Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat in der Pandemie keine generelle Impfempfehlung für gesunde Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ausgesprochen. © dpa
Corona-Impfung

Halterner Kinderarzt über Stiko-Empfehlung: „Der Frust ist schon groß“

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat die Impfung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren nur eingeschränkt empfohlen. Der Halterner Kinderarzt Jörg-Ulrich Hassel hat sich das anders gewünscht.

„Am 7. Juni war hier Land unter“, berichtet Jörg-Ulrich Hassel, Kinderarzt in Haltern. Die Telefonleitungen seiner Praxis brachen förmlich zusammen. Ab dem 7. Juni sollten theoretisch Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren mit dem Biontech-Impfstoff gegen Corona geimpft werden können. Doch die zuständige Ständige Impfkommission (Stiko) hatte noch keine Empfehlung ausgesprochen, ob auch wirklich alle in Deutschland lebenden Kinder dieses Alters uneingeschränkt geimpft werden sollen.

„Traum ist für mich geplatzt“

Am Donnerstag kam dann die offizielle Empfehlung, nachdem vorher schon durchgesickert war, dass es doch Einschränkungen geben würde: Nur Kinder ab 12 Jahren mit Vorerkrankungen sollten die Impfung erhalten. „Da ist schon ein Traum für mich zerplatzt“, sagt der Mediziner. „Wir hatten hier in Haltern große Pläne, wollten in Zusammenarbeit mit der Stadt und den Schulen eigentlich in der Seestadthalle in großem Stil Impfungen durchführen.“

Kinderarzt Dr. Jörg-Ulrich Hassel praktiziert in Haltern.
Kinderarzt Dr. Jörg-Ulrich Hassel praktiziert in Haltern. © Foto Elke Rüdiger © Foto Elke Rüdiger

Aus Sicht der Stiko sei die Entscheidung zwar nachvollziehbar, weil sie für ihre Entscheidungen viel längere Beobachtungszeiträume bräuchte und die im Fall von Biontech eben noch nicht vorgelegen hätten.

Unter den Eltern der gesunden Kinder sei der Frust groß und die Stimmung schlecht. Seit Montag steht das Telefon nicht mehr still, geschätzt nur jedes 10. Telefonat kommt überhaupt durch. „Alle wollten sich auf die Liste setzen lassen.“ Die gesunden Kinder und Jugendlichen seien die Leidtragenden, so Hassel. Auch wenn sie im Falle einer Infektion deutlich weniger starke Symptome entwickelten und nicht so häufig an Spätfolgen erkrankten wie Erwachsene. „Ich hätte sie aber gerne durch die Impfung wieder freier gemacht.“ Die Entscheidung der Stiko müsse man jetzt leider hinnehmen.

Negative Erfahrungen mit dem Impfstoff hat der Kinderarzt bisher nicht. „Die über 16-Jährigen mit Handicap, die ich bereits geimpft habe, haben es gut vertragen.“

Zu wenig Impfstoff

Allerdings sei die Impfstoff-Menge, die er bekommen hat, auch nicht mehr als ein „kümmerliches Almosen“, so Hassel. „6 Dosen sind einfach zu wenig.“ In manchen Fällen bekommt er noch eine 7. Dose aus der Charge, wie am Freitag geschehen. „Einer Mutter konnten wir damit eine große Freude machen, sie kam mit ihrem Kind direkt von der Physiotherapie in die Praxis, um es impfen zu lassen.“ Glücklicherweise seien unter den Eltern von vorerkrankten Kindern keine Impfskeptiker. „Sie sind durch ein großes medizinisches Vorwissen geprägt“, sagt Jörg-Ulrich Hassel.

Er appelliert an alle Eltern von gesunden Kindern: „Bitte im Moment nicht mit Impfanfragen die Leitungen blockieren.“

Über die Autorin
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Vor mehr als zwanzig Jahren über ein Praktikum zum Journalismus gekommen und geblieben. Seit über zehn Jahren bei Lensing Media, die meiste Zeit davon als Redakteurin in der Nachrichten- und Onlineredaktion in Dortmund. In Haltern seit September 2019.
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Ilka Bärwald

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