SV-Schülerinenn des Gymnasiums verdeutlichten Beispiele des alltäglichen Rassismus heute. © Jürgen Wolter
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Halterner Schüler: „Gegen das Vergessen gibt es kein Medikament“

Schüler der weiterführenden Halterner Schulen und ein jüdischer Mitbürger setzen auf dem Marktplatz deutliche Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus sowie für eine offene bunte Gesellschaft.

Der 9. November 1938, die Reichspogromnacht, ist unauslöschlich mit dem Beginn der Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland verbunden. Deshalb stand das Erinnern an dieses Leid im Mittelpunkt einer zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Halterner Marktplatz vor dem Alten Rathaus am Freitagabend. Eingeladen hatten das Halterner Forum für Demokratie, Respekt und Vielfalt und der Asylkreis Haltern.

Rund 150 Teilnehmer waren zur Gedenkveranstaltung gekommen.
Rund 150 Teilnehmer waren zur Gedenkveranstaltung gekommen. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Die Organisatoren gingen diesmal einen neuen Weg. Auffällig viele junge Halternerinnen und Halterner fanden sich unter den gut 150 Besuchern, die bei kühlen Temperaturen zum Markplatz gekommen waren.

David Tourgman von der Jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen plädierte für eine offene, bunte Gesellschaft.
David Tourgman von der Jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen plädierte für eine offene, bunte Gesellschaft. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

„Schülerinnen und Schüler aller weiterführenden Halterner Schulen sind heute mit einem Beitrag dabei“, so Moderator Herbert Bludau-Hoffmann vom Forum. „Außerdem haben wir einen Vertreter der jüdischen Kultusgemeinde Recklinghausen um einen Redebeitrag gebeten.“

Als Jude in Deutschland heute

David Tourgman setzte sich mit der Frage auseinander, was es heute bedeutet, als Jude in Deutschland zu leben. Als Kind habe er in der Synagoge mehrere Zeitzeugen des Holocaust getroffen. Ihre trotz der grauenhaften Erlebnisse positive Lebenseinstellung habe ihn sehr beeindruckt. „Ich habe gelernt, der Holocaust hat die Menschen nicht gebrochen. Trotzdem musste ich erleben, dass es in meiner Jugend immer schwieriger wurde, mich offen zu meinem Judentum zu bekennen“, so Tourgman.

„Ich stehe heute hier als Jude, als Israeli, als Deutscher, als Mensch“, so David Tourgman. „Ich mache mir Sorgen um die Zukunft meines zweijährigen Sohnes in einer Gesellschaft, in der Antisemitismus und Rassismus eine immer stärkere Rolle spielen. Aber ich stehe hier auch als Teil einer bunten, einer offenen Gesellschaft. Für diese müssen wir gemeinsam eintreten, damit sich die Ereignisse der Geschichte nicht wiederholen.“

„Das Grauen darf sich nicht wiederholen“

Schülerinnen und Schüler der Joseph-Hennewig-Hauptschule, des Hans-Böckler-Berufskollegs, der Alexander-Lebenstein-Realschule und des Joseph-König-Gymnasiums brachten neue Aspekte in die Gedenkveranstaltung und Demonstration. „Gegen das Vergessen gibt es kein Medikament“, stellten die Hauptschüler fest. Sie betonten, wie wichtig es ist, die Gräueltaten des faschistischen Naziregimes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, um durch die Erinnerung für eine bessere Zukunft zu wirken.

Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs hatten selbst ein Gedicht geschrieben.
Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs hatten selbst ein Gedicht geschrieben. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Die SV-Schüler des Gymnasiums verdeutlichten Beispiele rassistischer Dialoge in der heutigen Gesellschaft, die Berufsschüler hatten ein eigenes Gedicht geschrieben, die Realschüler lasen aus den Erinnerungen von Alexander Lebenstein. Tenor aller Beiträge: Wir müssen heute aktiv etwas tun, damit sich das Grauen des Holocaust nicht wiederholen kann.

Realschülerinnen lasen aus den Erinnerungen von Alexander Lebenstein.
Realschülerinnen lasen aus den Erinnerungen von Alexander Lebenstein. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

In ihren Beiträgen unterstrichen auch Pfarrer Michael Ostholthoff und Bürgermeister Andreas Stegemann die Wichtigkeit dieser Forderung.

„Gegen das Vergessen gibt es kein Medikament“, fanden die Schüler der Joseph-Hennewig-Hauptschule. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Für den musikalischen Rahmen sorgten Mitglieder der Band Motel. Sänger André Haggeney machte deutlich: „Jede Note, die Motel singen, ist immer auch eine antifaschistische Note.“

Musiker von Motel sorgten für den musikalischen Rahmen.
Musiker von Motel sorgten für den musikalischen Rahmen. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Vertreter vieler Halterner Vereine und Verbände waren zum Markplatz gekommen. Das THW hatte für die Ausleuchtung der Bühne und des Platzes gesorgt.

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Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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Jürgen Wolter

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