„Ich finde es totalen Quatsch“ – eine Woche Bon-Pflicht für Halterner Gewerbetreibende

hzKassengesetz in Kraft

Seit Anfang des Jahres sind Betriebe verpflichtet, einen Kassenbon auszugeben – auch beim Brötchenverkauf. Halterner Gewerbetreibende und Kunden ziehen nach einer Woche die erste Bilanz.

Haltern

, 07.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Woche ist das neue Jahr alt und damit auch die Kassenbon-Pflicht bei Bäckereien, Kiosken, Imbissen und anderen Betrieben. Das sogenannte Kassengesetz schreibt ihnen vor, dem Kunden bei jedem Kauf einen Beleg auszuhändigen. Der Gesetzgeber will damit den Umsatzsteuerbetrug bei Gewerbetreibenden unterbinden.

Viele Interessenverbände liefen schon vor der Einführung Sturm und auch die Halterner Gewerbetreibenden zeigten sich vorab nicht unbedingt begeistert. Daran hat sich nach der Einführung nicht sonderlich viel geändert. Berthold Brinkert, Bäckermeister der Naturbäckerei „Berthold's“, sagt: „Ich halte da nach wie vor gar nichts von. Das ist absolut entgegen unserer Firmenphilosophie.“

„Die Kunden wollen sie gar nicht haben“

Er achte in seinen zehn Filialen darauf, nachhaltig zu arbeiten und so gut es ginge, Müll zu vermeiden. Jetzt sei er gezwungen, ihn extra zu produzieren. Dabei habe er eine elektronische Kasse, in der sich alle Zahlungen der vergangenen zwei Jahre nachvollziehen ließen, sagt er. „Für mich ist es sinnlos, dass wir die Bons trotzdem drucken müssen“, sagt Brinkert. „Vor allem, weil die Kunden sie gar nicht haben wollen.“

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Eigentlich sei er verpflichtet, darauf zu achten, dass die Kunden sie mitnehmen, aber: „Ich kann die Leute ja nicht dazu zwingen“, sagt er. In den Mülleimern der Bäckerei sammeln sich deshalb die Kassenzettel.

Zum mitgebrachten Beutel gibt es einen Kassenbon

Seine Kundin Astrid Langenhagen bringt für die fünf Brötchen, die sie kauft, extra einen Beutel mit, um Müll zu vermeiden. „Ich finde es totalen Quatsch, dass ich jetzt einen Bon für meinen Einkauf kriegen soll“, sagt die 44-Jährige. Den Beleg aus Thermopapier will sie nicht haben: „Überall wird der Umweltgedanke größer und dann kommt man auf so eine Idee.“

Stephan Bernemann hingegen findet die Bon-Pflicht nachvollziehbar. „Ich bin selbst Kaufmann“, sagt der 55-Jährige vor der Zweigstelle des Bäckereibetriebs Brinkert am Schüttenwall. „Ich verstehe das Finanzamt. Die Bon-Ausgabe sorgt dafür, dass auch wirklich alle Beträge im System sind und so Betrug verhindert wird.“ Für seine Rosinenschnecke brauche er den Bon aber nicht. Der bleibt auf der Theke liegen und wandert später zu den anderen in den Restmüll.

„Das ist Umweltverschmutzung hoch zehn“

Der ist auch in dieser Filiale gut gefüllt, zeigt Nadine Berse. Die Studentin arbeitet als Aushilfe dort. Während sie den Mülleimer hervorholt, ruft ihre Kollegin aus der Küche: „Das ist Umweltverschmutzung hoch zehn. Einfach nur Kokolores.“ Das findet Berse auch. „Das ist doch nur Papierverschwendung“, sagt die 21-Jährige. Vor allem weil die Bons auch hier niemand haben wolle. „Am vergangenen Wochenende hatten wir bestimmt zwei Papierkörbe ausschließlich mit Kassenbons voll“, sagt Berse.

Volle Papierkörbe sind allerdings nicht der einzige Effekt, den die neue Vorschrift nach sich zieht, wie Djyla Ljatifi vom „Pick Up Snack & Services“ an der Weseler Straße erzählt. Denn die zusätzlichen Kassenbon-Rollen verursachen auch zusätzliche Kosten. „Die versuchen wir einzufangen“, sagt die 20-Jährige. Die Brötchen sind im „Pick Up Snack & Services“ seit Anfang des Jahres deshalb fünf Cent teurer.

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