Schon mal was von Gabelstapler-Management gehört? Wir bis vor Kurzem auch nicht. Genau mit dieser Idee hat ein Halterner Start-Up nun in Dortmund überzeugen können.

Haltern

, 17.10.2019, 13:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Halterner Tim Klauke hat 2017 gemeinsam mit seinem Team das Halterner Unternehmen „ForkOn“ ins Leben gerufen. Immer öfter äußerten Unternehmen, die Gabelstapler einsetzen, den Wunsch nach Lösungen, die der Markt bis dahin nicht anbot. Das will das Halterner Start-Up ForkOn ändern. Redakteurin Eva-Maria Spiller sprach mit Maren Sklarek von „ForkOn“ über das junge Halterner Startup.

Frau Sklarek, wofür braucht man Gabelstapler-Management?

Wir bewegen uns hier in der Branche der Intralogistik. Da ist der Gabelstapler eines der wichtigsten Mittel in der Wertschöpfungskette. Allerdings wird nicht geguckt, was mit den Daten passiert und wie man die Kosten senken kann. Im Lager kommt es manchmal sogar vor, dass dort mit Papier und Stift gearbeitet wird, während wir schon mit Smartphones und Apple Watches rumlaufen.

Große Gabelstaplerhersteller bringen oft eine eigene Flottenmanagementlösung mit, aber immer nur für die eigenen Gabelstapler - Jungheinrich, Linde, Still. Rein technisch wäre es auch möglich, dass die jeweils in dem anderen System laufen. Aber die Unternehmen haben daran kein Interesse, während Kunden ein herstellerunabhängiges Management fordern. Sie wollen sich nicht in die Karten gucken lassen und einem Hersteller die Macht geben, ins eigene Lager zu schauen.

Das ist das, was wir machen: Wir programmieren eine herstellerunabhängige Lösung mit cloudbasierter Software. Es muss nicht lokal auf einen Rechner zugegriffen werden, sondern funktioniert geräteunabhängig, egal ob auf dem Handy, dem Tablet oder dem PC.

Wie das Halterner Start-Up ForkOn das Gabelstapler-Management revolutioniert

Beim Digital Hub Award des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund hatte das Unternehmen fünf Minuten Zeit, sein Konzept vorzustellen. Am Ende reichte die Idee für den zweiten Platz. © ForkOn

Wie ist diese Geschäftsidee entstanden?

Einer der Gründer, Tim Klauke, hat neun Jahre lang bei Jungheinrich in einer leitenden Position gearbeitet und hat da den Bereich Kunden Sales und Service betreut. Er hat in der Zeit über 600 Lager besucht. Das Feedback der Kunden war, dass sie etwas Herstellerunabhängiges wollen.

Er hat die Idee genommen, hat sich dann Mitte 2017 mit einem Freund, Nils Herzing, zusammengetan. Ende des Jahres wurde das Gründerteam neu organisiert. Das Vierer-Gründer-Team hat die Idee weiter vorangetrieben. Am Anfang wurde viel über Beratungsprojekte gemacht, nach und nach ist das in Vollzeit übergegangen. Bis September 2019 sind wir von 5 auf 21 Mitarbeiter angewachsen.

Was bedeutet so ein Gabelstapler-Management für die Kunden?

Dass ich weiß, wie die Auslastung meiner Stapler ist: Brauche ich die alle oder stehen die nur rum? Wie viel kostet mich ein Stapler pro Betriebsstunde, wo stehen meine Stapler oder wie ist der Gewaltschadensanteil?

Die Besonderheit ist, dass wir neben allen operativen Daten auch die kaufmännischen Daten mitberücksichtigen. Dadurch schaffen wir massive Transparenz. Daran hat der Hersteller kein Interesse, wenn wir zum Beispiel herausfinden, dass der Kunde zuviel zahlt. Dann kann der sich die Kosten zurückholen.

Wie kann man sich das Programm beim Kunden vorstellen?

