Impfpflicht ja oder nein? Das sagen Halterner Ärzte und das Gesundheitsamt

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Impfen ist in Deutschland keine Pflicht. Nach dem Willen von Gesundheitsminister Jens Spahn soll sich das, zumindest für Masern, bald ändern. Nicht alle Halterner Ärzte finden das gut.

Haltern

, 05.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Thema Impfen bewegt in Deutschland die Gemüter. Spätestens seit Jens Spahn eine Impfpflicht für Masern fordert, wird immer wieder heiß diskutiert. Der Halterner Allgemeinmediziner Dr. Björn Hollensteiner hat sich als Arzt intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Seiner Meinung nach werde das Thema medial aufgebauscht.

Die Impfquote ist hoch

„Eine Impfpflicht für Masern halte ich für vollkommen überflüssig“, sagt Hollensteiner. In seiner Praxis wird er immer wieder mit dem Thema Impfen konfrontiert. Die Impfquote sei auch ohne Pflicht bereits jetzt sehr hoch.

„Wir erreichen z.B. bei Masern mit guter Aufklärung Durchimpfungsraten, die bei der Erstimpfung über 95 % liegen, bei der Zweitimpfung nur knapp darunter“, erklärt der Halterner Mediziner. Auch die Zahlen des Gesundheitsamtes für die Schuleingangsuntersuchungen sind ähnlich: 90,8 Prozent aller Halterner Kinder waren im vergangenen Jahr gegen Masern geimpft.

Beratung sorgt gegen fehlende Impfungen vor

„Bei den meisten Eltern kommt man schon mit der Beratung zum Thema Impfen weit“, ist auch die Erfahrung von Dr. Wibke Selle, der Leiterin des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes im Kreis Recklinghausen. „Manche Eltern haben das Thema einfach nicht auf dem Plan. Da ist es unsere Aufgabe, die medizinische Beratung und das Thema immer wieder hochzuhalten.“

Impfpflicht ja oder nein? Das sagen Halterner Ärzte und das Gesundheitsamt

Die Impfung gegen Masern ist eine der meist diskutierten. © dpa

„Nur ein Bruchteil sind wirklich Impfgegner“, sagt Dr. Jörg-Ulrich Hassel, Kinderarzt aus Haltern. Für ihn wäre die Durchsetzung einer Impfpflicht eine große Überraschung: „Natürlich bin ich Pro Impfen und würde mich auch darüber freuen. Aber eine Impfpflicht ist aus meiner Sicht Wunschdenken von Jens Spahn.“ Schließlich begehe man mit einer Impfung eine Körperverletzung: „Da müssen Eltern zustimmen, sonst kann ich noch so gerne impfen wollen.“

Impfstatus wird regelmäßig überprüft

Damit die Impfquote möglichst hoch bleibt, hilft in vielen Praxen nur erinnern, weiß auch Björn Hollensteiner. Oft sei die Zweitimpfung nicht mehr im Kopf, erklärt er: „Viele vergessen, die empfohlenen Auffrischimpfungen, meist nach 5 oder nach 10 Jahren, durchführen zu lassen. 10 Jahre sind eine lange Zeit und da kann so etwas natürlich in Vergessenheit geraten.“

In seiner Praxis versucht der Allgemeinmediziner, die Patienten immer wieder damit zu konfrontieren: „Der Impfstatus wird bei uns immer überprüft, wenn Gesundheitsuntersuchungen, Jugendschutzuntersuchungen, Jugendarbeitsschutzuntersuchungen und Reiseimpfberatungen durchgeführt werden. Und immer dann, wenn man daran denkt.“

Im Kindergarten sorgen fehlende Impfungen für Probleme

Besonders bei der Anmeldung eines Kindes im Kindergarten werden die Eltern direkt mit der Impfempfehlung konfrontiert, erklärt Selle: „Bei der Anmeldung im Kindergarten müssen Eltern immer auch das Vorsorgeheft vorlegen. Darin ist auch dokumentiert, ob eine Impfberatung stattgefunden hat.“ Diese ist vor der Anmeldung im Kindergarten Pflicht. Wenn das Kreuzchen im Vorsorgeheft fehlt, könne die Erzieherin Eltern und Kind erstmal ohne Anmeldung nach Hause schicken, so Wibke Selle.

Ob die Eltern ihre Kinder dann impfen lassen, ist ihnen selbst überlassen. Eine Nicht-Impfung hat zumindest für den Kindergarten-Besuch Konsequenzen: „Wenn im Kindergarten dann Masern oder Mumps und Röteln rumgeht, dürfen die nicht-geimpften Kinder den Kindergarten in der Zeit nicht besuchen.“

Besonders für berufstätige Eltern sei das meist ein Problem. „Da wird die Betreuung schnell schwierig zu organisieren.“ Doch die ist für Wibke Selle zweitrangig: „Für uns steht der Schutz an oberster Stelle. Und der kann nur gewährleistet werden, wenn die Kinder zu Hause bleiben. Da müssen sich die Eltern dann drüber im Klaren sein.“

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