Halterner Pflegeeltern streiten mit leiblicher Mutter über Besuchsrechte

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Zwei Geschwister mit verschiedenen Nachnamen: Ein Kind ist adoptiert, das andere zur Pflege aufgenommen. Eine Halterner Familie erzählt von ihrem Alltag und einem jahrelangen Rechtsstreit.

Haltern

, 15.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Wenn Christin Metschl von ihrem Beruf erzählt, muss sie erst einmal klarstellen: „Adoption ist etwas ganz anderes, als ein Engagement als Pflegeeltern.“ Denn bei einer Adoption werden sämtliche rechtliche Kontakte der leiblichen Eltern auf die Adoptiveltern übertragen. Besuche sind nicht vorgesehen, die leiblichen Eltern eines Kindes müssen der Adoption zustimmen. Christin Metschl ist die neue Kontaktperson für diese Fälle in Haltern am See.

Die Halterner Familie Schneider hat beides: ein Adoptiv- und ein Pflegekind. Den Namen haben wir geändert, weil die Eltern nicht möchten, dass die Kinder im Freundeskreis anders behandelt werden, nur weil die Eltern nicht die leiblichen sind.

„Vier Wochen später wurde uns unser Kind vorgestellt“

Weder auf natürlichem Wege, noch per künstlicher Befruchtung konnte das Paar Nachwuchs bekommen. „Das war 2007 ein ziemlicher Schock. Anfang 2013 haben wir uns dann ans Jugendamt gewandt“, erzählt der Vater: „Es gab einen Hausbesuch und vier Wochen später wurde uns unser Kind vorgestellt.“ Dass es so schnell geht, ist aber eine große Ausnahme: „Teilweise dauert es acht bis neun Monate.“

Halterner Pflegeeltern streiten mit leiblicher Mutter über Besuchsrechte

Christin Metschl (30) ist die Ansprechpartnerin bei der Halterner Stadtverwaltung zum Thema Adoption. © Kevin Kindel

Das heute siebenjährige Kind ist adoptiert, inzwischen gibt es einen zweijährigen Bruder, der als Pflegekind in die Familie aufgenommen wurde. „Bei ihm gibt es alle zwei bis vier Wochen Kontakt mit der leiblichen Mutter“, erklärt der Pflegevater. Mit ihr und der Großmutter des Jungen gebe es dauerhaft rechtliche Auseinandersetzungen, weil sie mehr Besuchskontakte haben wollen.

„Das bereitet der Psyche schon Schwierigkeiten“, sagt der Vater. Einer Adoption muss die leibliche Mutter zustimmen, das habe bei der Siebenjährigen auch ein Dreivierteljahr gedauert. „Ihre leibliche Mutter ist psychisch krank, der Vater hatte wenig bis gar kein Interesse an ihr.“ Die leibliche Mutter des Jungen habe in der Schwangerschaft Alkohol getrunken, bei den Kindern seien bis heute Unterernährung und Hyperaktivität festzustellen.

Mit eineinhalb Jahren ist das Mädchen bei der Halterner Familie eingezogen, kurz nach ihrem dritten Geburtstag sei es zum ersten Mal Thema gewesen, dass ihre leiblichen Eltern andere sind. „Wir leben als ganz normale Familie zusammen, das Thema kommt aber immer mal wieder in Schüben hoch.“ Verheimlichen wolle das Paar das Thema den Kindern gegenüber auf keinen Fall. Aber spätestens bis zur Einschulung hoffen die neuen Eltern darauf, dass ihr Sohn auch ihren Nachnamen bekommen kann.

„Man muss sich einfach auf das Thema einlassen“

Wer sich für eine Adoption interessiert, dem rät der Familienvater: „Man muss sich einfach auf das Thema einlassen und darf sich nicht zu sehr einen Kopf machen.“ Beide Kinder seien schnell zu seinen eigenen geworden.

„Wir haben den Auftrag, für die Kinder die geeigneten Eltern zu finden“, sagt Christin Metschl. Sie kümmert sich in Dorsten und Haltern um die Vermittlung - für Menschen, die ein Kind aufnehmen möchten, und für die, die ein Kind zur Adoption freigeben möchten. Die 30-Jährige ist erreichbar unter Tel. (02362) 66 46 13 oder per E-Mail an christin.metschl@dorsten.de.

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