Christian Arentz zeigt auf die Konstruktion in der Kunsthalle, die an die Anfänge der Glashütte erinnern. © Elisabeth Schrief
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In den ältesten Industriebau Halterns zieht jetzt auch ein Bäcker ein

Die Glashütte Haltern hat eine fast 150-jährige Geschichte. 16 Unternehmen teilen sich den beispielhaften Industriebau, bald zieht ein weiterer Mieter ins Quartier. Er verändert das Entrée.

Nach dem Anschluss an das Eisenbahnnetz brachte die Glashütte als erstes Unternehmen industrielles Wachstum in die Stadt. Das war vor gut 150 Jahren. Glasmacher und Schleifer produzierten für China, Südamerika, Südafrika, Russland, den Nahen Osten und Indien. Seit 15 Jahren ist die Glashütte als Quartier in Privatbesitz eines Recklinghäuser Unternehmers und beherbergt 16 Gewerbetreibende, Kulturschaffende und den Bunten Hund (eine Kindertagespflege) sowie drei Wohnungsmieter.

Lebendigkeit vor Ort ist ein wichtiges Anliegen des Besitzers, der IBA Ibing GmbH. Deshalb holt er sich jetzt ein neues, traditionelles Handwerk ins Quartier. Dafür wird der Eingangsbereich an der Recklinghäuser Straße umgekrempelt.

Im Herbst soll Baubeginn für Bäckerei sein

Der alte Pavillon der Tinten-Tanke ist abgerissen, an dieser Stelle wird nach den Plänen von Architekt Ludger Dreckmann aus Haltern eine neue, 250 Quadratmeter große Bäckerei mit Café und Außenterrasse nach ökologischen Gesichtspunkten gebaut. Auf der anderen Seite soll ein baugleiches Gebäude entstehen, die Imbiss-Station wird dafür auf die Dauer weichen. „Wir wollen die Glashütte weiter aufwerten und deshalb die Optik am Eingang verbessern“, sagt Christian Arentz, der hier arbeitet, wohnt und als Quartiersmanager viel Verantwortung und alles im Blick hat. Im Herbst soll Baubeginn für die Malzer-Filiale sein.

Die Glashütte Haltern
Die Glashütte Haltern: Nah an der Natur, nah am Alltag. Die Anbindung an eine gute Infrastruktur mit fünfminütigem Fußweg zum Bahnhof und der Nähe zur Autobahn ist das Eine, der Anschluss an die Lippauen auf der der Straße abgewandten Seite das Andere. © Elisabeth Schrief © Elisabeth Schrief

5000 Quadratmeter gut genutzte Industriearchitektur stellt dem Lärm der Alltagswelt ein erholsames Naturidyll gegenüber: Auf der einen Seite mit der L551 die laute Ein- und Ausfallstraße der Stadt, auf der anderen die Lippe mit ihren Auen. Der Halterner Christian Arentz genießt das seit sieben Jahren – privat wie beruflich. Er trainiert unter dem Namen Kognifit geistige Leistungsfähigkeit.

Es gibt noch Relikte aus der alten Arbeitswelt

Er findet: „Hier bildet sich der Trend der Zeit ab.“ Er mag die stoische Ruhe des Altbestandes auf der einen, und den permanenten am Puls der Zeit orientierten Wandel auf der anderen Seite. Die Glashütte teilen sich internationaler Handel, Gesundheits-Management, Profis im Handwerk und Wegbereiter für ein entspanntes Leben. „Das Leben und Arbeiten hat hier in diesem Quartier andere Schwingungen“, sagt Christian Arentz.

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Die Glashütte Haltern

Einige Relikte erinnern noch an eine Produktionsstätte, in der zu besten Zeiten bis zu sieben Tonnen Quarzsand täglich in Glas verwandelt wurden: schwere Stahlträger, dicke Betonwände und -decken, ein Aufzugsturm, eine Rampe und vor allem die Fassade mit dem markanten Schriftzug. Die Eisenträger gliedern beispielsweise die große, fast fertig eingerichtete Kunsthalle des Malers Frank Burkamp, der zuvor auf der Zeche Zollverein Essen zu Hause war. Auf der Suche nach einem neuen Atelier fesselte den gebürtigen Bochumer sofort der besondere Lichteinfall an diesen besonderen Ort. Sofern es die Corona-Pandemie zulässt, öffnet Frank Burkamp seine Kunsthalle Anfang Mai.

„Wir suchen bewusst Mieter, die die besondere Atmosphäre schätzen, das Repertoire ergänzen und mit entwickeln“, betont Christian Arentz. Ziel ist, hier einen Treffpunkt für alle Generationen und Lebensphilosophien zu schaffen. Deshalb passe das Atelier ebenso gut ins Konzept wie auch die Kindertagespflege. Die neue Bäckerei sei ein weiterer Baustein, um Menschen ins Quartier zu locken.

In der Glashütte gibt es im Obergeschoss eine 300 Quadratmeter große Fläche als freie Kapazität, sonst ist alles langzeit-vermietet. „Die Glashütte ist einst für die Ewigkeit gebaut worden“, sagt Christian Arentz mit Blick auf die Substanz. Diesen Charme will der Besitzer wie ein Biotop bewahren. Das sei ein stetiger Prozess. Die Glashütte stehe nicht unter Denkmalschutz, aber es koste viel Zeit und Engagement, sie zu erhalten.

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Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief
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