Halternerin ist empört: DLRG „bettelt“ um ihren Nachlass

hzFür Rettungsschwimmer

Ursula Braun hat schon häufig gespendet, zuletzt - nach dem Motorenklau - für die DLRG. Jetzt bekam sie von dieser gemeinnützigen Organisation einen Brief, der sie ziemlich entrüstet.

Haltern

, 08.10.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ursula Braun hat Post von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft bekommen. Sie liest den Brief aus Bad Nenndorf und reißt ihn danach vor Aufregung in Stücke. Später klebt sie ihn wieder zusammen, damit sie ein Beweisstück hat für ein Vorgehen, das sie unverschämt findet.

Ursula Braun wird in dem Brief an ihre Endlichkeit erinnert und eingeladen, ihren Nachlass der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft zu überschreiben. „Gestalten Sie die Zukunft - mit Ihrem Nachlass“ wird die 84-Jährige aufgefordert. „Sorgen Sie mit Ihrem Nachlass dafür, dass die humanitäre Arbeit der DLRG dauerhaft Früchte trägt, unsere heimischen Gewässer ein ganzes Stück sicherer werden und unsere ehrenamtlichen Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer ihrer wichtigen Aufgabe auch in Zukunft ungeschmälert nachkommen können: Leben retten.“

Bestellcoupon, Kugelschreiber und Überweisungsträger

Als Hilfestellung liegt ein Bestellcoupon für den kostenlosen Erbschaftsratgeber „Spuren hinterlassen“ mit im Briefumschlag. Um den Coupon ausfüllen zu können, gibt es gratis einen Kugelschreiber dazu - und einen Zahlschein „für den Fall, dass Sie uns mit einer Sonderspende unterstützen möchten.“

In diesem Jahr hat die DLRG-Bundesgeschäftsstelle rund 100.000 solcher Briefe verschickt. „Es ist gar nicht unsere Absicht, die Empfänger zu verärgern“, betont Achim Wiese (Pressesprecher und Leiter der Abteilungen Fundraising und Verbandskommunikation) auf Nachfrage.

Es tue ihm leid, wenn die Halterner Seniorin sich bedrängt fühle. Sie gehöre damit zu den ganz wenigen, die sich über diese Post beschwere. Tausende seien zufrieden, weil der Erbschaftsratgeber ein kostenloser Ordner für alle wichtigen Fragen im Alter sei. „Im Übrigen weisen wir wie auch andere ähnliche Organisationen darauf hin, dass wir bei unserer Arbeit auf Spenden angewiesen sind“, sagt Achim Wiese.

„Ich spende seit Jahren, weil die Arbeit sinnvoll ist“

Die Briefe werden nicht an DLRG-Mitglieder verschickt. Die Adressen der Empfänger werden vielmehr angemietet. Deren Alter ist dabei nicht bekannt.

Ursula Braun wird der DLRG gar nichts mehr spenden. So sehr hat sie sich über diesen Werbebrief geärgert. Zuletzt hatte sie den Ortsverband Haltern bedacht, nachdem Motoren aus den Rettungsbooten gestohlen worden waren. „Ich habe diese Organisation immer gerne unterstützt, seit Jahren schon spende ich dafür, weil die Arbeit sinnvoll ist“, sagt Ursula Braun. Aber dieser Bettelbrief sei doch ziemlich unmenschlich, findet sie.

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Ursula Braun ist gesund, nimmt aktiv am öffentlichen Leben teil, hat Enkel und Urenkel, geht zu Fortbildungen, arbeitet ehrenamtlich und unterstützt Organisationen, die Menschen helfen. „Der Brief hört sich für mich jetzt so an: „Denk daran, bald kannst du sterben. Gib deinen Nachlass uns. Du hinterlässt dann Spuren.“ Es gehöre sich einfach nicht, einen solchen Brief an alte Menschen zu verschicken, findet Ursula Braun.

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