Ungenutzt liegen Arbeitsgeräte in einem Friseursalon in Köln-Ehrenfeld: Björn Barthold, Obermeister der Friseur-Innung Unna, rechnet vor der Wiedereröffnung der Salons am 1. März mit Änderungen am Entwurf für die entsprechende Verordnung. © picture alliance/dpa
Öffnung zum 1. März

Halterns Friseursalons können sich vor Terminanfragen kaum retten

Der Friseurbesuch sei wichtig für die Hygiene, so begründet Bundeskanzlerin Angela Merkel die Öffnung der Friseursalons ab 1. März. Die Friseure in Haltern atmen auf.

Während alle anderen Gewerbetreibenden im Lockdown bleiben müssen, dürfen die Friseursalons ab 1. März nach gut zwölf Wochen Zwangspause wieder öffnen. Friseurmeisterin Dagmar Hanewinkel kam am Donnerstag nicht dazu, das Telefon aus der Hand zu legen.

In zweieinhalb Stunden nahm sie geschätzt 150 Anrufe entgegen. Immer ging es darum, einen Termin zu ergattern. „Das ist verrückt, aber insgesamt schön. Ich freue mich, dass wir wieder starten können“, sagt Dagmar Hanewinkel. Dass lange eine Perspektive fehlte und existentielle Sorgen drückten, habe sie ziemlich mürbe gemacht. Mehr noch als im ersten Lockdown. Belastend und enttäuschend zugleich sei, dass keine Coronahilfen gezahlt worden seien.

Dagmar Hanewinkel
Dagmar Hanewinkel © Foto Elisabeth Schrief © Foto Elisabeth Schrief

Neustart bei den Friseuren ist an einem Montag, einem Tag, an dem der Salon Hanewinkel an der Koeppstraße eigentlich geschlossen hat. Die Friseurmeisterin hat sich aber für diesen Tag etwas Besonderes ausgedacht: Sie öffnet allein für die Kunden über 70. Ältere müssten besonders geschützt werden, findet sie.

„Wir brauchen Umsatz, um unsere Existenz zu sichern“

Überrannt mit Terminwünschen wurde auch Mike Prinzen, der mit Jörg Schirmer den Salon Schirmer an der Gildenstraße führt. Seit 7.15 Uhr sitze er am Telefon, schildert er um 11 Uhr gegenüber der Halterner Zeitung seine Lage. Er habe nicht einmal frühstücken können. Das mache aber nichts, denn Mike Prinzen ist froh, dass die Friseure wieder arbeiten dürfen.

„Wir brauchen die Umsätze für unsere Existenz“, spricht er allen Friseuren aus der Seele. Natürlich seien die verloren gegangenen Umsätze nicht wieder aufzuholen. Und trotzdem: Er hoffe, dass ab 1. März in voller Besetzung gewaschen, geschnitten und geföhnt werden könne. Denn von den Kunden weiß er, wie sich alle freuen, wieder schön gestylt zu werden. „Wenn ich an die Köpfe denke, glaube ich, erwartet uns eine Menge Arbeit“, schmunzelt Mike Prinzen.

„So etwas habe ich seit 1967 nicht erlebt“

Der Salon Peters an der Mühlenstraße arbeitet ohne Termin, gleichwohl riefen auch dort schon viele Kunden an. In diesem Salon gilt: Es werden am Eingang Nummern zur Festlegung der Reihenfolge vergeben. Auch Renate Peters ist froh, dass die Profis wieder ran dürfen.

Jörg Schirmer und Mike Prinzen (hier ein Bild aus dem Archiv) dürfen ihren Salon am 1. März wieder öffnen.
Jörg Schirmer und Mike Prinzen (hier ein Bild aus dem Archiv) dürfen ihren Salon am 1. März wieder öffnen. © Jürgen Wolter © Jürgen Wolter

Seit 1967 ist sie selbstständig, mittlerweile ist ihre Tochter mit im Geschäft. So eine Krise, dass sie schließen und ihre Mitarbeiter nach Hause schicken musste wie jetzt, habe sie in all den Jahren noch nie erlebt. „Ich bin heilfroh, dass wir nun weiterarbeiten dürfen“, erklärt sie. Natürlich wie zuvor unter strengen Hygieneregeln und Begrenzung der Arbeitsplätze – wie in allen Friseurgeschäften. Hat der Salon Peters gewöhnlich elf Bedienplätze, sind es jetzt nur sechs.

Die letzten Wochen hat Renate Peters als ziemlich schlimm erlebt. Zwar ist das Geschäft Eigentum, aber natürlich liefen auch bei ihr die Nebenkosten weiter. Gefühlsmäßig besonders bedrückend empfand sie, „dass es im Salon immer dunkel war.“

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Elisabeth Schrief

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