Heimatforscher arbeitet an Buch zu den Ortsteilen in der Nazizeit

Heimatforschung

Die Halterner Ortsteile unter dem Naziregime beschäftigen Ortwin Bickhove-Swiderski in seinem neuen Buchprojekt. Der Autor aus Dülmen sucht weitere Quellen und Dokumente.

Haltern

von Antje Bücker

, 14.04.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ortwin Bickhove-Swiderski arbeitet an einem neuen Buch.

Ortwin Bickhove-Swiderski arbeitet an einem neuen Buch. © Antje Bücker

Anfang Februar stellte Ortwin Bickhove-Swiderski sein Buch „Die Anfänge der NS-Zeit in Haltern am See – und der Fall Bernard Gerwert aus Sythen“ in Haltern vor. Inzwischen gehen seine Forschungen weiter. Der Dülmener Autor hat bereits neue Quellen entdeckt und arbeitet an einem Folgeband.

In seinem neuen Buch, das sich mit den Halterner Ortsteilen während der Nazizeit beschäftigt, will der Autor auf die NS-Bürgermeister in den Bauerschaften eingehen, die Hitler-Jugend und ein Halterner Mitglied der Leibstandarte Adolf Hitler.

Im Staatsarchiv Münster stieß er auf Schriftstücke, in denen der damalige Halterner Bürgermeister Schenuit beflissen mitteilt, wer in der Seestadt verhaftet worden ist. In einem Schreiben vom 26. März 1934 berichtete dieser dem Landrat in Recklinghausen von der Verhaftung und Überführung der Bürger Josef Dreckmann sowie Karl und Alfred Breitenkamp am 13. März 1934 aufgrund „Staatsfeindlicher Umtriebe“ an die Gestapo Leitstelle nach Recklinghausen.

Bisher unbekannte Informationen im Staatsarchiv entdeckt

Festgenommen wegen „kommunistischer Umtriebe“ wurde auch der gebürtige Saarbrücker KPD-Funktionär und Redakteur Franz Reichrath, der zur damaligen Zeit an der Holtwicker Straße 67 wohnte. Nach seiner Entlassung aus dem KZ 1934 wurde er wegen Betrugs vom Strafsenat in Saarlouis zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Im Oktober 1935 sprach ihn eine Strafkammer in Saarbrücken der „Blutschande“ wegen des Kontaktes zu einer Jüdin schuldig und verhängte eine dreijährige Zuchthausstrafe.

„Das alles ist für die Halterner Heimatgeschichte völlig neu“, sagt Ortwin Bickhove-Swiderski, „in den bekannten Listen über Verfolgte taucht Franz Reichrath nicht auf“. In diesem Zusammenhang erklärt er, dass es in Haltern weder eine Liste der Nazi-Opfer noch eine über die NSDAP-Mitglieder gebe. „In Dülmen gibt es eine entsprechende Aufzählung von etwa 780 Parteimitgliedern.“ Der Autor widmet sich nun der Aufgabe, lokal zu ermitteln, warum der KPD-Redakteur in Haltern war. Für Hinweise aus der Bevölkerung, Zeitzeugnisse und Fotos wäre er sehr dankbar.

Autor würde sich über weitere Dokumente freuen

Wer zu Bickhove-Swiderskis zweitem Band Dokumente, Berichte, Fotos oder andere Materialien beisteuern möchte, kann sich per E-Mail an den Autor (auch vertraulich) wenden unter ortwin.swiderski@gmx.de.

Ortwin Bickhove-Swiderski wurde 1956 in Recklinghausen geboren. Er ist Mitglied der VVN - Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Gewerkschaftssekretär bei ver.di NRW, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Dülmen und Mitglied im VS -Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller.
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