Der Halterner Christian Grube schreibt über seine Kindheit in der Nachbarstadt Marl. © Jürgen Wolter
Kindheit im Pott

Humorvoll und direkt: Halterner erzählt seine Kindheit im Ruhrgebiet

Leben zwischen „Köttelbecke“ und „Gummizeche“: Der Halterner Christian Grube schreibt über seine Kindheit im Ruhrgebiet. Und er verrät, warum Marl besser nicht „Marl am See“ heißen sollte.

Seine Kindheit sei „echt gut“ gewesen, findet Christian Grube. So gut, dass er darüber ein Buch geschrieben hat. Mit viel Humor und Augenzwinkern. Das merkt man schon am Titel: „Wenne inne Köttelbecke fliechs, hat der Arsch Kirmes.“ Christian Grube wohnt heute in Haltern, am Rand von Lippramsdorf. Aber seine Kindheit fand woanders statt: im Ruhrgebiet, genauer gesagt in der Nachbarstadt Marl.

Deshalb liefert er für alle Nicht-Ruhrgebietler vorsichtshalber eine Übersetzung mit: „Wenn du in den betonierten Abfallbach fällst, gibt’s eine Tracht Prügel“. Das wurde halt im „Pott“ etwas unverblümter und direkter ausgedrückt. Wie so vieles andere auch: drastisch, aber liebenswert, findet Christian Grube.

1961 in Marl geboren studierte Christian Grube später in Münster, arbeitete für Zeitungsredaktionen, leitete eine Teestube, war (als Katholik) Medienreferent der evangelischen Kirche und später Leiter der Jugendkultureinrichtung „Kunterbuntes Chamäleon“ in Marl.

Die Halterner rochen nach Bauernhof

Zusammen mit seiner Frau Jennifer leitet er heute das Fotostudio Augenblick in Haltern. Vorrübergehend hatten die beiden eine Galerie an der Turmstraße eröffnet, die aber leider wirtschaftlich nicht funktionierte. „Da saß ich dann, teilweise war nicht viel los – und da habe ich angefangen, das Buch zu schreiben“, erinnert er sich.

Seine Kindheit hat Christian Grube in der Waldsiedlung in Marl-Hamm verbracht. Hier arbeiteten die Männer entweder auf der Zeche oder auf der „Gummizeche“, so die Bezeichnung für die Chemischen Werke Hüls. In der Realschule Marl-Hamm trafen die Marler dann erstmals auf Halterner: Kinder, die in Hamm-Bossendorf oder Klein-Herne wohnten. „Das konnte man riechen“, schreibt Christian Grube. „Wer vom Bauernhof kam, roch nach Bauernhof.“

Langsam weitete sich der Aktions-Radius der Kinder, von der Herrmann-Löns-Straße, der „Straße der Alleskönner“, in der die Nachbarn alles selber bauten, Richtung Sickingmühle und Kanal und in andere Stadtteile. Oder zu Familienausflügen: mit dem alten Kadett und sieben Leuten drin, ohne Gurte und fast alle rauchend zum Löwenpark Westerholt.

Bundesliga-Konferenzschaltung

Legendär waren die Samstag-Nachmittage beim Autowaschen mit der WDR-Bundesliga-Konferenzschaltung. Und später die Ausflüge ins Schullandheim und die ersten erotischen Sehnsüchte: An der Schwelle zur Pubertät endet das Buch zunächst, den zweiten Teil hat Christian Grube schon in Arbeit. Die „wilden Jahre“ im Studium in Münster sollen ebenfalls folgen.

Das Buch „Wenne inne Köttelbecke fliechs, hat der Arsch Kirmes“ umfasst 172 Seiten mit einer kleinen Fotoauswahl und kostet 15 Euro. Es ist erhältlich im Fotostudio Augenblick an der Lippstraße in Haltern oder bei Christian Grube: Tel: 0160/97923545. Es kann aber auch über den Buchhandel bestellt werden.

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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