Der Johnson&Johnson-Impfstoff ist in Haltern nicht sonderlich beliebt bei Älteren. © picture alliance/dpa/EUROPA PRESS
Corona-Impfung

Halterner Senioren lehnen Impfspritze ab: Hausarzt muss spontan umplanen

Obwohl der Impfstoff von Johnson&Johnson von der Stiko für Ü-60-Jährige empfohlen wird, lehnen viele ältere Patienten ihn ab. Das führte in Haltern kürzlich zu einer kuriosen Situation.

Die Impfung gegen das Coronavirus sorgt in den Halterner Hausarztpraxen seit Wochen für eine erhöhte Arbeitsbelastung. Viele wollen geimpft werden, doch nicht jeder möchte auch den Impfstoff bekommen, der für seine Altersgruppe empfohlen wird. Das hat der Halterner Hausarzt Dr. Björn Hollensteiner bereits häufiger erlebt.

Neben dem Impfstoff von Astrazeneca wurde auch der Janssen-Impfstoff von Johnson&Johnson von der Stiko (Ständige Impfkommission) für Ü-60-Jährige empfohlen. Bei diesen Vektorimpfstoffen wurden vereinzelt schwere Nebenwirkungen bei jüngeren Menschen gemeldet, sodass diese bei jüngeren Menschen nur nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz verimpft werden.

„Johnson&Johnson ist unter den jüngeren Menschen sehr beliebt, weil er nur einmal geimpft werden muss. Ältere Menschen tun sich viel schwerer damit, mit diesem Impfstoff versorgt zu werden“, sagt Hollensteiner. Auch die Halterner Ärztesprecherin Dr. Astrid Keller hatte von diesen Erfahrungen berichtet.

Facebook-Community reagiert schnell

Dr. Björn Hollensteiner berichtet, dass er am vergangenen Freitag (28. Mai) beinahe zwei Impfdosen von Johnson&Johnson hätte entsorgen müssen. „Ein älteres Ehepaar hat den bereits in der Spritze aufgezogenen Impfstoff beim Hausbesuch spontan abgelehnt, sodass ich um 16.30 Uhr damit quasi ‚auf der Straße‘ stand.“ Er postete in der „Haltern am See“-Gruppe bei Facebook, dass er Impfwillige für diese Dosen sucht. „Glücklicherweise fanden sich rasch zwei jüngere Patientinnen, die die Impfung mit Freude angenommen haben“, sagt der Mediziner.

Auch in der Praxis von Björn Hollensteiner sind die Impfstoffmengen begrenzt. „Wir haben für die kommende Woche für Erstimpfungen weniger Impfstoff als in den letzten Wochen erhalten. Würde nicht der Impfstoff von Johnson&Johnson geliefert werden, dann könnten wir kaum Erstimpfungen anbieten.“ Für die Woche vom 7. bis 11. Juni wurden der Praxis ganze sechs Impfstoffdosen von Biontech/Pfizer zugeteilt.

Dr. Björn Hollensteiner ist Hausarzt in Haltern.
Dr. Björn Hollensteiner ist Hausarzt in Haltern. © Jüregen Wolter © Jüregen Wolter

Allerdings seien in seiner Praxis in der Woche über 100 Zweitimpfungen eingeplant. Man habe noch überhaupt keine Probleme, alle Impftermine zu vergeben. Der Andrang sei auch bei ihm nach wie vor groß. „Wir haben sehr viele Anfragen auf allen möglichen Wegen, teils von Menschen, die fast 100 km entfernt wohnen.“

KVWL: Praxen können Erwartungsdruck kaum erfüllen

Vor dem Hintergrund der Aufhebung der Impfpriorisierung ab Montag (7. Juni) weist auch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) erneut darauf hin, dass die Praxen ihrer Mitglieder nur den Mangel verwalten könnten. „Aus unserer Sicht ist es fahrlässig, den Menschen zu suggerieren, jeder könne sich nun impfen lassen, ohne zu erwähnen, dass der Impfstoff weiterhin stark rationiert wird. Das weckt Erwartungen, die die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nicht ansatzweise erfüllen können – so gerne sie dies auch tun würden“, mahnen der KVWL-Vorstand Dr. Dirk Spelmeyer, Dr. Volker Schrage und Thomas Müller.

„Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sahen sich in den vergangenen Wochen einem hohen Druck seitens der Impfwilligen ausgesetzt. Teilweise wurden die Grenzen des solidarischen und respektvollen Miteinanders nicht nur erreicht, sondern deutlich überschritten. Wir fordern daher die Politik mit Nachdruck dazu auf, diese Situation zu beenden, indem sie endlich dafür sorgt, dass genug Impfstoff für alle zur Verfügung steht, die sich impfen lassen wollen“, appelliert der KVWL-Vorstand.

Über die Autorin
Redakteurin
Vor mehr als zwanzig Jahren über ein Praktikum zum Journalismus gekommen und geblieben. Seit über zehn Jahren bei Lensing Media, die meiste Zeit davon als Redakteurin in der Nachrichten- und Onlineredaktion in Dortmund. In Haltern seit September 2019.
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Ilka Bärwald

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