In der Hohen Mark werden drei Windräder gebaut, viertes ist in Planung

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In den Wald geschlagene Schneisen nahe des alten Wetterschachtes AV 9 führen zu drei Bauplätzen. Noch in diesem Jahr wachsen hier in Lippramsdorf-Eppendorf drei neue Windräder gen Himmel.

Lippramsdorf

, 03.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die RAG Montan Immobilien baut gemeinsam mit den Stadtwerken Haltern zwei Windräder in die Hohe Mark. Die Zufahrtsstraßen zu den Standorten nahe des alten Wetterschachtes Auguste Victoria 9 sind geschottert und der eigentliche Bauplatz ist so hergerichtet, dass in den nächsten Tagen nach und nach die Sockel gegossen werden können. Investor ist die „Windpark Haltern AV9 GmbH“ mit den Geschäftsführern Jessica Meier (RAG Montan Immobilien) und Dr. Bernhard Klocke (Stadtwerke Haltern am See).

„Wir sind mit dem Zeitplan ins Hintertreffen geraten“, sagt Dr. Bernhard Klocke. Aufgrund der Corona-Pandemie sei es beim Windkraftanlagen-Hersteller Nordex zu Lieferschwierigkeiten gekommen. „Die Sauberkeitsschichten sind fertiggestellt, im Moment warten wir auf die Schalelemente für das Fundament“, beschreibt Dr. Klocke den aktuellen Stand auf der Baustelle. Die Betonelemente für den 1. Turm werden voraussichtlich ab dem 6. Juli installiert, der zweite Turm folgt etwa fünf Wochen später. Ab Dezember sollen sich die Flügel drehen und die Windräder Energie liefern.

Anlagenbauer liefert seine ertragsstärkste Turbine

Die beiden Anlagen vom Typ Nordex N149/4.0 – 4.5 haben eine Nabenhöhe von 149 Metern und sind inklusive der Flügel 238,5 Meter hoch. Nordex liefert seine ertragsstärkste Turbine nach Lippramsdorf, sie eignet sich für Standorte mit schwachen bis mittleren Windgeschwindigkeiten.

In Absprache mit Wald und Holz NRW wurde ein Ersatzaufforstungsverhältnis von 1:2 für alle gerodeten Waldflächen festgelegt. Das heißt, für jeden Quadratmeter Nadelwald werden zwei Quadratmeter Laubwald wieder aufgeforstet. Die Ersatzaufforstung erfolgt größtenteils in Sendenhorst. Dazu sagt Dr. Klocke: „Bei der Suche nach Ersatzflächen ist es nie leicht, solche Flächen zu finden, deshalb auch in diesem Fall eben leider nicht komplett in Haltern selbst.“

Insgesamt werden für die RAG-Windräder 15.453 Quadratmeter Nadelwald (entspricht zwei Fußballfeldern) abgeholzt, vor Ort lässt der Investor auf einer Fläche von 2223 Quadratmetern Laubwald wieder aufforsten. Der verbleibende Waldverlust in der Hohen Mark beträgt 13.230 Quadratmeter Nadelwald, als Ersatz werden auf einer 26.460 Quadratmeter großen Fläche Laubbäume gepflanzt. „Insgesamt ist das also ein Gewinn für die Natur“, betont Bernhard Klocke.

Nicht erst seit dem Ende des Bergbaus gewinnt die Ruhrkohle AG Energie durch Wind statt durch Kohle. 35 Windräder hat die RAG Montan Immobilien, die für die Flächenentwicklung ehemaliger Zechengrundstücke zuständig ist, in Nordrhein-Westfalen und im Saarland schon gebaut.

In der Nähe des alten Wetterschachtes AV 9 in Lippramsdorf-Eppendorf baut die Windenergie Hawig GmbH & Co. KG ein weiteres Windrad. Die Seewind GmbH legte den Weg zum Standort an und baut das Fundament.

In der Nähe des alten Wetterschachtes AV 9 baut Westwind Hawig ein weiteres Windrad. Die Seewind GmbH legte den Weg zum Standort an und baute das Fundament. © Elisabeth Schrief

Die Stadtwerke Haltern setzen seit 2015 auf den Wind als Energieträger: Sie beteiligten sich bereits an den Lavesumer Anlagen der Windenergie Haltern am See GmbH & Co. KG. An den neuen Windrädern in der Hohen Mark besitzen die Stadtwerke Anteile in Höhe von 20 Prozent.

Bürgerwind-Energiegesellschaft forstet vor Ort auf

Nur wenige hundert Meter weiter baut die Bürgerwind-Energiegesellschaft Westwind Hawig (ihr gehören Gesellschafter aus Lippramsdorf an) ein neues Windrad. Die Anlage war bereits genehmigt, das Verfahren musste aber nach der Insolvenz von Senvion und dem Umschwenken auf eine Vestas-Anlage mit 166 Meter Nabenhöhe (und Flügeldurchmesser von 75 Metern) neu aufgerollt werden.

Nach Auskunft von Geschäftsführer Werner Eßling ist das Fundament bereits gegossen, der Stahlturm wird voraussichtlich erst im November aufgestellt, Anfang 2021 geht die Anlage - sofern alles planmäßig läuft - ans Netz. Lieferengpässe bei dem international agierenden Unternehmen Vestas führten zu dieser Zeitverzögerung. Die Gesellschaft plant gerade, die Energiegenossenschaft Haltern mit zehn Prozent zu beteiligen.

Für dieses Windrad wurden etwa ein Hektar Nadelwald gerodet; dafür werden 2,2 Hektar höherwertiger Laubwald in unmittelbarer Nähe in Lippramsdorf als Ausgleich wieder angepflanzt.

Ein viertes Windrad soll in einem Abstand von etwa 1000 Metern auf einem freien Feld Richtung Waldschenke Vierhaus folgen. Antragsteller ist wpd WWU Wind Münster, die Anlage ist allerdings laut Auskunft des Kreises noch nicht genehmigt.

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