Der Kunde sieht ein Dashboard, das auf einen Blick die Frage eines Flottenmanagers beantwortet: Muss ich was tun? Ist was kaputt gegangen? Wie ist der Status Quo?

Solche Lager können extrem groß werden. Man muss wissen, was gerade passiert. Im zweiten Schritt, wenn man Produktivitätsanalysen machen will, kann man in dem Reiter „Analysen“ sehen, was mich ein Stapler pro Betriebsstunde kostet und wie meine Flotte ausgelastet ist. Das ist wichtig, um Prognosen und Annahmen treffen zu können.

Es ist ein klassisches Dashboard: Wenn alles grün ist, ist das super. Wenn etwas rot leuchtet, zum Beispiel wenn ein Gabelstapler kaputt ist, der spezielle Aufgaben erledigt, die nur er kann, besteht akuter Handlungsbedarf. Das hat dann Auswirkungen auf das Tagesgeschäft.

Welche Kunden nutzen ForkOn?

Zum Beispiel Villeroy & Boch, Duisport oder Klöckner. Derzeit haben wir knapp über 20 Kunden. Grundsätzlich ist der Gedanke, eine Plattform zu erschaffen, die von allen Kunden genutzt werden kann. Da kann man Features zu- oder abbestellen.

Gerade jetzt in der Anfangszeit, wo wir unser Produkt ständig weiterentwickeln, leben wir natürlich von dem Feedback unserer Kunden. Wenn da jemand noch ein bestimmtes Feature mit reinbringt, entwickeln wir schon auch die Dinge, die allen was bringen. Spezialwünsche werden auch erfüllt, aber erstmal die, die allen was nützen.

Wie das Halterner Start-Up ForkOn das Gabelstapler-Management revolutioniert

Die 8000 Euro Preisgeld von dem Digital Hub Award will das Unternehmen seinen Mitarbeitern zugute kommen lassen. © ForkOn

Wie kam es zu dem Firmensitz in Haltern?

Tim Klauke kommt aus Haltern. Wir wussten, dass der Plan ist, das Unternehmen groß aufzuziehen. Neben dem Unternehmenssitz in Haltern gibt es Standorte in Heidelberg und Köln. In Heidelberg sitzen vor allem die Backend- und Software-Entwickler, in Köln die Frontend-Entwickler, Sales und Marketing. Eine ständige Ummeldung macht da keinen Sinn. Anfang nächsten Jahres ziehen wir innerhalb von Köln wieder um. Wir sind hier so gewachsen, dass wir jetzt größere Räume suchen.

Bis Ende des Jahres werden wir sicher noch zwei weitere Personen einstellen. Bis Ende nächsten Jahres wollen wir auf 45 Mitarbeiter angewachsen sein. Insbesondere wollen wir im Bereich des Softwaredevelopments verstärkt Teammitglieder für uns gewinnen.

Kürzlich haben Sie und Ihr Unternehmen beim „Zukunftskongress Logistik – 37. Dortmunder Gespräche“ einen zweiten Preis gewonnen...

Das war ein Logistikpreis. Wir haben uns auf den Digital Hub Award des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund beworben, das macht einmal jährlich den Zukunftskongress Logistik. Die stellen über zwei Tage aktuelle Projekte, das ist wie ein Match von Wirtschaft und Forschung. Da hatten wir uns als Logistik-Start-Up beworben.

Wir wurden über unser Bewerbungsvideo ausgewählt und sind unter die acht Finalisten gekommen. Wir hatten dann fünf Minuten Zeit und durften dann ForkOn und unsere Lösung vorstellen. Dann hat das Publikum, welches aus 500 Entscheidern der Logistikbranche bestand, abgestimmt, wer den Award gewinnt.

Wir haben ein Preisgeld von 8000 Euro bekommen. Der Grund für den Erfolg liegt ganz klar in dem Team. Dann war es unsere Idee, dass wir davon ein Teamevent machen, um da auch mal an jeden einzelnen Mitarbeiter etwas zurückgeben. Als Start-Up hat man ja kein Wahnsinnsbudget.

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