Toddy Geldmann ist Vorsitzender von Haltern aktiv und engagiert sich als Unternehmer für die Zukunft der Stadt. © Elisabeth Schrief (A)
Interview

Halterner Unternehmer appelliert: „Nur gemeinsam sind wir stark“

Ein professionelles Stadtmarketing ist aus Sicht des Unternehmers Toddy Geldmann entscheidend für eine erfolgreiche Zukunft der Stadt Haltern. Im Interview erklärt er, wie es gelingen kann.

Der Halterner Unternehmer Toddy Geldmann betreibt mit seiner Schwester Martina Hörstrup den Erlebnisbiergarten „Jupp“ am Halterner Stausee. Er ist zudem Vorsitzender des Unternehmernetzwerks „Haltern aktiv“ und Mitgründer des Vereins „Haltern am See tut gut“. Wir haben mit dem 45-Jährigen über aktuelle und künftige Herausforderungen gesprochen.

Herr Geldmann, die Corona-Krise hat für Sie als Gastronom Auswirkungen mit sich gebracht. Wie geht es Ihnen mit der aktuellen Situation?

Wir haben aufgrund der Beschränkungen der letzten Monate Umsatzeinbußen gehabt. Wie alle aus unserer Branche mussten wir zahlreiche Reservierungen stornieren, die Einschränkungen aufgrund des Lockdowns befolgen und zugleich versuchen, neue Möglichkeiten zu schaffen und zu nutzen. Die vom Bund versprochenen Hilfen sind zum Teil bis heute nicht angekommen. Perspektiven sind rar. Aber wir lassen den Kopf nicht hängen. Letztlich gibt es doch kaum jemanden, der nicht von der Krise betroffen ist.

Was fehlt Ihnen am meisten?

Der Austausch mit unseren Gästen. Das fehlt wirklich sehr. Ich finde, die Gastronomie ist systemrelevant für die Seele und das Gemüt der Menschen. Viele sehnen sich danach, endlich wieder gemütlich ein Bier trinken oder in ihrem Lieblingsrestaurant mit Freunden essen gehen zu können.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat angesichts der Lockerungen von einem „Perspektivwechsel“ gesprochen. Bei einer Inzidenz unter 50 soll auch die Außengastronomie ab dem 22. März wieder öffnen können. Was halten Sie von den aktuellen Entscheidungen der Politik?

Ich finde es erst mal gut und richtig, dass man sich jetzt auf den Inzidenzwert 50 verständigt hat und nicht 35. Denn ich glaube, es ist utopisch, dass wir den in den nächsten Wochen erreichen. Wichtig ist, dass wir Zuversicht und Optimismus behalten, auch wenn es mitunter schwerfällt. Jedes einzelne Schicksal in dieser anhaltenden Ausnahmesituation ist hart. Wie wird sich die aktuelle Situation weiterentwickeln? Wie schnell wird sich die wirtschaftliche Lage nach der Krise erholen? Diese Fragen beschäftigen uns alle. Persönlich bin ich davon überzeugt, dass es das Beste ist, gemeinsam nach vorne zu blicken.

Wie wichtig ist die Solidarität der Gemeinschaft?

Die Solidarität der Kunden zu ihren lokalen Händlern oder Gastronomen ist ganz zentral. Ich finde es enorm wichtig, dass man an die Heimat und die Stadt denkt und dass man gerade jetzt bei den Händlern vor Ort kauft, anstatt auf den großen Plattformen. Da geht es darum, dass das Leben in der Stadt auch nach der Krise aufrechterhalten werden kann. Zugleich müssen wir uns den Herausforderungen der Digitalisierung stellen.

Wie wird sich Haltern am See durch Corona verändern?

Das ist schwierig zu beurteilen. Die Stadt wird sich aber verändern, das gilt vor allem für das Miteinander und die Solidargemeinschaft. Es bedarf eines Schulterschlusses, der emotional alles zum Positiven hin verändern kann. Ellenbogen sollten verschwinden, dafür muss Solidarität und Gemeinschaft in den Vordergrund rücken. Für unsere Innenstadt werden wir gute Konzepte brauchen. Wir müssen noch mehr Einkaufserlebnis schaffen, mit einem gewissen Unterhaltungswert, ähnlich wie ein Besuch im Freizeitpark.

Wie wichtig ist dafür auch ein gutes Stadtmarketing?

Das ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft unserer Stadt. Wir sollten bereit sein, veraltete Denkmuster abzulegen. Es ist Chance und Herausforderung zugleich, sich mit der Entwicklung unserer Stadt auseinanderzusetzen und an einer neuen Qualität zu arbeiten. Unser Spruch „Haltern am See tut gut“ hat sich als Slogan mittlerweile etabliert. In diesem Netzwerk haben wir mittlerweile über 50 Mitglieder, die mit Leidenschaft, Ehrgeiz und kreativen Ideen die Zukunft unserer Stadt mitgestalten wollen. Es ist für viele schon eine Art Lebenseinstellung geworden.

Ist aus ihrer Sicht denn auch genug Potenzial in Haltern vorhanden?

Absolut. Wir leben in einer wunderschönen Stadt, die so viel zu bieten hat. Das sollten wir noch intensiver nutzen. Dabei ist wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. Wir brauchen in allen Bereichen, von Politik bis Wirtschaft, eine klare Haltung und Kommunikation. Bürgermeister Andreas Stegemann sowie Bernd Bröker von der Stadtagentur stehen hinter uns. Das ist ein gutes Zeichen. Wir brauchen Menschen, die sich mit unserer Stadt identifizieren und vorangehen.

Wie könnten weitere Schritte in naher Zukunft aussehen?

Wir wollen die lokale Expertise nutzen. Marketingexperte Raphael Brinkert hat uns zuletzt schon tatkräftig unterstützt. Mit der Halterner Agentur Gute Botschafter wollen wir ein Leitbild erstellen, um wichtige Aspekte nachhaltig festzuhalten. Welche Besonderheiten zeichnen unsere Stadt aus? Für welche Werte stehen wir? Welches Image passt zu uns? Diese und weitere Fragen gilt es zu erörtern, um daraus eine passende Strategie und Kommunikation zu erarbeiten. Es ist eine große Herausforderung, aber noch mehr eine Chance, die wir in den kommenden Monaten mit einem Kompetenzteam in Angriff nehmen wollen. Am Ende gilt vor allem eins: Nur gemeinsam sind wir stark.

Über den Autor
Redaktion Haltern
1982 in Haltern geboren. Nach Stationen beim NRW-Lokalfunk, beim Regionalfernsehen und bei der BILD-Zeitung Westfalen 2010 das Studium im Bereich Journalismus & PR an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen erfolgreich beendet. Sportlich eher schwarz-gelb als blau-weiß orientiert. Waschechter Lokalpatriot und leidenschaftlicher Angler. Motto: Eine demokratische Öffentlichkeit braucht guten Journalismus.
Zur Autorenseite
Daniel Winkelkotte
Lesen Sie jetzt