.

Stefan und Britta Himmelmann öffnen am 13. Mai wieder ihre Restaurant in Lippramsdorf.

Stefan und Britta Himmelmann öffnen am 13. Mai wieder ihr Restaurant in Lippramsdorf. © Alina Meyer

„Wir können nicht aufholen, was uns im Frühjahr verloren gegangen ist“, sagt Stefan Himmelmann. Größere Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Familienfeiern oder auch die Kegelabende fehlen in der Kasse. Noch weiß niemand, wann Gesellschaften wieder stattfinden können. Auch die vielen Radtouristen, die im Hause Himmelmann gewöhnlich Quartier beziehen, bleiben wegen der Einschränkungen noch weg.

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Erste Reservierungen wie in den Ratsstuben haben auch Britta und Stefan Himmelmann schon in den Kalender eingetragen. Einiges ist anders als sonst. Jeder Gast muss an der Tür warten, um zum Platz geleitet zu werden, auf den Tischen liegen Papier- statt Stoffservietten, Getränke müssen Gäste selbst vom Tablett nehmen. Das sind keine Unhöflichkeiten, sondern drei von vielen Hygienevorschriften.

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Gastronomie in Haltern öffnet wieder

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