Dem Leiter des Forsthofes Haard Kersten Blaschczok bereitet der Besucheransturm in den Wäldern Sorge. © Bludau
Besucheransturm

Halterns Wälder müssen mit großem Besucheransturm fertig werden

Scharen von Besuchern entdecken die Wälder neu. In Coronazeiten ist der Waldspaziergang eine der letzten Freizeitmöglichkeiten geworden - mit Folgen.

Spaziergänger, Wanderer und Freizeitsportler wie Mountain-Biker entdecken zurzeit die Wälder der Haard und der Hohen Mark neu. Laut Regionalverband Ruhr, dem größten kommunalen Waldbesitzer in NRW, hat sich die Zahl der Waldtouristen an Wochentagen gegenüber Vor-Lock-Lockdown-Zeiten verdoppelt. An Wochenenden sei sie sogar vier Mal so hoch.

Diese Zahlen bestätigt auch Kersten Blaschczok, der Leiter des RVR-Forsthofes Haard in Haltern, nach eigener Einschätzung. „Die Zahl der Ausflügler ist exponentiell gestiegen“, sagt er. Seine Fahrten in den Wald von Flaesheim aus mit dem Forstfahrzeug seien an Wochenenden fast zum Spießroutenlaufen geworden, berichtet er. „Es war so voll wie sonst, wenn der Holzkohlenmeiler angezündet wird.“

Probleme mit einigen Moutainbikern

Problematisch gestiegen sei auch die Zahl der Moutainbike-Fahrer. „Ein Teil von ihnen verlässt oft die Wege und fährt querfeldein durch den Waldbestand“, sagt Blaschczok. „Damit richten diese Fahrer große Schäden in der Flora der Haard an. Zum Teil werden dort sogar Hindernisse errichtet und befestigt, als Sprungschanzen für die Fahrer.“

Mit dem Anlegen vom Moutainbike-Strecken in der Haard habe der RVR versucht, diese Fahrten in geregelte Bahnen zu lenken, um sensible ökologische Bereiche zu schonen. „Aus heutiger Sicht muss ich leider feststellen, dass wir mit diesem Vorhaben gescheitert sind“, so Kersten Blaschczok.

Die große Zahl der Waldbesucher treibe außerdem das Wild immer tiefer in seine Rückzugsräume zurück. „Ein Jagdpächter hat bereits seine Jagd gekündigt, weil das Wild immer stärker nachtaktiv wird“, sagt Kersten Blaschczok. „Durch die vielen Waldbesucher kommt es immer wieder zu Störungen.“

Das Wild muss sich wegen der vielen Waldbesucher immer mehr zurückziehen
Das Wild muss sich wegen der vielen Waldbesucher immer mehr zurückziehen © picture alliance / dpa © picture alliance / dpa

Dieses Problem hat auch Reinhold Bergjürgen, Vorsitzender des Hegerings Haltern, zunehmend festgestellt. „Das Wild wird immer weiter zurückgetrieben, traut sich nicht aus seinen Einständen bzw. verlässt sie erst nachts, um in offeneren Bereichen nach Futter zu suchen. Das bedeutet Dauerstress.“

Auch Mountainbikefahrer, die die Wege verlassen, würden beim Schalenwild ständige Fluchtreflexe auslösen und die Tiere stressen.

Appell an die Waldbesucher

RVR-Förster Kersten Blaschczok hat Verständnis für das Bedürfnis der Menschen, während des langen Lockdowns den Wald als eine der wenigen Freizeitmöglichkeiten zu nutzen. „Viele verlegen ja jetzt auch private Treffen aus der Wohnung und treffen sich lieber an der frischen Luft“, sagt er. Blaschczok appelliert aber eindringlich an die Waldbesucher, die Natur zu schonen und die Wege nicht zu verlassen. Dem schließt sich Reinhold Bergjürgen an. „Man sollte sich außerdem nicht in der Dunkelheit mit Stirnleuchtgen im Wald bewegen.“ Dann traue sich das Wild ebenfalls nicht, auf Futtersuche zu gehen. „Lasst der Natur wenigstens nachts ihre Ruhe!“, sagt Bergjürgen.

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Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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