Einige Apotheken in NRW haben Modellversuche gestartet und dürfen gegen Grippe impfen. Ist das auch für die Corona-Impfung denkbar? (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Corona-Impfung

Impfen in der Apotheke? In Haltern sind die Meinungen dazu geteilt

Viele Apotheker stehen dem neuen Wunsch der Politik skeptisch gegenüber. Impfen in der Apotheke sei nicht zu Ende gedacht worden. Einer hat eine andere Meinung.

Jeder Mann und Maus, der impfen kann, soll jetzt gefälligst impfen“, appellierte Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), vor einer Woche. Er forderte deswegen, dass auch Apotheken endlich in die Corona-Impfkampagne mit einsteigen sollten.

Für die Apothekerinnen und Apotheker in Haltern am See ist das ein schwieriges Thema. Die häufigsten Probleme: Es gibt weder genügend Personal, noch ausreichend Platz in den Apotheken. „Es bräuchte Vorlaufzeit“, sagt Hannah Szilinski, Apothekerin von der Westfalen Apotheke. „Spahn könnte nicht sagen, dass ab morgen die Apotheken mit impfen sollen. Das wäre nicht zu leisten.“

Außerdem gibt die Apothekerin zu bedenken, dass sie den Ärzten nicht den Rang ablaufen möchte. „Sollten die Ärzte es irgendwann nicht mehr schaffen, dann würden wir sie unterstützen“, sagt Hannah Szilinski. „Aber wenn jetzt Nachfragen von Kunden kommen, dann sagen wir, dass es im Moment nur bei den Ärzten liegt.“

Halterner Apotheker zu Impfungen: „Schnellschuss der Politik“

Auch der Inhaber der Lipptor-Apotheke sieht die Forderung des RKI-Präsidenten skeptisch. „Das ist ein Schnellschuss von der Politik“, sagt Dr. Horst Evering. „Ich bin da zwiegespalten. Es wurde nicht zu Ende gedacht.“ Neben den räumlichen und personellen Problemen gebe es noch ein drittes: die nicht vorhandene ärztliche Betreuung. „Da braucht nur einer eine Allergie haben.“

Thomas Lödige von der Park Apotheke sieht es ähnlich. „Machen könnte man alles“, sagt er. „Mich schrecken aber die Räumlichkeiten ab und die Leute, die dabei umkippen könnten.“

Hausarzt in Haltern äußert Bedenken zu Vorschlag der Politik

Wie ist die ärztliche Sicht auf den Vorschlag, in Apotheken zu impfen? Dr. Björn Hollensteiner, Hausarzt in Haltern, ist grundsätzlich der Ansicht, „dass eine Impfung in die Hände von medizinischem Fachpersonal gehört und unter Aufsicht eines Arztes stattfinden sollte“.

Er äußert ähnliche Bedenken wie einige der Apotheker. „Aus der Tätigkeit sowohl im Impfzentrum als auch in unseren eigenen Praxen wissen wir, dass es bei der Covid-19-Impfung durchaus zu relativ rasch auftretenden Reaktionen kommen kann, und sei es nur zu Kreislaufbeschwerden und Kollapsereignissen“, sagt Dr. Hollensteiner. „Von schweren allergischen Reaktionen einmal ganz abgesehen.“ In Arztpraxen, Impfzentren oder mobilen Impfstellen sei deshalb stets ausgebildetes Rettungspersonal vor Ort.

Trotzdem sagt der Hausarzt: „Wir sehen natürlich auch die dringende Notwendigkeit der Ausweitung von Impfmöglichkeiten. Sollte sich die Politik aus Gründen der Pandemie entscheiden, auch Apotheken in die Impfkampagne einzubeziehen, dann sollte dieses Risiko jedem Impfwilligen bewusst sein. Eine kurze Schulung ersetzt keine Ausbildung und Erfahrung in der Notfallmedizin.“

Ein Apotheker in Haltern steht dem Vorschlag positiv gegenüber

Dr. Philipp Schulte-Mecklenbeck von der Bären-Apotheke in Haltern steht dem möglichst schnellen Boostern der Bevölkerung positiv gegenüber. „Es will den Ärzten keiner was wegnehmen, die sind auch am Limit“, sagt er. „Es müssen jetzt einfach alle so schnell wie möglich geboostert werden.“

Dr. Schulte-Mecklenbeck berichtet ebenfalls, dass „Impfen in den Apotheken“ zurzeit ein großes Thema bei den Halternern ist. „Die Frage bekomme ich mehrfach täglich“, sagt er. „Sowohl für die Corona-Impfung, als auch für die Grippe-Impfung.“

Bislang wurde der Vorschlag von der Politik nicht durchgewunken. Obwohl sich auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann offen dafür zeigte, Apotheker und Ärzte aller Fachrichtungen, z.B. Zahnärzte, in die Impfkampagne einzubeziehen.

Über die Autorin
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In der Grafschaft Bentheim aufgewachsen, während des Journalismus-Studiums in NRW verliebt. Danach über 2 Jahre in Kanada gelebt und jetzt wieder zurück im Lieblingsbundesland. Seit 2020 Volontärin bei Lensing Media
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