Hullern hat einen neuen Dorfladen: „Nicht mehr für zwei Becher Sahne nach Haltern fahren“

hzMit Fotostrecke und Video

Christian Bögge hat am Samstag einen Mini-Supermarkt in Hullern eröffnet. Am ersten Tag lief nicht alles perfekt. Aber die Hullerner freuen sich, dass es vor Ort endlich Lebensmittel gibt.

von Pia Stenner

Hullern

, 20.10.2019, 12:02 Uhr / Lesedauer: 3 min

Um kurz vor neun steht die Tür des kleinen Ladenlokals gegenüber der Sankt-Andreas-Kirche schon offen. Ein paar Kinder und Erwachsene bauen draußen am Eingang eine Popcorn-Maschine auf. Drinnen steht Christian Bögge in weißem Hemd an der Verkaufstheke, bereit für seine ersten Kunden.

Der Hullerner Willi Oeldemann kommt herein, eigentlich hätte er gerne Brötchen, aber die gibt es noch nicht. Dann eben eine Packung Toast und etwas eingepackten Aufschnitt. Bögge scannt die Barcodes ein, doch das System findet die Wurst nicht. „Am ersten Tag läuft dann doch nicht alles wie geplant“, sagt Bögge. Oeldemann sagt, er ist froh über die neue Grundversorgung, er will noch öfter hier einkaufen, wünscht viel Erfolg und winkt. „Dann sehen wir uns“, ruft Bögge hinterher.

Er steht alleine an der Kasse, hinter ihm der Kaffeeautomat, und dahinter etwas abgetrennt noch ein Ofen, in dem gerade Croissants aufbacken - „alles erst in den letzten drei Tagen gekommen.“ Mitarbeiter hat Bögge noch keine, er plant, für bestimmte Uhrzeiten bald Aushilfen einzusetzen. Aber die ganze Familie hilft schon jetzt.

Keine Bedenken, dass „Unser Dorfladen“ sich nicht halten könnte

Maria Bögge sagt, sie sei überrascht gewesen, als ihr Sohn von seinem Plan erzählte, in Hullern einen Dorfladen zu eröffnen. „Aber ich wusste ja, wenn er das macht, dann nicht auf vager Basis, er ist bodenständig - ich hab keine Bedenken.“ Ungefähr vor einem Dreivierteljahr kam Christian Bögge die Idee, die konkrete Umsetzung mit Renovierung des Ladenlokals und Aussuchen des Sortiments folgte dann erst in den vergangen drei Wochen. „Auf den letzten Drücker ist alles doch relativ knapp geworden“, sagt er.

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So war die Eröffnung des Dorfladens in Hullern

Es wird schnell voll auf den gut 60 Quadratmetern, die zuletzt lange leer standen. Der Laden ist kaum größer als ein Tankstellenshop, auf den ersten Blick auch mit einem ähnlichen Sortiment: links am Eingang ein Regal mit Zeitschriften, an der Kasse Schokoriegel und Zigaretten, in der Mitte eine Kühltruhe mit Eis, daneben ein Regal mit Bier. Aber es gibt auch Äpfel, Grillkohle, Kartoffeln, Joghurt, Taschentücher und Tiefkühlpizza.

„Quark fehlt noch“, sagt Renate Meussen und leert ihren Einkaufskorb auf dem Verkaufstresen. „Der Quark wurde nicht mitgeliefert, aber in der nächsten Bestellung ist der auf jeden Fall mit dabei“, verspricht Bögge der Kundin und notiert es sich auf dem Block, der neben der Kasse liegt.

Die Hullerner Anwohner freuen sich über ihren Dorfladen

Renate Meussen findet toll, dass es nun in Hullern endlich wieder Lebensmittel zu kaufen gibt, Ilma Panoch stimmt ihr zu. Den beiden Frauen wird ein Glas mit Sekt und Orangensaft gereicht, sie stoßen an. „Ich hoffe sehr, dass der Laden uns auch lange erhalten bleibt“, sagt Panoch.

