Die Gruppe der Gegendemonstranten am 3. Januar war noch klein, die Aussage aber deutlich: „Impfen ist Nächstenliebe!“ © Jürgen Wolter
Montagsspaziergänger

Halterner wollen Flagge gegen „Spaziergänger“ zeigen, aber friedlich

Die Kaufleute knipsten den Montagsspaziergängern zuletzt das Licht aus, die Polizei zeigte eine starke Präsenz und schrieb Anzeigen. Nun ist für den 10. Januar eine Mahnwache angekündigt.

Am 3. Januar setzte Halterns Kaufmannschaft ein sichtbares Zeichen gegen die Montagsspaziergänger, die seit längerem am ersten Tag der Woche zwischen 18 und 19 Uhr mit kleinen Lichtern in der Hand durch die Rekumer Straße gehen. Es sind Impfgegner und Corona-Skeptiker, die so ihren Protest gegen die Corona-Politik zum Ausdruck bringen. Nun formiert sich neben der Kaufmannschaft weiterer Widerstand gegen die Montagsspaziergänger.

Halterner Bürgerinnen und Bürger organisieren für den 10. Januar eine Mahnwache auf dem Alten Markt. Diese ist bei der Polizei für die Zeit von 18 bis 19 Uhr angemeldet, wie das Präsidium in Recklinghausen bestätigt. „Es handelt sich um eine Mahnwache für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Corona-Pandemie, für Frieden und Freiheit bei größtmöglichem Schutz der eigenen Gesundheit und der Gesundheit der Mitmenschen sowie zugleich gegen die Aktionen der Spaziergänger“, schreibt Ralf Hanses in den sozialen Medien.

Parteipolitik bleibt bei der Aktion auf dem Alten Markt außen vor

Er wie weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter wollen Position beziehen, nachdem auch sie Postkarten der Impfgegner im Briefkasten hatten. Ralf Hanses war auch dabei, als sechs Halternerinnen und Halterner am 3. Januar mit einer kleinen spontanen, friedlichen Gegendemonstration ihren Unmut äußerten. „Wir organisieren ausdrücklich keine parteipolitische Mahnwache“, sagt Ralf Hanses im Gespräch mit der Halterner Zeitung zu dem, was nun geplant ist.

Eine frühere politisch aktive Halternerin bestätigt das, sie hat die Mahnwache bei der Polizei in Recklinghausen angemeldet. „Wir laufen nicht durch die Straßen. Denn wir wollen nicht mit den Impfgegnern verwechselt werden, wir wollen aber auch keine Konfrontation“, betont sie uns gegenüber. Sie selber findet die Spaziergänge zwar unerträglich, aber sie wird wie alle in friedlicher Mission inmitten der Halterner Innenstadt stehen.

Dankbar für die Demokratie: „Das wollen wir offen zeigen“

Ralf Hanses erklärt ausdrücklich: „Wir sind für die Schutzmaßnahmen und das Impfen, um uns selber und andere verantwortungsvoll zu schützen.“ Dafür müsse jeder zurzeit auf Freiheiten verzichten, um das höhere Gut der Gesundheit und des Menschenlebens zu schützen. „Wir sind der Auffassung, dass wir trotz der Einschränkungen in Demokratie und Freiheit leben können, während viele ‚Spaziergänger‘ diese als bedroht ansehen und sogar von einer Corona-Diktatur sprechen. Das sehen wir völlig anders!“, schreibt er in einem Facebook-Kommentar. Er sei sehr dankbar dafür, in der deutschen Demokratie mit ihren Freiheiten leben zu dürfen. „Das wollen wir am Montag offen zeigen!“

Zurückhalten dagegen wollen sich die Halterner Ratsfraktionen. In einer gemeinsamen Sitzung verständigte man sich darauf, nichts zu tun, um die Montagsspaziergänge nicht weiter aufzuwerten.

Die breite Mehrheit schaut eher passiv zu

Bei der Polizei wurden rund 50 Teilnehmer angemeldet. Man wisse natürlich nicht, wie viele Bürgerinnen und Bürger sich anschlössen, so die Antragstellerin. „Wir wollen auf jeden Fall keinen Krawall.“ Ralf Hanses glaubt nicht, dass die breite Mehrheit der Halterner die Ansichten der Spaziergänger teilt. Er glaubt eher, dass die breite Mehrheit gegen deren Meinungen sei, aber eher passiv zuschaue. Auf seine Veröffentlichungen in den sozialen Netzwerken habe er jedenfalls sehr viel Zuspruch erhalten.

Am 3. Januar postierte sich die Polizei mit mehreren Einsatzwagen in der Halterner Innenstadt. Die Polizei beurteilt die „Spaziergänge“ weiter als Versammlungen – mit allen Rechten und Pflichten, und deshalb müssten sie im Vorfeld angemeldet werden, so die Polizei. Gegen drei Personen erstattete sie Strafanzeigen, diese erwartet nun ein Strafverfahren wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Am Montag wird die Polizei wieder da sein und die Kaufmannschaft will ein weiteres Mal die Rekumer Straße verdunkeln.

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Elisabeth Schrief

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