Die 2700 Quadratmeter große Fläche zwischen Schüttenwall und Sixtusstraße wird bebaut, hierfür wird ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. © Schrief
FEG steuert Stadtentwicklung

In Haltern: Neues Bauland für Familien, neues Arztzentrum, neues Gewerbe

In Haltern mischt mittlerweile eine Gesellschaft mit, wenn es um die Entwicklung von Bauland und Gewerbeflächen geht. Investoren hat sie ein Filetgrundstück in der Innenstadt weggeschnappt.

Mit Zustimmung der Politik gründete sich 2018 eine Flächenentwicklungsgesellschaft (FEG) als hundertprozentige Tochter der Stadtwerke Haltern. An exponierten Stellen soll sie im Interesse der Stadt und ihrer Bürger die Stadtentwicklung steuern. Mittlerweile arbeitet sie an drei wichtigen Projekten: Am Rande der Innenstadt, am Nesberg, will sie bis zum Jahreswechsel 2022/2023 Baurecht für eine neue Wohnsiedlung schaffen, am Bahnhof plant sie ein Ärztezentrum und am Schüttenwall auf einem Premiumgrundstück angrenzend an die Innenstadt soll ein Nebeneinander von Wohnen und Gewerbe möglich sein.

Stadtwerke-Sprecher Thomas Liedtke erklärt zum Hintergrund der FEG: „Neben der Energieversorgung kümmern wir uns als Dienstleister unter anderem um Freizeit und Infrastruktur. Mit der Flächenentwicklung ist eine Aufgabe hinzugekommen, über die im politischen Raum seit vielen Jahren diskutiert wurde.“ Aufgabe dieser Gesellschaft mit einem Eigenkapital von 300.000 Euro ist, Flächen für den Wohnungsbau und Gewerbeflächen in Haltern zu entwickeln. Dabei wird sie nicht selbst Grundstückseigentümerin, sondern konzentriert sich auf die städtebauliche Planung und Bereitstellung von Grundstücksflächen, den Kauf, die Konzeptionierung, Realisierung und Koordinierung der Erschließung sowie die Verwaltung und Vermarktung von Grundstücken.

Drei Projekte am Schüttenwall, Nesberg und Bahnhof

Die drei Projekte Schüttenwall, Nesberg und Annabergstraße stehen dabei exemplarisch für die Zielrichtung der FEG.

Am Schüttenwall geht es darum, ein städtisches Filetstück optisch ansprechend zu entwickeln und dabei die Nutzungen Wohnen und Gewerbe in Einklang zu bringen. Dort bot sich die Gelegenheit, ein etwa 2700 Quadratmeter großes Grundstück zu erwerben. Es handelt sich um einen Hofraum mit Garagen, ein Wohnhaus, eine Werkstatt und eine ehemalige Tankstelle, die zurzeit von einer Bäckerei genutzt wird.

Der alte Pendlerparkplatz am Bahnhof soll mit einem Facharztzentrum und weiteren Angeboten aus dem Gesundheitssektor bebaut werden. © www.blossey.eu © www.blossey.eu

Investoren waren auf dieses Areal so scharf wie die FEG.

„Die FEG hat zugegriffen, weil sie hier die Chance sieht, dieses innenstadtnahe Quartier in unmittelbarer Nachbarschaft zur Achse ‚Der See schlägt Wellen‘ städtebaulich attraktiv zu gestalten“, äußerte sich Carsten Schier, Geschäftsführer der FEG.

Im Rahmen eines Architektenwettbewerbs wolle man eine Lösung erarbeiten, die eine Nutzung mit Wohnungen und Gewerbe sowie den Bedarf an Parkplätzen in diesem Gebiet zwischen Schüttenwall und Sixtusstraße berücksichtigt.

Ziel ist in erster Linie die Schaffung von Wohnraum. Es wird aber auch einige Gewerbeeinheiten geben. Im April startet ein Architektenwettbewerb, an dem auch Halterner Architekten beteiligt sind. Die Ergebnisse sollen im November vorgestellt werden. Anschließend können die weiteren Planungen unter Einbeziehung der politischen Gremien aufgenommen werden.

