Halterns Einzelhändler gehen wegen der Schließungen durch eine schwere Zeit

hzCoronavirus: Markt erlaubt?

Die Innenstadt ist gespenstisch leer. Nur wenige Kaufleute dürfen ihre Geschäfte öffnen, unter anderem die Friseure. „Das kann sich aber von Stunde zu Stunde ändern“, sagt Andreas Althoff.

Haltern

, 19.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um das Coronavirus einzudämmen, dürfen aktuell nur für den Alltag wichtige Einrichtungen geöffnet haben. Dazu zählen trotz des engen Kundenkontakts auch Friseure. Es kommen tatsächlich Kunden ins Friseurstudio von Friseurmeister Andreas Althoff am Gantepoth. Jeder muss, sobald er den Laden betritt, seine Hände desinfizieren. „Ich weiß sehr wohl, wie ich mich zu meinem und zum Schutz der Kunden verhalten muss“, sagt Andreas Althoff. Er rechnet allerdings damit, dass auch für die Friseure bald Schluss ist. Letztlich komme es auf die Solidarität jedes Einzelnen an, findet er. Wohlwissend, dass das Überleben in seiner Branche schwierig wird.

Halterner kritisierten in den sozialen Medien die Regelung für die Friseure. Doch die Stadt handelt, so die Auskunft aus dem Presseamt, nach Erlasslage. Andreas Althoff weiß: Die kann sich von Stunde zu Stunde ändern.

Kunden dürfen sich nur in abgeklebten Bereichen bewegen

Geöffnet hat auch Orthopädie-Schuhtechnik Winkels an der Lippstraße. Das ist möglich, weil Winkels als Anbieter von medizinischen Hilfsmitteln zum Bereich Gesundheitswesen gehört. Nur Schuhe dürfen nicht verkauft werden. Diese Sonderlösung geht mit strengen Regeln einher. Kunden müssen Mindestabstände einhalten und dürfen sich nur einzeln in abgeklebten Bereichen bewegen. Bei grippeähnlichen Symptomen dürfen sie lediglich telefonisch oder per Mail Kontakt aufnehmen.

Auch die Podologie im Schuhhaus Schämann an der Weseler Straße ist geöffnet. Da dieser Bereich zum Gesundheitsbereich zähle. Das Schuhgeschäft ist aber geschlossen.

Zu denjenigen Kaufleuten, die ganz schließen müssen, gehört Meisterflorist Ludger Stegemann von der Rekumer Straße. „Für den Einzelhandel beginnt eine schwere Zeit“, sagt er gegenüber der Halterner Zeitung. „Die Angst, die Existenz zu verlieren, ist bei vielen da und die nimmt uns auch keiner.“ Ludger Stegemann könnte einen SB-Stand vor die Türe stellen, aber das will er nicht. Ihm sei die Solidarität ebenso wichtig wie die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften. Gesundheit gehe vor. Zurzeit arbeitet er Aufträge für Trauergestecke ab, er wird auch die Grabgestecke anfertigen, die Mitschüler der am 24. März 2015 beim Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Gymnasiasten wieder auf die Gräber legen. Aber Laufkundschaft darf nicht ins Geschäft.

Warum darf der Wochenmarkt stattfinden?

Was Ludger Stegemann so gar nicht verstehen kann, ist, dass trotz allem dienstags und freitags noch der Wochenmarkt stattfinden darf. Für die Versorgung der Halterner sei er nicht überlebenswichtig, vielmehr stelle er durch die Menschenansammlung eher eine Gefahr dar. Dazu beruft sich die Stadt ebenfalls auf den Erlass der Landesregierung.

In fast allen Läden hängen Aushänge, die auf die Schließung aufmerksam machen.

In fast allen Läden hängen Aushänge, die auf die Schließung aufmerksam machen. © Benjamin Glöckner

„Die Zukunft ist kaum noch planbar“, sagte Peter Heckmann in einer Video-Botschaft an seine Kunden. Er hat gerade im Rahmen eines Umbaus hohe Summen in sein Modegeschäft investiert, jetzt schließt auch er bis auf Weiteres. Er sei dankbar, dass sein Team bereit sei, mit ihm durch die kommende schwere Zeit zu gehen. Es sei ein tolles Gefühl, diesen Rückhalt zu spüren. Peter Heckmann verabschiedet sich in den Zwangsurlaub mit einem Appell: Möge die Welt, wenn sie zu neuem Leben erwacht, wieder stärker von Respekt geprägt sein und mögen die Menschen lernen, dass nur das „Wir“ gewinnt.

„Bleiben Sie optimistisch und Haltern treu“

Marlies und Günter van Buer teilen wie alle die Einschätzung der Ämter, dass eine Verbreitung des Virus unbedingt eingedämmt werden muss. Die Schließung trifft auch sie hart, es ist so viel neue Ware ins Haus gekommen, die sie jetzt nicht wie bewährt anbieten können. Das Unternehmer-Paar geht mit einem Wunsch in die auferlegte Pause: „Bleiben Sie gesund, gelassen, optimistisch und bleiben Sie den Geschäften in Haltern treu!“

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