Zwei Rehe sind im Revier von Thomas Thies qualvoll verendet. © Jürgen Wolter
Tote Rehe

Immer mehr getötete Rehe: Halterner Jäger schlagen Alarm

Die Fälle häufen sich: Den Halterner Jägern werden immer mehr Funde von Rehen gemeldet, die qualvoll verendet sind. Sie sind sich sicher, wer dafür verantwortlich ist.

Um das Pfingstwochenende herum waren es zwei Fälle: Jagdpächter Thomas Thies wurde von Spaziergängern informiert, dass sich an zwei Stellen in seinem Revier getötete Rehe im Wald befinden. Er geht davon aus, dass große Hunde dafür verantwortlich sind.

„Durch die Corona-Pandemie sind immer mehr Menschen im Wald unterwegs, zum Wandern und Spazierengehen, viele mit ihren Hunden“, sagt er. „Leider häufen sich seitdem die Funde von Rehen, die qualvoll im Wald verendet sind.“

Das Revier von Thomas Thies befindet sich westlich der Recklinghäuser Straße und südlich von Hamm-Bossendorf. „Wenn ein Hund die Witterung eines Hasen oder eines Rehs aufnimmt, dann folgt er seinem Jagdtrieb“, so Thomas Thies. „Dann ist er nicht mehr zu halten, selbst wenn er zuhause ein lieber und folgsamer Hund ist.“

Mutter- und Jungtiere sind „hochgradig gefährdet“

Die Würgebisse am Hals in den beiden letzten Fällen aus dem Revier von Thomas Thies seien „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ auf Hunde zurückzuführen, sagt Reinhold Bergjürgen, der Vorsitzende des Hegerings Haltern. „Das können nur große Hunde gewesen sein, ein Wolfsbiss ist äußerst unwahrscheinlich, weil in diesem Gebiet bisher keine Wölfe gesichtet oder nachgewiesen wurden“, so Bergjürgen.

Gerade in der aktuellen Brut- und Setzzeit seien Jungtiere, aber auch hochtragende Muttertiere aufgrund der körperlichen Einschränkungen hochgradig gefährdet, so Reinhold Bergjürgen. Die Kitze verharren regungslos, die Muttertiere bleiben meist in der Nähe, weil sie ihren Nachwuchs verteidigen wollen – und vernachlässigen dadurch ihren Fluchtinstinkt. So werden beide eine leichte Beute. „Meist verenden die Tiere qualvoll, weil sie nach einem Hundeangriff ja nicht sofort sterben“, ergänzt Thomas Thies.

Ihm begegnete vor kurzem ein Paar im Wald mit sechs nicht angeleinten Labrador-Hunden. „Ich habe sie angesprochen, aber bin nur auf Unverständnis gestoßen“, berichtet er. Appelle nutzten leider oft wenig, bestätigt Reinhold Bergjürgen.

Bis zu 5000 Euro Bußgeld

Er weist deshalb darauf hin, dass das unkontrollierte Laufenlassen von Hunden im Wald verboten ist. „Ordnungswidrig handelt, wer Hunde oder Katzen, die ihm gehören oder seiner Aufsicht unterstehen, in einem Jagdbezirk unbeaufsichtigt laufen lässt“, heißt es in Paragraph 55 des Landesjagdgesetzes von Nordrhein-Westfalen. Und weiter: „Ordnungswidrigkeiten nach § 55 können mit einer Geldbuße bis zu 5000 Euro geahndet werden.“

Die getöteten Rehe lagen nahe an den Spazierwegen.
Die getöteten Rehe lagen nahe an den Spazierwegen. © Privat © Privat

Entscheidend dabei ist, ob ein Hund aufs Wort gehorcht und beaufsichtigt ist. „Dann darf er auf Wegen unangeleint laufen“, sagt RVR-Förster Harald Klingebiel vom Forsthof Haard. „Das Problem ist, dass das die meisten Hunde nicht tun, vor allem, wenn sie die Witterung eines Wildes aufnehmen. Und deshalb müssten sie an der Leine laufen.“

Klingebiel bestätigt den Eindruck, dass durch die intensivere Waldnutzung seit Beginn der Coronapandemie das Wild vermehrt Opfer von Hundeattacken wird. „Leider muss man sagen: Es gibt nichts, was man mit Hundebesitzern und ihren Vierbeinern im Wald nicht erleben könnte.“

Die Jäger bitten Spaziergänger, Fälle von verendetem oder verletztem Wild im Wald zu melden, entweder bei der Polizei, dem Regionalverband Ruhr im Bereich von Haard und Hoher Mark oder auch beim Hegering Haltern.

Über den Autor
Redaktion Haltern
Studium der Germanistik, Publizistik und Philosophie an der Ruhr Universität Bochum. Freie Autorentätigkeit für Buchverlage. Freier Journalist im nördlichen Ruhrgebiet für mehrere Zeitungshäuser. „Menschen und ihre Geschichten faszinieren mich nach wie vor. Sie aufzuschreiben und öffentlich zugänglich zu machen, ist und bleibt meine Leidenschaft.“
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Jürgen Wolter

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