Im Sommer genießen Halterner bei ihren Spaziergängen über den Nesberg den herrlichen Blick auf die Stadt. Hier sollen Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser entstehen. © privat © privat

„Im Baugebiet Nesberg an der Sundernstraße stehen wir vor der Aufgabe, die Interessen von 58 Grundbesitzern unter einen Hut zu bringen, damit dort ein attraktives Wohngebiet entstehen kann“, führt Stadtwerke-Sprecher Thomas Liedtke aus. Das erfordere sehr viel Geduld und Einfühlungsvermögen. „Das Vertrauen, das die Menschen in uns als Stadtwerke haben, hilft uns dabei sehr.“

Aktuell sei die FEG dabei, die Voraussetzungen zu schaffen, damit die eigentliche Umlegung bald starten könne. Ziel ist, bis zum Jahreswechsel 2022/2023 Baurecht zu schaffen. Thomas Liedtke nennt das ein ehrgeiziges Vorhaben, bei dem die FEG auf die weitere Unterstützung der Eigentümer angewiesen sei.

Am Nesberg ist die Nachfrage nach Grundstücken riesig

Geplant sind hier in erster Linie Ein- und Zweifamilienhäuser, aber auch Reihen- und Mehrfamilienhäuser könnten entstehen. Die Nachfrage ist riesig und die Grundstückspreise werden am Ende zwischen Verkäufer und Käufer ausgehandelt.

Auch der Verein „Buntes Wohnen“ bewirbt sich dort auf eine 3000 Quadratmeter große städtische Baufläche. Er möchte ein Mehrgenerationenhaus mit 20 Wohneinheiten in den Größen von je 30 bis 120 Quadratmetern bauen. „Angesichts der aktuellen Auseinandersetzungen über die Wohnklötze im Sythener Baugebiet Elterbreischlag und der umstrittenen Beispiele von Nachverdichtung zwischen Sundernstraße und Hennewiger Weg gibt es in der Politik leider keine ungeteilte Befürwortung für das Projekt“, bedauert Vorsitzende Anke Verhoeven.

Am Bahnhof will die FEG Eindruck hinterlassen

Die Entwicklung von dringend benötigten Gewerbeflächen steht an der Annabergstraße in direkter Nachbarschaft zum Bahnhof im Vordergrund. Mehr Gewerbesteuer und neue Arbeitsplätze seien die positiven Effekte für die Stadt Haltern am See, so Thomas Liedtke.

Die FEG möchte auf einem Teil der Fläche ein Facharztzentrum mit weiteren Angeboten aus dem Gesundheitssektor bauen. Eine entsprechende Interessenabfrage hat die Gesellschaft bereits gestartet. „Die exponierte Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof erfordert aus unserer Sicht ein attraktives Gebäude, das bei Besuchern und Durchreisenden Eindruck hinterlässt“, sagt Thomas Liedtke.


Weitere Flächen entlang der Bahnlinie sollen an Gewerbetreibende verkauft werden.

Die Immobilienpreise in Haltern explodieren, kann die FEG gegensteuern? Die hohen Grundstückspreise sind eine Folge der hohen Nachfrage und des geringen Angebotes in Haltern am See. Geschäftsführer Carsten Schier hofft, dass die FEG durch ihre Projekte ein wenig für Entspannung sorgen kann.

Investoren sehen die Arbeit teils kritisch. Aber die FEG betont, sie wolle niemandem etwas wegnehmen, sondern dort tätig werden, wo es eine besondere städtebauliche Interessenlage gebe. „Das erfordert oftmals besonderen Aufwand und hohe Anfangsinvestitionen. Sollten die Projekte am Ende mit einem Gewinn abgeschlossen werden, so bleibt der zum weitaus größten Teil bei der Stadt Haltern am See“, betont Thomas Liedtke.

Über die Autorin
Redaktion Haltern
Haltern am See ist für mich Heimat. Hier lebe ich gern und hier arbeite ich gern: Als Redakteurin interessieren mich die Menschen mit ihren spannenden Lebensgeschichten sowie ebenso das gesellschaftliche und politische Geschehen, das nicht nur um Haltern kreist, sondern vielfach auch weltwärts gerichtet ist.
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Elisabeth Schrief
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