Haustür in Flammen: Halterner Angeklagter gibt Brandstiftung an Recklinghäuser Straße zu

hzLandgericht Essen

In einem Haus in Haltern brennen plötzlich Tür und Hausflur. Die über 80-jährigen Bewohner müssen per Drehleiter gerettet werden. Jetzt steht der Brandstifter vor Gericht – und gesteht.

Haltern/Essen

, 14.05.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es müssen dramatische Szenen gewesen sein: Vor rund sechs Monaten ist in einem Zweifamilienhaus an der Recklinghäuser Straße in Haltern Feuer gelegt worden. Der Täter war ein junger Mann aus der Nachbarschaft. Seit Montag steht er in Essen vor Gericht.

Der Angeklagte hatte in dem Haus seinen vermeintlichen Nebenbuhler vermutet, den Ex-Freund seiner Partnerin. Tatsächlich wohnte dort nur dessen Oma. „Ich wollte ihn nur erschrecken“, sagte der 24-Jährige den Richtern. „Ich hatte nicht vorgehabt, dass da richtig was passiert.“ Er habe auch nicht gewollt, dass überhaupt Feuer ausbricht.

Doch genau das ist passiert. Erst brannte nur die Fußmatte, dann die Haustür, danach zog dichter Rauch durch den Hausflur. Dass die Bewohner überlebt haben, ist nur den Rauchmeldern zu verdanken.

"Im Hausflur war alles schwarz"

Der im ersten Obergeschoss lebende Vater der Eigentümerin und dessen Lebensgefährtin hatten keine Chance mehr, das Haus zu verlassen. „Ich habe die Wohnungstür aufgemacht – im Hausflur war alles schwarz“, sagte der 87-Jährige den Richtern.

Die Feuerwehr hatte die Rentner mit einer Drehleiter retten müssen. Genau 158 Tage hatten sie anschließend in einer Ausweichwohnung leben müssen – bis vor rund drei Wochen. Der Schaden am Haus beläuft sich nach Berechnungen der Versicherung auf rund 100.000 Euro.

Der Angeklagte war nach einer Familienfeier mit viel Alkohol noch einmal nach draußen gegangen. Er hatte mit seiner Freundin gestritten. Es war circa halb zwei, als er schließlich vor dem Haus an der Recklinghäuser Straße 12 stand. In der einen Hand hielt er eine Flasche mit Brandbeschleuniger, die er in einer Seitenstraße „durch Zufall gefunden“ haben will. In der anderen hatte er einen Teleskopschlagstock.

Angeklagter will geklingelt und geklopft haben

Nach eigenen Angaben wollte er eigentlich nur mit seinem Nebenbuhler reden. Deshalb habe er auch überall geklingelt, erst dann die Fußmatte angezündet und eine Scheibe eingeschlagen.

Auf die Klingelschilder hatte er nach eigenen Angaben gar nicht geguckt. Und er habe sich auch gar keine Gedanken darüber gemacht, wer sich überhaupt in dem Haus aufhalten könnte.

Was genau passiert ist, hatte die Polizei später mit Hilfe der Aufzeichnungen einer Überwachungskamera rekonstruieren können. Darauf war ein junger Mann zu sehen – mit auffälliger Jogginghose und Tätowierungen. Eine junge Frau soll den Fahndern schließlich den entscheidenden Hinweis gegeben haben.

Trotz einer sofort angelaufenen Fahndung hatte der 24-Jährige erst rund drei Wochen später festgenommen werden können. Er wohnte nicht weit entfernt, zusammen mit seiner schwangeren Freundin. Inzwischen ist er Vater geworden. Seine Tochter wurde im April geboren, während er in U-Haft saß.

Zwei Jahre zur Erziehung nach Russland

Der Angeklagte stand schon mehrfach vor Gericht. Seine Vorstrafen lauten auf Diebstahl, illegaler Waffenbesitz, Drogen und mehr. Der 24-Jährige ist bei Pflegeeltern groß geworden, war von dort aber erst in die Psychiatrie und dann in ein Heim geschickt worden. Weil er aber wohl auch dort nicht zu händeln war, schickte ihn das Jugendamt schließlich für zwei Jahre nach Russland. Dort war er in einer jugendpädagogischen Sondermaßnahme. Nach seiner Rückkehr ließ er sich erst in Düsseldorf und dann in Haltern nieder. Der 24-Jährige ist Vater von zwei Kindern.

Die Anklage lautet auf Mordversuch, Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung. Den vorbestraften Angeklagten erwarten mehrere Jahre Haft.

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