Hotel-Einbrecher war bereits auf der Flucht - Tresore mit Schraubendreher geöffnet

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Zwei Männer brechen in Hotels und Schulen ein. Einer von ihnen war sogar auf der Flucht. Entsprechend rabiat soll es dann auch bei der Festnahme zugegangen sein.

Haltern/ Essen

, 17.09.2019, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ihr wichtigstes Werkzeug war ein Schraubendreher, ihr Antrieb die Gier nach Kokain: Mit weitgehenden Geständnissen ist am Dienstag der Prozess um eine Serie von Einbrüchen in Hotels und Schulen fortgesetzt worden. Die Tatorte lagen in Haltern, Dorsten, Marl und Gelsenkirchen.

Die beiden Hauptangeklagten sind 24 und wollten vor Gericht auch gar nicht große drumherum reden. „Wir haben die Dinger gemacht“, sagte einer von ihnen den Richtern am Essener Landgericht. Stolz sei er darauf allerdings nicht. Und so könne es auch nicht weitergehen. „Drogen, Einbrüche, Knast rein und raus: So will ich nicht mehr leben.“

Tresore mit Schraubendreher geöffnet

Es war Ende 2018, als die unheimliche Serie begann. In Dorsten wurde in die Dietrich-Bonhoeffer-Schule eingebrochen, in Haltern in „Pfeiffer’s Sythener Flora“, in Hüls ins Feierabendhaus. Die Beute bestand unter anderem aus Kellner-Portemonnaies, Geldkassetten, Sparschweinen und manchmal auch aus ganzen Tresoren. Die wurden abtransportiert und anschließend geöffnet. Angeblich mit einem Schraubendreher.

Die Auswahl der Tatorte war Sache des zweiten Haupttäters. Er kannte sich in Hotels offenbar bestens aus. Was auch kein Wunder ist. Sie waren zur damaligen Zeit schließlich sein bevorzugtes Übernachtungs-Domizil. Ob er denn immer bezahlt habe, wollten die Richter wissen. „Natürlich“, lautete die Antwort des 24-Jährigen. „Mit dem Geld von den Dingern, die ich gedreht habe.“

Aus dem offenen Vollzug getürmt

Die wechselnden Unterkünfte hatten aber offenbar noch einen anderen Vorteil. Der Gelsenkirchener war damals nämlich auf der Flucht. Er hätte eigentlich noch eine frühere Haftstrafe absitzen sollen. Als er wegen guter Führung in den offenen Vollzug verlegt worden war, und das Gefängnis tagsüber verlassen durfte, hatte er die Gelegenheit sofort genutzt und war nicht mehr wiedergekommen. Warum er das gemacht habe? Die Antwort des 24-Jährigen fiel kurz aus: „Ich habe nicht nachgedacht.“

Bei der Festnahme im Januar 2019 ging es dann offenbar auch etwas rabiater zu. „Ich war in einer Spielothek“, sagte der Angeklagte den Richtern. „Als ich kurz rausging, um mir eine zu rauchen, hat mir einer der Polizisten sofort einen Faustschlag gegeben.“ Ob das allerdings so richtig ist? Die Richter haben auf jeden Fall Zweifel und wollen die Beamten nun als Zeugen hören.

Unklar ist noch die genaue Rolle von zwei weiteren Angeklagten. Sie sollen die Haupttäter von Tatort zu Tatort gefahren haben. Angeblich ohne von der Beute zu profitieren. Der Prozess wird fortgesetzt.

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