Der Grabstein des Lehrers in Sythen. © Antje Bücker
NS-Zeit

Heimatforscher deckt neue Details über Halterns Nazi-Vergangenheit auf

Der Dülmener Buchautor Ortwin Bickhove-Swiderski hat im Rahmen seiner jüngsten Recherchen einen weiteren Halterner Bürger als ehemaliges NSDAP-Mitglied benannt.

Heimatforscher Ortwin Bickhove-Swiderski hat bereits ein Buch über den Fall Bernhard Gewert in Sythen geschrieben. Nun konnte er im Zuge seiner Recherchen Dokumente über den ehemaligen Sythener Hauptlehrer Heinz Bremer im Berliner Bundesarchiv ermitteln.

Parteibeitritt sei überlegt geschehen

„Bisher war in Haltern und auch in Sythen völlig unbekannt, dass der ehemalige Hauptlehrer Heinz Bremer Mitglied der NSDAP war. Bremer ist im Alter von 42 Jahren am 1. Mai 1933 unter der Mitgliedsnummer 2468180 in die NSDAP eingetreten“, weiß Ortwin Bickhove-Swiderski.

Gleichzeitig sei er dem NS-Lehrerbund beigetreten. Weitere Funktionen innerhalb des NS-Regimes übernahm er ebenfalls. So war er als Luftschutzhelfer tätig, als Zellenverwalter und fungierte als Funkhelfer. Am 10. Februar 1931 trat er in Sythen seine Stelle als Hauptlehrer an. „Im Juli 1951 verstarb Bremer in Hullern“, fand Ortwin Bickhove-Swiderski heraus.

„Bremers Parteibeitritt erfolgte überlegt. Von einer politischen Unbedarftheit in jugendlichen Jahren konnte da keine Rede sein“, so der Heimatforscher weiter.

Beigesetzt wurde er auf dem alten Sythener Friedhof St. Joseph am Hellweg. Bickhove-Swiderski wundert sich über den guten Pflegezustandes der Grabstelle. Er geht davon aus, dass die NS-Vergangenheit dieses Mitbürgers bisher nicht bekannt geworden ist.

Eingemeindungen sollen aufgearbeitet werden

Der Dülmener Heimatforscher arbeitet zurzeit an einem weiteren Buch zur NS-Zeit in Haltern. Dabei sollen insbesondere die heutigen Eingemeindungen aufgearbeitet werden. „Bisher liegen mir dazu umfangreiche Dokumente und Unterlagen vor. Es werden weitere brisante Fälle thematisiert, z. B. ein hochrangiges Mitglied in der Leibstandarte Adolf Hitler, ein Gerichtsverfahren gegen die „Täter“ die einen NSDAP-Schaukasten zerstört hatten, aber auch mögliche Euthanasie-Opfer.“

Bickhove-Swiderski möchte die Halterner Bürgerinnen und Bürger dazu auffordern, sich intensiv und kritisch mit der eigenen Geschichte zu befassen. Sobald es wieder möglich ist, steht der Autor für Vorträge zu seinem Buch „Die Anfänge der NS-Zeit in Haltern am See und der Fall Bernard Gerwert aus Sythen“ zur Verfügung.

Über die Autorin
Journalistin und Fotografin wollte ich schon während der Schulzeit werden. Trotzdem bin ich erst nach vielen Umwegen zur Zeitung gekommen. Die Berichterstattung über die Ereignisse in der großen weiten Welt haben meinen Horizont erweitert, der Lokaljournalismus meinen Blick auf die wesentlichen Dinge vor der eigenen Haustür.
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Antje Bücker

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