Es kommen noch zwei Männer im Anzug aus der Bank nebenan, um Bögge zu beglückwünschen, ein anderer Mann überreicht einen Blumenstrauß, viele begrüßen Bögge mit Handschlag und alle wünschen ihm viel Erfolg.

Markus Schlautmann gehört zu einer Gruppe von Freunden und Nachbarn, sie überreichen ein Fußballtrikot an den Schalke-Fan. Es gehöre ganz schön viel Mut dazu, den Job als Vermögensberater aufzugeben und im kleinen Hullern einen Laden zu eröffnen. „Aber der Bedarf war ja da, jetzt muss man nicht mehr für zwei Becher Sahne nach Haltern fahren“, sagt Schlautmann.

Ein Dorfladen als neuer Treffpunkt im Ortskern

An diesem Morgen ist Christian Bögge zwischen Kassieren, Kundengesprächen, und dem Kampf mit der noch nicht ganz funktionierenden Kaffeemaschine durchgehend beschäftigt. Maria Bögge bringt den Kunden die nun aufgebackenen Croissants und Berliner, die Kinder naschen die ersten Süßigkeiten aus dem Laden und warten noch ungeduldig an der Popcorn-Maschine.

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So sieht es in dem neuen Dorfladen in Hullern aus

Der Hullerner Christian Bögge hat am Samstag einen Mini-Supermarkt für sein Dorf eröffnet. Am ersten Tag läuft nicht alles perfekt, aber die Hullerner freuen sich, dass es vor Ort endlich Lebensmittel gibt.
20.10.2019
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Eröffnung des Dorfladens in Hullern, Glückwünsche und kleine Geschenke gab es auch zur Neueröffnung© Manfred_Rimkus
Eröffnung des Dorfladens in Hullern, erste Kunden an der Kasse© Manfred_Rimkus
Eröffnung des Dorfladens in Hullern, der Laden füllt sich.© Manfred_Rimkus
Eröffnung des Dorfladens in Hullern, der Laden füllt sich.© Manfred_Rimkus
Eröffnung des Dorfladens in Hullern, die jüngsten schauen nach Comics© Manfred_Rimkus
Eröffnung des Dorfladens in Hullern, Glückwünsche und kleine Geschenke gab es auch zur Neueröffnung© Manfred_Rimkus
Eröffnung des Dorfladens in Hullern, der Laden füllt sich.© Manfred_Rimkus
Eröffnung des Dorfladens in Hullern, die beiden Damen aus Hullern freuen sich über die Neueröffnung© Manfred_Rimkus
Eröffnung des Dorfladens in Hullern, Familie Vester beim Gästebucheintrag© Manfred_Rimkus
Eröffnung des Dorfladens in Hullern, Glückwünsche und kleine Geschenke gab es auch zur Neueröffnung© Manfred_Rimkus
Eröffnung des Dorfladens in Hullern© Manfred_Rimkus

„Vor allem für die Älteren, die nicht mehr so mobil sind, ist so ein Dorfladen wichtig“, sagt Maria Bögge. „Aber die Strukturen in so einem Dorf ändern sich ja, es ziehen junge Familien hier her und da kann so ein Dorfladen hoffentlich auch ein Treffpunkt für einen lebendigen Ortskern werden.“

Um halb zehn wird drinnen die Schlange an der Kasse immer länger, draußen unter dem Vordach bilden sich immer größere Grüppchen aus Dorfbewohnern, sie trinken Sekt, essen die Berliner und freuen sich über ihren neuen Laden.

„Unser Dorfladen“ öffnet Montags bis Freitags von 7.30 Uhr bis 13 Uhr und von 14.30 bis 18.30. Samstags ist er von 7.30 Uhr bis 14.30 Uhr geöffnet.
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