Das Land hat einen sofortigen Impfstopp in Kliniken verhängt. © picture alliance/dpa
Impfstopp

Impfstoff in Haltern: Enttäuschung und Wut über Lieferprobleme

Erstimpfungen werden ausgesetzt, das Impfzentrum in Recklinghausen öffnet später: Die Lieferprobleme beim Biontech-Impfstoff sorgen für Unverständnis und Enttäuschung.

Die Nachricht aus Düsseldorf, dass die vielversprechend gestartete Impfaktion nun erst einmal weitgehend zum Erliegen kommt, hat auch in Haltern Enttäuschung ausgelöst. Wegen kurzfristiger Umbauten in einem Abfüllwerk liefern die Hersteller Biontech und Pfizer in der kommenden Woche deutlich weniger Impfstoff als vorgesehen.

Zwar finden Erstimpfungen in Alten- und Pflegeeinrichtungen bis Donnerstag, 21. Januar, noch vereinzelt statt, alle Impfstoffbestellungen ab Freitag, 22. Januar, werden aufgrund von Impfstoffmangel seitens des Landes storniert.

Zweitimpfungen sind sichergestellt

Bis zum 31. Januar sind dann nur Zweitimpfungen in Einrichtungen möglich – diese seien aber sichergestellt, hieß es aus dem Ministerium. In Haltern wurden die Erstimpfungen bisher im Seniorenzentrum Kahrstege und im St. Sixtus- sowie im St. Anna-Heim durchgeführt. Voraussichtlich ab dem 1. Februar könnten wieder Erstimpfungen in Krankenhäusern und Pflegeheimen stattfinden, heißt es weiter.

Im KKRN-Klinikverbund, zu dem auch das Halterner St. Sixtus-Hospital gehört, sollten die Impfungen eigentlich am Donnerstag starten. Am Dienstagabend kam dann die Mitteilung des Gesundheitsministeriums, dass der Termin nicht eingehalten werden könne. Dr. Andreas Weigand, medizinischer Geschäftsführer des Klinikverbundes, zeigte sich darüber sehr enttäuscht. Man habe den ersten Impfstoff bereits „sehnlichst erwartet“. Zwingende Gründe für den Ausfall der Lieferung seien dem Klinikverbund nicht mitgeteilt worden, so Weigand weiter.

„Auch wir sind unglücklich über die Entwicklung“

Auch der Landrat des Kreises Recklinghausen, Bodo Klimpel, äußerte sein Bedauern über die Verzögerungen. „Bislang liefen die Planungen und auch die Impfungen im Kreisgebiet reibungslos. Umso enttäuschender, dass schon vereinbarte Termine nicht stattfinden werden“, sagt er. „Die Wut und auch die Enttäuschung in den Krankenhäusern und Einrichtungen ist groß und auch wir sind unglücklich über diese Entwicklung. Leider war es aber auch für das Land nicht abzusehen, dass nun rund 100.000 Dosen weniger als vom Hersteller angekündigt Nordrhein-Westfalen erreichen.“

Bereits am Dienstag wurde bekannt, dass die Mitarbeiter eines Halterner Pflegediensts nicht wie geplant geimpft werden konnten. Umso frustrierender empfinden es die Verantwortlichen jetzt, dass die Lieferung des Impfstoffes erst einmal ausgesetzt wurde.

„Die Arbeit in den vergangenen Monaten war irgendwann von viel Frust geprägt, so dass die Impfungen wie ein Lichtblick erschienen sind“, sagt die Halterner Hausärztin Dr. Christiane Trogemann, die die Impfungen der Pflegedienst-Mitarbeiter hätte vornehmen sollen. Die Stimmung in den Heimen bei Patienten und Mitarbeitern sei unbeschreiblich gewesen. „Es hat sich so positiv angefühlt – und genau das ist es ja auch!“ Es sei einfach schade, dass die Impfungen sich nun weiter hinauszögern, weil offensichtlich nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe, so Trogemann.

Ebenfalls verschoben wird laut Landesregierung der Start der Impfzentren. Die ersten Impftermine sollen dort nicht mehr am 1. Februar, sondern erst eine Woche später, am 8. Februar, stattfinden. Das betrifft auch das Impfzentrum in Recklinghausen.

Die Schreiben an die Bürger mit weiteren Informationen zur Terminvereinbarung und zu den Abläufen im Impfzentrum sind unterwegs und sollten die entsprechenden Bürgerinnen und Bürger in den nächsten Tagen erreichen.

Ab 25. Januar können die Angeschriebenen dann per Telefon unter den kostenfreien Nummern 116 117 oder 0800 116 117 02 oder online unter www.116117.de einen Termin vereinbaren. Vor Montag, 25. Januar, findet keine Terminvergabe statt. Es werden auch keine Wartelisten geführt. Über die Corona-Hotline des Kreises RE können keine Termine vereinbart werden.

Schon seit einigen Tagen hat es Anzeichen für ein Problem mit der Impfstoffversorgung gegeben. Das Impftempo hat jedenfalls deutlich abgenommen. Die Kassenärztliche Vereinigung meldete am Mittwoch, dass am Dienstag nur 64 Personen im Kreis Recklinghausen geimpft wurden. An anderen Tagen waren es zuletzt bis zu 1000 Personen.

Gerade in Zeiten der Pandemie fühlen sich Menschen verunsichert und haben viele Fragen rund um das Thema Coronavirus und Schutzimpfung. In einer telefonischen Sprechstunde möchte Dr. Lars Heining, Chefarzt im Sixtus-Hospital, Ängste nehmen und diesen Menschen ihre Fragen beantworten. Am Freitag, 22. Januar, von 13 bis 14.30 Uhr, haben Interessierte die Möglichkeit, den pneumologischen Experten unter der Telefonnummer (02364) 104-21160 zu erreichen.

Über die Autorin
Redakteurin
Vor mehr als zwanzig Jahren über ein Praktikum zum Journalismus gekommen und geblieben. Seit über zehn Jahren bei Lensing Media, die meiste Zeit davon als Redakteurin in der Nachrichten- und Onlineredaktion in Dortmund. In Haltern seit September 2019.
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Ilka Bärwald

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