Die Patienten in den Hausarztpraxen werden zurzeit mehrheitlich mit Astrazeneca geimpft, nur wenige mit anderen Impfstoffen. © Arne Pöhnert
Coronavirus

Halterner Hausärztin: „Nutzen einer Astrazeneca-Impfung höher als Risiko“

Seit einer Woche dürfen die Hausärzte in Haltern impfen. Doch viele Patienten haben Vorbehalte gegenüber dem Astrazeneca-Impfstoff. Dr. Astrid Keller, Sprecherin der Halterner Ärzte, klärt auf.

Die Halterner Hausärzte und einige Fachärzte haben mit dem Impfen begonnen. Meistens kam der Impfstoff Astrazeneca zum Einsatz. Während viele Patienten erleichtert und dankbar waren, dass endlich Impfstoff auch für sie vorhanden war, haben andere viele Bedenken gegenüber diesem Impfstoff. Es sind viele Gerüchte und Fehlinformationen im Umlauf. Daher fasst Dr. Astrid Keller, Sprecherin der Halterner Ärzteschaft, nochmal die allgemeinen Fakten für die Halterner Bürger zusammen.

Es sind bis zum 1. April 2021 etwas häufiger als normalerweise Sinusvenenthrombosen aufgetreten, 42 Fälle bei 2,8 Millionen, die bis 31. März den Impfstoff erhalten haben, ganz überwiegend bei jüngeren Menschen (Das entspricht einem Risiko von 1,5 Fällen von 100.000 Geimpften).

Die Nebenwirkung der Sinusvenenthrombose entsteht nach Untersuchungen der Gesellschaft für Thrombose und Hämostaseforschung durch die Entzündungsreaktion und eine Antikörperbildung gegen Blutplättchen (Thrombozyten). Das führt zu einer bei den Fällen teilweise auch beobachteten Thrombozytopenie. Die Antikörper führen zu einer Thrombozytenaktivierung und damit verstärkten Gerinnung. Der Mechanismus entspricht einer Nebenwirkung, die selten durch Thrombosespritzen auftritt (sogenannte Herparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT)).

Diese Reaktion des Immunsystems tritt viel stärker bei jüngeren Menschen auf. Daher hat die Ständige Impfkommission (STIKO) den Impfstoff ab dem 60. Lebensjahr empfohlen. Hier ist der Nutzen deshalb besonders groß, da die Gefahr eines schweren Covid-Verlaufes in dieser Gruppe deutlich erhöht ist.

Die Thromboseforschungsgesellschaft betont ebenfalls, dass es zum derzeitigen Kenntnisstand keine Hinweise dafür gibt, dass Patienten mit Thrombosen oder Lungenembolien in der Vorgeschichte ein erhöhtes Risiko haben, da die beobachtete Sinusvenenthrombose auf einem ganz anderen Entstehungsmechanismus beruht. Auch Menschen, die Blutverdünner nehmen, sind nicht gefährdeter und dürfen den Impfstoff erhalten und nehmen diese Medikamente ganz normal weiter ein.

Allgemein ist Bettlägerigkeit und Fieber ein Risiko für Thrombose und, daher sollte bei einer stärkeren Impfreaktion (die nach jedem Impfstoff auftreten kann) auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr, leichte Mobilisation und fiebersenkende Maßnahmen geachtet werden.

Nach mehr als 3 Tagen Symptome vom Arzt abklären lassen

Sollten aber mehr als 3 Tage nach der Impfung Schwindel, Sehstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit/Erbrechen, Luftnot, Schmerzen im Brustkorb, Abdomen, den Extremitäten auftreten, sollten Sie Ihren Hausarzt aufsuchen, der weitere Abklärung der Symptome veranlassen wird.

Zusammenfassend kann man sagen, dass bei Patienten über 60 eine Sinusvenenthrombose aufgrund einer überschießenden Immunreaktion sehr, sehr selten auftritt, dafür die Covid-Infektion deutlich gefährlicher in dieser Altersgruppe ist. Daher ist der Nutzen einer Impfung auch mit dem Impfstoff von Astrazeneca viel höher einzustufen als die Gefahr einer bedrohlichen Nebenwirkung. Eine Thrombose in der Vorgeschichte oder die Einnahme von Blutverdünnern spielt hierbei keine Rolle. 1-3 Tage nach der Impfung können Fieber, Kopf-und Gliederschmerzen auftreten. Weitere oder anhaltende Symptome danach sollten hausärztlich abgeklärt werden.

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.