Halterns Elf des Herzens - Fußballer, die in der Krise wichtig sind

hzCoronavirus und Fußball

Sie verdienen keine Millionen und sind nicht täglich in den Medien: Die Fußball-Amateure dürfen nicht einmal in ihren Ligen kicken. Dennoch sind sie wichtiger denn je, oder was meint Ihr?

Haltern

, 10.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

In der Bundesliga rollt nach dem Lockdown wegen des Coronavirus wieder der Ball. Das hat für viele Diskussionen und für Aufmerksamkeit in den Medien gesorgt. Wir haben uns gefragt, welche Fußballer uns jetzt am nächsten stehen und sind zu der Antwort gelangt, dass es jene sind, die noch immer nicht wieder in ihren Ligen kicken dürfen.

Unser Herz schlägt gerade in der Krise für die Amateure, die fußballerisch weiterhin den Gang herausgenommen haben, die aber in ihren Berufen dafür sorgen, dass der Laden in unserem Land, auch in Haltern, läuft - und das tun sie unaufgeregt, diszipliniert und ohne großes Medienecho.

Einfach nur den Job gemacht

Wir stellen eine Auswahl von Spielern und Trainern vor, die in Halterner Vereinen aktiv sind und haben bei ihnen nachgefragt, ob die Corona-Pandemie ihren Arbeitsalltag verändert hat. Dabei darf der Frauen-Fußball nicht fehlen, obwohl sich echtes Profitum in der weiblichen Bundesliga noch nicht grundsätzlich durchgesetzt hat.

„Ich habe doch einfach nur meinen Job gemacht“, haben Spieler zurückhaltend auf unsere Anfrage für dieses Projekt reagiert. Genau darum geht es uns. Hier ist unsere „Elf des Herzens“. Sie steht stellvertretend für alle da draußen, die „einfach ihren Job gemacht haben“, obwohl sich unser Leben in der ersten Phase der Corona-Pandemie in wesentlichen Bereichen geändert hat.

