Halterns Bürgermeister Bodo Klimpel: „Wir müssen unseren Alltag radikal ändern!“

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Der Bürgermeister ist wieder zum Krisenmanager geworden. Bodo Klimpel appelliert an die Halterner: „Jetzt ist nicht die Zeit für Egoismus, jetzt ist Zeit für Gemeinsinn und Zusammenhalt.“

Haltern

, 18.03.2020, 11:14 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Interview mit der Halterner Zeitung bewertet Bürgermeister Bodo Klimpel die aktuelle Krise, beschreibt das Arbeitspensum in der Stadtverwaltung und sagt, was ihm zurzeit besonders wichtig ist.

Der Coronavirus ist die wohl größte Herausforderung seit vielen Jahrzehnten und betrifft mittlerweile nahezu alle Bereiche unseres Lebens. Was bestimmt zurzeit mehr Ihren Alltag als Bürgermeister – das Krisenmanagement oder die Steuerung der Verwaltungsarbeit?

Beide Aufgaben sind fast gleichgewichtig. Natürlich bin ich zusammen mit meinem Team gerade insbesondere damit beschäftigt, Erlasse der Landesregierung in für Haltern gültige Allgemeinverfügungen umzuarbeiten. Einen großen Teil der Arbeit macht auch der Kontakt zu Kindergärten und Schulen und zu all jenen Fachbereichen innerhalb der Verwaltung aus, die sich den extremen Herausforderungen stellen, den Virus zu bekämpfen. Dazu gehört das Besorgen von Desinfektionsmitteln oder von Schutzkleidung beispielsweise. Außerdem fahre ich zweimal wöchentlich ins Kreishaus, um mit dem Landrat und den Bürgermeistern des Kreises über das weitere Vorgehen zu beraten. Diese Zusammenarbeit klappt sehr gut, wir kommen sehr schnell zu Entscheidungen.

Wo sehen Sie aktuell die größte Herausforderung, um die Halterner zu schützen?

Die größte Herausforderung für uns alle ist, Ruhe zu bewahren und den Experten zu vertrauen, die uns gute Ratschläge geben. Es ist wichtig, deren Empfehlungen zu folgen: Im öffentlichen Raum auf Abstand zu gehen und möglichst zu Hause zu bleiben. Um das Virus zu bekämpfen, müssen wir unseren Alltag gerade radikal ändern und Kontakte auf ein Minimum reduzieren. Es geht darum, Leben zu retten. Jetzt ist nicht die Zeit für Egoismus, sondern Zeit für Gemeinsamkeit und Zusammenhalt. Die Geschichte zeigt, dass am Ende nicht der Einzelgänger überlebt, sondern die Gemeinschaft, deren Mitglieder sich helfen. Die Halterner haben ja schon einmal bewiesen, dass sie in der Krise als solidarische Stadtgesellschaft gut funktionieren.

Welche Regeln haben Sie im Rathaus ausgegeben?

Es gibt selbstverständlich auch einen Pandemieplan für das Rathaus. Wo es möglich ist, machen die Mitarbeiter Homeoffice. Ansonsten sind alle angehalten, die Hygiene-Vorschriften zu beachten, am besten in getrennten Büros zu arbeiten und Kontakte nur über Telefon oder per E-Mail zu organisieren. Am Montag habe ich zum ersten Mal in meiner Amtszeit eine telefonische Bürgermeister-Sprechstunde abgehalten. Neunmal wurde ich angerufen, davon dreimal wegen Corona, ansonsten wegen ganz normaler Alltagsprobleme.

Werden Ihre Mitarbeiter überhaupt noch nach Plan arbeiten können oder sind sie vielmehr von Corona und die damit verbundene Organisation des öffentlichen Lebens vereinnahmt?

Ordnungsamt, Feuerwehr, Bürgermeister-Büro und Baubetriebshof sind in erster Linie mit der Corona-Problematik beschäftigt. Die übrigen Mitarbeiter erledigen ihre originären Aufgaben. Noch haben wir keine Infizierten. Lediglich zwei Mitarbeiter sind nach ihren Ski-Urlauben in selbst gewählte Quarantäne gegangen.

Werden Ausschuss-Sitzungen nun auf unbestimmte Zeit verschoben?

Am Dienstag kam die Empfehlung von Regierungspräsidentin Dorothee Feller, bis Ostern auf alle Sitzungen zu verzichten. Unsere nächste Sitzung wäre erst am 25. Mai. Wir warten ab. Ansonsten müssen die Städte mit Dringlichkeitsentscheidungen arbeiten. Dann wird ein Thema mit den Fraktionsvorsitzenden diskutiert, der Bürgermeister bereitet den Entscheid vor und legt ihn den Fraktionschefs zur Abstimmung vor. Die nächst folgende Ratssitzung muss dann noch einmal das Votum bestätigen. Es handelt sich um ein Notinstrument, aber die Arbeit darf eben nicht stillstehen.


Sie sind jetzt von vielen öffentlichen Terminen entlastet. Eine Vollbremsung - ist Ihr Terminkalender jetzt leer?

Die Repräsentationstermine fallen weg, Corona füllt die Lücke aber auf. Auch privat habe ich alle Treffen abgesagt. Was ich mir jeden Tag gönne, ist das Walken durch Uphusen, um mich auszupowern und den Kopf frei zu kriegen.

Sie sind seit einiger Zeit als Landrats-Kandidat im Kreis unterwegs. Glauben Sie, dass die Wahlen im September überhaupt stattfinden können?

Ich glaube, an Wahlkampf denkt gerade niemand. Alle machen sich aktuell große Sorgen um ihre Gesundheit, da ist für dieses Thema kein Platz.

Vor wem haben Sie gerade die größte Achtung?

Ärzte, Pfleger, Beschäftigte im Rettungsdienst und alle anderen, die sich im Gesundheitssystem für uns einsetzen, haben unsere volle Unterstützung verdient. Ihnen müssen wir den Rücken freihalten. Das gilt auch für die Lehrer und das Betreuungspersonal in den Kindergärten. Ich bedanke mich ebenso für das solidarische Handeln der neuen Nachbarschaftsnetzwerke. Stehende Ovationen für sie - wie in Spanien geschehen - ist eine schöne Geste, um Danke zu sagen.

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