Silvia Kleine ist mit ihrem Woll-Express umweltfreundlich unterwegs. © Silvia Wiethoff
Einzelhandel

In der Coronakrise wurde „Kleines Wollstübchen“ zum „Wollexpress“

Vor zehn Jahren wurde das Geschäft „Kleines Wollstübchen“ in Haltern gegründet. In der Coronakrise arbeitet Inhaberin Silvia Kleine mit einem umweltfreundlichen Geschäftsmodell.

Silvia Kleine hat es besser als ihre Kollegen der Textilbranche in Haltern. „Wolle vergeht nicht“, sagt die Inhaberin des Geschäfts „Kleines Wollstübchen“ an der Lippstraße 20 (Marienhof) in Haltern. Ihr Angebot sei nicht so extrem dem aktuellen Modediktat unterworfen, erklärt sie. Deshalb kommt die Halternerin besser durch die Coronakrise als andere.

Im Wollgeschäft, das seit einigen Jahren eine Renaissance bei den Kunden erlebt, gibt es viele Standards. „Sockenwolle, Merino-Wolle und Topflappengarn zum Beispiel“, zählt Silvia Kleine auf. Vor zehn Jahren eröffnete die heute 58-Jährige ihren Laden in Haltern, wechselte zwischendurch von der Gaststiege an den Marienhof. Die freiberufliche Architektin wollte nicht mehr fast ihr ganzes Berufsleben am Schreibtisch verbringen.

Den Service mit dem Lockdown umgestellt

Dass sie ihre Wolle einmal während einer Virus-Pandemie verkaufen werde, wäre ihr nie in den Sinn gekommen. Schon beim ersten Lockdown im Frühjahr stellte Silvia Kleine ihren Service für einige Wochen auf das Bestellgeschäft um. Die Kunden können sich bei ihrem Vertragspartner, einem Vertriebsspezialisten für Wolle und Garne, online informieren und dann bei ihr in Haltern das Produkt bestellen.

Wenn es Silvia Kleine auf Lager hat, gelangt die Bestellung ganz schnell per Woll-Express zu den Handarbeitsfans in Haltern. Manche Kunden verlassen sich aber auch einfach auf ihr Expertenwissen, bestellen „blaue Wolle für Socken“ und lassen sich überraschen. Die Auslieferung im gesamten Stadtgebiet erfolgt umweltfreundlich mit dem Fahrrad. Auch Ehemann Michael Kleine hilft bei der Abwicklung des Geschäftsvorgangs und springt beim Lieferservice mit ein.

Die Familie hilft mit

„So bleiben wir aktiv“, lacht Silvia Kleine. Schließlich sei Sport im Verein oder im Fitnessstudio zurzeit nicht möglich. Im Frühjahr hat auch Tochter Charlotte mit ausgeholfen, die ihr Auslandssemester in Spanien wegen der Coronakrise abkürzen musste und für kurze Zeit wieder bei den Eltern in Haltern wohnte.

Die Anlieferung der Ware erfolge Corona-konform, betont Silvia Kleine. „Wir legen die Pakete vor die Haustür, klingeln und sagen Bescheid, dass die Lieferung angekommen ist“, beschreibt sie. Die Bezahlung erfolge dann per Rechnung. Lieferungen außerhalb der Stadt, zum Beispiel nach Dorsten, Ahsen oder Lüdinghausen werden per Post verschickt.

Viele Stammkunden halten der Halterner Handarbeitsexpertin in der Krise die Treue. Es gibt aber auch ein paar neue Fans. Das seien meistens Leute, die schon in den 1980er-Jahren gestrickt haben, und sich jetzt an dieses Hobby erinnern, erklärt Silvia Kleine.

Die Beratung und das Gespräch mit den Kunden kommen wegen der Ladenschließung zurzeit zu kurz. Dafür lernt sie Haltern jetzt von vielen neuen Seiten kennen. Durch manche Straßen fährt die gebürtige Halternerin bei ihren Auslieferungen zum ersten Mal.

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Silvia Wiethoff

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