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Halterns Elf des Herzens

In den Ligen der Fußball-Amateure ruht der Ball, deshalb wird über sie gerade wenig berichtet, auch nicht in Haltern. Dennoch haben sie unsere Anerkennung verdient, denn in ihren Berufen machen sie auch in der Krise einfach nur ihren Job und halten so unser Zusammenleben aufrecht. Hier ist Halterns Elf des Herzens mit Trainern: (Auch der SV Lippramsdorf wurde angefragt.)
10.06.2020
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Jörn Hümmer (24) steht beim ETuS Haltern als Linksaußen auf dem Platz.© privat
Als Mitglied einer Einsatzhundertschaft gehört es unter anderem zu den Aufgaben des Polizeibeamten Jörn Hümmer, Fußballspiele oder Demonstrationen abzusichern. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie fanden diese besonderen Versammlungslagen nicht mehr statt. "Für uns wurde es ein bisschen ruhiger", sagt der 24-Jährige. Dafür sorgte er jüngst mit seinen Kollegen, darunter Mats Linden vom TuS Sythen, dafür, dass Kundgebungen von Gegnern der Corona-Politik geordnet verlaufen. Das Pressefoto mit Jörn Hümmer (r.) entstand auf einer Demo in Dortmund.© Oliver Schaper
Luca Krause (30) spielt bei der SuS Concordia Flaesheim im zentralen defensiven Mittelfeld.© privat
Als Physiotherapeut hat er täglich mit Menschen zu tun. Die Umsetzung der Hygienevorschriften wegen der Coronakrise hat seinen Arbeitsalltag verändert. Zu Beginn war das Arbeitsvolumen deutlich reduziert, denn die Patienten waren verunsichert und sagten ihre Termine ab, oder sie wurden in den Krankenhäuser nicht mehr operiert, sodass die Nachsorge ausfiel.© privat
Thomas Fritzsche (27) spielt bei SuS Concordia Flaesheim im zentralen Mittelfeld und ist Kapitän seiner Mannschaft.© privat
Für den Bankkaufmann Thomas Fritzsche gehört jetzt nicht nur der Anzug zum normalen Arbeitsdress, sondern auch der Mundschutz. Sein Unternehmen in Marl wurde außerdem mit Plexiglascheiben ausgestattet, um die Kunden und Mitarbeiter vor dem Coronavirus zu schützen. In der Krise seien die Kunden mit vielen Fragen in die Bank gekommen, die auch von Verunsicherung geprägt waren. Positiv hat Thomas Fritzsche erlebt, dass die Kunden wegen des Lockdowns mehr Zeit dafür hatten, sich mit ihren Finanzen zu befassen.© privat
Mac Ninnemann (29) steht beim SV Bossendorf als Stürmer auf dem Platz.© privat
Als Sachbarbeiter bei einer Krankenkasse arbeitete Mac Ninnemann nicht im Homeoffice, wie viele andere Angestellte, sondern im Büro im Fachzentrum für Krankengeld in Münster. Sein Arbeitgeber führte aber einen Schichtdienst ein, damit die notwendigen Abstandsregeln eingehalten werden können. Viele Versicherte seien verunsichert gewesen und hätten sich gefragt, ob sie ihren Arzt wegen einer Erkrankung aufsuchen sollten oder nicht, so Mac Ninnemann. © privat
Arne Feldmann (32) ist Stürmer beim SV Bossendorf .
Als Referendar am Hans-Böckler-Berufskolleg musste Arne Feldmann seinen Arbeitsalltag wegen der Corona-Pandemie komplett umstellen. Das Unterrichten ist sein Herzensding. Er hat BWL studiert und arbeitete im Sales-Management, bevor er sich für seine eigentliche Berufung entschied. Seine Schüler erreicht er gerade über eine spezielle Digitalplattform. "Man muss kreativ sein", sagt er.
Klaus Tykwer (48) ist Trainer der integrativen Mannschaft beim TuS Haltern.© privat
Als Sozial-Pädagoge arbeitet Klaus Tykwer in einer Wohngruppe für Kinder in Haltern. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die Schichten verlängert, die die Mitarbeiter mit ihren Schützlingen verbringen. Noch mehr als zuvor war Klaus Tykwer für die Kinder eine wichtige Bezugsperson, denn Besuche bei den Eltern, der Unterricht an den Schulen oder ihre Treffen mit Freunden fielen aus.© privat
René Kownatka (52) ist Trainer der B-Jugend und der zweiten Mannschaft bei DJK Blau-Weiß Lavesum.© privat
Für den Bundesbeamten René Kownatka hat sich durch den Ausbruch der Corona-Pandemie nicht viel verändert. Schon vorher hat er sich mit seiner Frau die Arbeitszeiten so eingerichtet, dass die Betreuung der Kinder (11 und 16 Jahre alt) gesichert war. Dieser Schichtdienst kam auch den Anforderungen seines Arbeitgebers unter Corona-Bedingungen entgegen. Nur die Desinfektionsmittel, die jetzt zum Arbeitsumfeld gehören, sind neu.© privat
Philipp Berten (28) hält als Torwart beim TuS Sythen seinen Kasten sauber.© privat
Wenn Elektriker Philipp Berten auf eine Baustelle fährt, ist gute Planung noch wichtiger als früher. Wegen der Corona-Pandemie sollten nicht mehr als zwei Gewerke gleichzeitig aufeinandertreffen. Zurzeit lassen sich viele Kunden ihren Garten verkabeln. Wer nicht verreisen kann oder will, der möchte es zu Hause schön und bequem haben.© privat
Mats Linden (24) ist Stürmer beim TuS Sythen.© privat
Mats Linden ist wie Jörn Hümmer Mitglied einer Einsatzhundertschaft, die für Sicherheit sorgt, wenn viele Menschen, manchmal auch unterschiedliche Gruppen, aufeinandertreffen. Auf dem Pressefoto ist er bei der Demo von Gegnern der Corona-Politik in Dortmund zu sehen. In der Unterkunft der Hundertschaft hat sich der Alltag genauso verändert wie bei allen von uns: Auf Abstand bleiben, kein Händeschütteln mehr und bei Bedarf einen Mundschutz tragen.© Oliver Schaper
Mike Bafs (40) spielt bei den alten Herren des SV Hullern und engagiert sich als Abteilungsleiter Fußball für seinen Verein.© privat
Für Mike Bafs, der als Bundesbeamter beim Zoll beschäftigt ist, ist die Corona-Pandemie mit den besonderen Herausforderungen für junge Familien mit Kindern verbunden. Vier Tage in der Woche arbeitet er im Homeoffice. An einem Tag fährt er ins Büro, dann hat seine Frau frei, die als Krankenschwester arbeitet.© privat
Florian Horstick (31) steht beim SV Hullern im Tor.© privat
Auch für den Beamten Florian Horstick, der das Veterinäramt in Gelsenkirchen leitet, hat sich der Arbeitsalltag seit Ausbruch des Coronavirus verändert. Unter anderem wurde ein Schichtsystem eingeführt, um die Mitarbeiter vor zu vielen Kontakten zu schützen. Der Publikumsverkehr wurde komplett eingestellt. Das operative Geschäft wurde aber trotz der Einschränkungen aufgrund der erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen aufrechthalten.© privat
Nadine Fimpler (22) spielt in der ersten Frauenmannschaft der SuS Concordia Flaesheim als Innenverteidigerin.© privat
Als Chemikantin kümmert sich Nadine Fimpler für das Unternehmen Evonik Industries im Chemiepark Marl darum, dass in einer Anlage Alkylchlorid hergestellt wird. Mit Kollegen ist sie dafür zuständig, diese über ein Leitsystem zu fahren und zu überwachen. Hygiene wie zum Beispiel das Tragen von Handschuhen spielte dort auch schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie eine Rolle. Nun ist sie noch wichtiger geworden, dazu gehört auch das Desinfizieren aller Oberflächen am Arbeitsplatz. Ein neues Schichtsystem musste nicht eingeführt werden, die Anlage wird ohnehin in 12-Stunden-Schichten gefahren. "Bei der Übergabe soll es nun aber so wenig Kontakt wie möglich geben", so Nadine Fimpler. Positiv in der Krise ist die Neuerung, dass die Kantine des Chemieparks das Essen kostenlos an die Mitarbeiter abgibt. Der gemeinsame Essbereich ist allerdings geschlossen. Die Mitarbeiter müssen sich ihre Mahlzeiten abholen.© privat
Lou Phlipsen (20) geht als Stürmerin für die erste Damenmannschaft der SuS Concordia Flaesheim auf Torejagd.© privat
Die 20-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester in der Vestischen Kinderklinik Datteln. Wie in allen deutschen Krankenhäusern war hier die Vorbereitung auf die Corona-Pandemie sehr intensiv zu spüren. Binnen sehr kurzer Zeit wurden überall Kapazitäten ausgebaut sowie Betten freigehalten und Operationen verschoben. Lou Phlipsen leistete Unterstützung im Erwachsenenbereich des Klinikstandorts. Besonders ungewohnt sei die Security vor dem Eingang gewesen, um das Besuchsverbot zu überwachen. Das Tragen eines Mundschutzes sei dagegen nicht neu gewesen - auch wenn dieser nun durchgängig zur Ausstattung gehört.© privat

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