Die Schüler der SV nahmen das Siegel „Schule ohne Rassismus“ im Beisein von Schulleiter Ulrich Wessel und Bürgermeister Andreas Stegemann entgegen, das Claus Wiesenthal vom Kommunalen Integrationszentrum überreichte. © Jürgen Woilter
Siegel fürs Gymnasium

Halterner Joseph-König-Gymnasium ist jetzt „Schule ohne Rassismus“

Die Initiative ging von der Schülervertretung aus: Das Joseph-König-Gymnasium erhielt ein Siegel, das weniger eine Auszeichnung als vielmehr eine Verpflichtung ist.

Das Joseph-König-Gymnasium hat ein Versprechen abgegeben: Schüler, Lehrer,

Angestellte, alle wollen sich in Zukunft verstärkt gegen Rassismus, Diskriminierung und Mobbing einsetzen. Diese Verpflichtung bringt das Siegel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ mit sich, mit dem das Gymnasium am Donnerstag ausgezeichnet wurde.

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein Projekt des Vereins Aktion Courage. Der Verein wurde 1992 von Bürgerinitiativen, Menschenrechtsgruppen, Vereinen und Einzelpersonen als eine Antwort auf den gewalttätigen Rassismus, der sich seinerzeit in Mölln, Solingen, Hoyerswerda und Rostock Bahn gebrochen hatte, gegründet.

Bürgermeister fordert „Kultur des Hinsehens“

Dass dieses Eintreten gegen Antisemitismus, rassistische Vorurteile und Gewalt aber auch gegen Mobbing und Diskriminierung aus religiösen Gründen oder Gründen der sexuellen Orientierung heute nicht weniger dringend erforderlich ist, das machten sowohl Schulleiter Ulrich Wessel als auch Bürgermeister Andreas Stegemann bei der Verleihung des Siegels in der Aula vor 100 Schülerinnen und Schülern klar. Der Halterner Bürgermeister forderte eine “Kultur des Hinsehens“.

Überreicht wurde das Siegel von Claus Wiesenthal vom kommunalen Integrationszentrum im Kreis Recklinghausen. Um die Auszeichnung zu bekommen, müssen mindestens 70 Prozent der Schüler, Lehrer und sonstigen Angestellten einer Schule dafür stimmen. Am Halterner Gymnasium waren es 97 Prozent. „Und das bei einer Wahlbeteiligung von 84 Prozent“, freute sich Ulrich Wessel.

Das Joseph-König-Gymnasium ist die 995. Schule in Nordrhein-Westfalen, die das Siegel trägt. „Wenn wir uns ein paar Tage später gemeldet hätten, hätten wir vielleicht die 1000. Schule sein können“, so Ulrich Wessel. „Aber eigentlich hätten wir es schon viel früher machen müssen.“

Eva Weyl übernahm die Schirmherrschaft

Er dankte den SV-Schülern, die das Projekt am Gymnasium angestoßen haben und die auch die Übergabeveranstaltung moderierten: Janne Hübener, Philipp Tischkewitz, Louisa Balding, Lea Fricke, Luzie Zahn und Nona Große Erdmann. Schüler der weiteren Jahrgangsstufen hatten sich auch im Unterricht mit dem Thema auseinandergesetzt und ihre Vorstellungen von einer Schule ohne Rassismus auf bunte Papierhände geschrieben, die in der Aula zu einem Baum zusammengesetzt wurden.

Janne Hübener und Philipp Tischkewitz interviewten Holocaust-Überlebende Eva Weyl, die per Video zugeschaltet war.
Janne Hübener und Philipp Tischkewitz interviewten Holocaust-Überlebende Eva Weyl, die per Video zugeschaltet war. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Per Video war Holocaust-Überlebende Eva Weyl aus den Niederlanden zugeschaltet, die schon oft am Gymnasium und an der Realschule zu Gast war und über ihre Lebensgeschichte berichtet hatte. Sie hat gern die Schirmherrschaft über das Projekt am Gymnasium übernommen. Und sie schrieb Schülern, Lehrern und Mitarbeitern ihre Aufgabe ins Stammbuch: „Lasst eure Herzen sprechen, seid human! Hört nicht auf zu fragen. Tretet ein gegen Diskriminierung und für Demokratie. Das ist jetzt eure Aufgabe!“

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Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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Jürgen Wolter

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